Mittwoch, 10.05.2017 | Autor: Heidi Schnurr, Rechtsanwältin, Chefredakteurin , Foto: © sowanna - Fotolia.com

Duschgel-Flecken im Bad: Zählt das noch als normale Abnutzung?

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Worum geht´s

Verfleckter Badboden: Wann der Mieter Schadensersatz zahlen muss.

Diese dumpfen weißen Stellen auf Ihren teuren Natursteinfliesen im Bad des Mieters: Die kommen vermutlich vom Duschgel und den Shampoos, die Ihr Mieter beim Duschen dort immer abgestellt hat. Die Rückstände sehen jedenfalls ziemlich hässlich aus.

 

Hätte der Mieter da nicht besser drauf aufpassen müssen? Und: Können Sie für diese grobe Nachlässigkeit Schadensersatz von ihm verlangen?

 

Stellen Sie sich vor, Sie vermieten ein frisch renoviertes Bad mit teuren Natursteinfliesen und bekommen es mit Absandungen bzw. Abblätterungen zurück. Sicherlich würden Sie sich darüber auch ärgern und vom Mieter Schadensersatz verlangen.

Schaden oder vertragsgemäße Abnutzung? Gericht musste entscheiden

Allerdings: Schadensersatz bzw. neue Fliesen gibt es nur, wenn der Mieter den Schaden schuldhaft verursacht hat und nicht für vertragsgemäße Abnutzungen.

Weil hier die Meinungen oft auseinandergehen, musste ein Sachverständiger entscheiden. Der stellte fest, dass die Absandungen bzw. Abblätterungen am Natursteinboden durch das Verwenden von ganz normalen Allzweckreinigern und/oder Körperpflegemitteln stammen. Außerdem weil der Boden ständig durchfeuchtet wurde.

Gegen solche Mittel sei ein Natursteinfußboden im Bad nur sehr eingeschränkt beständig.

Die Mieter waren außerdem mangels besonderer Hinweise im Mietvertrag davon ausgegangen, dass sie ganz normal duschen und dabei normale, handelsübliche Dusch-Shampoos verwenden könnten.

Flecken und Abblätterungen auf Naturstein sind ganz normale Abnutzungen

Um es kurz zu machen: Der Vermieter bekam keine neuen Fliesen. Für das Gericht handelte es sich bei den Flecken und Abblätterungen nämlich um ganz normale Abnutzungserscheinungen gem. § 538 BGB (AG Brandenburg, Urteil v. 24.2.2017, 31 C 179/14).

Die Schäden kämen vom ganz normalen Gebrauch von Duschgels sowie Shampoos oder Spülmitteln. Die braucht man nun mal zum Duschen und gehören zur ganz normalen Nutzung eines Bades (AG Zweibrücken, Urteil v. 26.6.2013, 2 C 71/13 für Kalkreste und Verkrustungen).

Anders wäre es nach Auffassung des Amtsgerichts zu beurteilen, wenn z. B. auf den Fensterbänken oder Fliesen Metall- oder Rostflecke gewesen wären, die von feuchten Töpfen oder Ähnlichem herrühren. Das wäre nicht mehr als normale Abnutzung „durchgegangen“ (AG Münster, Urteil v. 9.10.2000, 49 C 910/00, WuM 2000, S. 693).

Verflecktes Bad: Duschgel verschütten kann jedem mal passieren 

Gewisse Verfärbungen und Kalkablagerungen sind selbst bei sorgfältiger Nutzung eines Bads in der Regel nicht zu verhindern: Selbst sorgfältige Mieter verschütten schon mal gelegentlich etwas Duschgel oder Shampoo. Das kann einmal schnell beim Duschen auf die Natursteinfliesen geraten und sie verschmutzen. Noch dazu, wenn die Fliesen nicht imprägniert und damit fürs Bad ungeeignet sind.

Badfliesen müssen so beschaffen sein, dass sie bei einem ganz normalen Gebrauch von Körperpflegemitteln nicht zu Schaden kommen.

Vermieter muss auf besonders empfindlichen Fußboden extra hinweisen

Das Gericht stellte außerdem fest, dass der Mieter unschuldig am Schaden war. Der Vermieter hatte ihn nicht darüber aufgeklärt, dass der Naturstein besonders empfindlich ist und es deswegen selbst bei normalen Dusch- und Pflegemitteln zu Schäden am Fußboden kommen kann.

Es ist vielmehr so: Ist ein Boden besonders säureempfindlich, muss der Vermieter den Mieter extra darauf hinweisen (LG Düsseldorf, Urteil v. 12.11.2015, 21 S 13/15 bei Schäden eines Marmorbodens durch regelmäßiges Urinieren im Stehen). Sonst geht er bei Schäden leer aus.

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Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber
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Heidi Schnurr arbeitet als Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Mietrecht für Vermieter. Ihre Praxis-Tipps speziell für Vermieter finden sich in zahlreichen Fachpublikationen, Ratgebern, E-Books, Loseblattwerken, ...
Heidi Schnurr
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Der Vermieter muss Abnutzungserscheinungen, die auf einen vertragsgemäßen Gebrauch der Mietsache zurückzuführen sind, weder beseitigen noch ersetzen. Dazu gehören beispielsweise Laufspuren im Teppich und auch vereinzelte Flecken.

 

Fehlt eine konkrete, vertragliche Vereinbarung wie der Mieter z. B. einen besonders empfindlichen Fußboden pflegen muss, bestimmt sich das, was als vertragsgemäßer Gebrauch noch zulässig ist, nach der allgemeinen Verkehrsanschauung. Dabei sind örtliche Sitten und Gebräuche zu berücksichtigen.

 

Das bedeutet: Vermieten Sie an eine Familie mit Kleinkindern, müssen Sie damit leben, dass sich am Teppichboden im Kinderzimmer Teeflecken und/oder Filzstiftflecken zeigen. Denn das entspricht einem normalen Gebrauch eines Kinderzimmers.