Mittwoch, 17.08.2016 | Autor: Heidi Schnurr, Rechtsanwältin und Chefredakteurin meineimmobilie.de, Foto: © inna_astakhova - Fotolia.com

Der Ballermann von nebenan: Wenn Fußbälle in Ihrem Blumenbeet landen

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Worum geht´s

Fußball landet im Garten: Was Sie als Nachbar hinnehmen müssen.

Sie hegen und pflegen Ihre Tulpen, Rosen und den Phlox. Plötzlich ein kurzer dunkler Schatten über Ihnen und gleich danach ein dumpfes Plumps-Geräusch: Mal wieder ist ein Ball vom Nachbargrundstück mitten in Ihrem Blumenbeet gelandet und hat dort ihre geliebten Blumen abgeknickt.

 

Umsonst das monatelange Gießen, Säen, Schneiden und Düngen! Sie ärgern sich, denn es ist nicht das erste Mal, dass ein Ball auf Ihrem Grundstück landet und dort einen Schaden anrichtet. 

Wie viele Bälle Sportplatz-Nachbarn hinnehmen müssen  

Wer neben einem Sportplatz wohnt, muss nicht nur mit Flutlicht, wildem Parken und Lautsprecherdurchsagen an Wochenenden rechnen, sondern schlimmstenfalls auch mit regelmäßig herüberfliegenden Bällen.

Doch selbst als Nachbar eines Sportplatzes gibt es gewisse Grenzen, was den „Überflug“ betrifft: Dabei sind 135 Bälle im Jahr, die wegen eines zu niedrigen Ballfangzauns in Ihrem Garten landen, eindeutig zu viel!

135 Bälle im Jahr sind eindeutig zu viel!

So erging es dem Nachbar eines Sportvereins in Dessau. Der fischte im Jahr 135 Bälle aus seinem Garten und gab sie dem Verein zurück. Dabei hatte er die von den Sportlern selbst und eigenmächtig zurückgeholten Bälle noch gar nicht mitgezählt.

Die Ballrückholung ging nicht immer wortlos vonstatten, sondern oft genug lieferten sich der Nachbar und die Sportler Verbalattacken.

Vor Gericht ging es darum, wie oft der Ball auf dem Grundstück des Nachbarn landete. Der Sportverein bestritt, dass der Ball so oft rüber zum Nachbar geflogen sei. Das Gericht schaute sich den Trainingsplan auf dem Fußballplatz an und hielt die 135 Vorfälle im Jahr jedenfalls für möglich – und eindeutig für zu viel (OLG Naumburg, Urteil vom 23.11.2015, 12 U 184/14).

Es darf nur ein Ball pro Woche danebengehen

Der häufige Ballüberflug stelle eine wesentliche Beeinträchtigung des Grundstücks dar. Die Toleranzgrenze sei jedenfalls bei mehr als einem Ball pro Woche überschritten.

Deswegen verpflichtete das Gericht den Verein dafür zu sorgen, dass die maximale 1-Ball-pro-Woche-Grenze eingehalten wird. Ansonsten muss der Verein ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 EUR zahlen oder dem Vorstand drohen bis zu 6 Monate Haft.

Der Ballfangzaun muss mindestens 6 Meter hoch sein

Der Schuldige für den Ballüberflug war schnell ausfindig gemacht: Nicht die Sportler, sondern der zu niedrige Ballfangzaun war schuld. Der war an der Seite zum Grundstück des Nachbarn nur 4 Meter hoch. 6 Meter seien aber erforderlich, um einen „Überflug“ zumindest zu verringern.

Ärgerlich für den Nachbarn: Auf der anderen Seite des Spielfeldes stand ein Wald. An dieser Seite stand bereits ein 6 Meter hoher Zaun. Jetzt muss der Sportverein den Ballfangzaun auch auf der Seite zum Nachbarn auf 6 Meter erhöhen.

Wahlweise muss der Verein seine Trainingszeiten so reduzieren, dass nicht mehr so viele Bälle im Blumenbeet des Nachbarn landen. 

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Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber
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Heidi Schnurr arbeitet als Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Mietrecht für Vermieter. Ihre Praxis-Tipps speziell für Vermieter finden sich in zahlreichen Fachpublikationen, Loseblattwerken, Büchern und ...
Heidi Schnurr
Ihr Haus steht direkt neben einem Kindergarten, einem Spiel- oder Bolzplatz? Na, dann sind Sie ja vielleicht beim Thema Kinderlärm ein "gebranntes Kind"!   Neuerdings müssen Sie sogar noch etwas toleranter sein als bisher. Wer das sagt? Der BGH, denn der hat gerade ein neues Urteil zu Kinderlärm von einem Bolzplatz gefällt.   Doch schon seit dem 28.07.2011 hat der Gesetzgeber das Bundes-Immissionsschutzgesetz zugunsten von Kinderlärm aus der Nachbarschaft geändert.  
Stöckelschuhe sind ja mitunter hübsch anzusehen, allerdings können Sie die Nerven von Mitbewohnern auf die akustische Zerreißprobe stellen, wenn sie jeden Schritt mitanhören müssen, den die über ihnen wohnende Dame in ihren Schuhen auf dem Parkett zurücklegt.    Eine Frage der Schuhe oder des etwa des mangelnden Schallschutzes? Wie viel Schallschutz der Mieter erwarten darf, klärte jetzt der Bundesgerichtshof.
Es hämmert und es rumpelt. Ständig fahren Baufahrzeuge hin und her. Zudem wird der Kranführer den ganzen Tag lautstark angewiesen, wohin die angelieferten Bauteile müssen. Und das schlimmstenfalls schon ab 6 Uhr morgens! Ja, Baulärm ist nicht jedermanns Sache und das schon gar nicht, wenn sich die Baumaßnahme nebenan über 2 Jahre hinzieht. Also wenig verwunderlich, dass Ihnen Ihr Mieter die Miete kürzt. Die Mieteinbußen wollen Sie vom bauwütigen Nachbarn ersetzt haben.

 meineimmobilie.de-Tipp

Der von Kindern beim Spielen im Freien verursachte Lärm ist den Eigentümern benachbarter Wohnungen oder Wohngrundstücken in der Regel zumutbar.

 

Hier wird seit der Änderung von § 26 Abs. 1a BImSchG mehr Toleranz von den Nachbarn gefordert. Danach gelten Geräusche von Kindertageseinrichtungen, Kinderspielplätzen und ähnlichen Einrichtungen wie beispielsweise Ballspielplätzen, die durch die Kinder hervorgerufen werden, im Regelfall nicht mehr als schädliche Umwelteinwirkung.