Montag, 18.01.2016 | Autor: Heidi Schnurr , Foto: © Nobilior - Fotolia.com

Dachlawine: Wann Sie etwas dagegen unternehmen müssen

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Worum geht´s

Eiszapfen und Schneelawinen: Wann und wie Sie Passanten schützen müssen.

Da rutschen Eis- oder Schneemassen von Ihrem Gebäudedach direkt auf die Sträucher Ihres Nachbarn. Die sind alle abgeknickt – ein ärgerlicher Schaden! Müssen Sie dafür einstehen? 

Nur, wenn Sie Ihre Verkehrssicherungspflicht als Hauseigentümer verletzt haben.

 

So schützen Sie andere vor herabstürzendem Schnee

Bei Dachlawinen gilt nach herrschender Meinung, dass Sie nur dann zumutbare Sicherungsmaßnahmen zum Schutze Dritter, wie Passanten und Besucher des Hauses, ergreifen müssen, wenn besondere Umstände vorliegen.

Als besondere Umstände gelten:

  • die allgemeine Schneelage des Ortes
  • die Beschaffenheit und die Lage des Gebäudes
  • die allgemein ortsüblichen Sicherheitsvorkehrungen
  • die konkreten Schneeverhältnisse und
  • Art und Umfang des gefährdeten Verkehrs

Je schneereicher das Gebiet ist, in dem Sie wohnen, umso geringer ist der Maßstab, der an Ihre Verkehrssicherungspflicht anzulegen ist. Denn in schneereichen Gebieten wissen die Anwohner um die Gefahr! So jedenfalls die Theorie.

Wann Sie Schneefanggitter montieren müssen

Sind Schneefanggitter weder per Ortssatzung vorgeschrieben noch allgemein üblich, dann stellt es auch keinen Pflichtverstoß dar, wenn entsprechende Schutzmaßnahmen an Ihrem Haus fehlen!

Zudem spielt aber auch die Dachneigung eine gewisse Rolle dabei, ob Sie nun doch – trotz der fehlenden Schneefanggitter-Anbringungspflicht – welche montieren müssen. Ist die Dachneigung nur gering (hier nur 24 Grad), können Sie sich die Gitter sparen (Thüringer OLG, Urteil v. 18.6.2008, 2 U 202/08).

Soweit Ihr Gebäudedach eine übliche Neigung aufweist, wird es nicht als besonders anfällig für Dachlawinen eingestuft werden. Das trifft nur auf Dächer zu, die eine Neigung von mehr als 45 Grad haben.

Wer haftet, wenn eine Dachlawine aufs Auto rutscht

Knallt dennoch eine Dachlawine auf ein darunter abgestelltes Auto, ist der Hausbesitzer nicht zum Schadenersatz verpflichtet (§ 823 Abs. 2 BGB i. V. m. § 35 Abs. 8 LBauO NRW), auch nicht nach ortspolizeilichen Vorschriften (OLG Hamm, Urteil v. 14.8.2012, I 9 U 119/12).

Wann Sie Warnschilder aufstellen müssen

Darüber hinaus müssen Sie als Hauseigentümer weitere Sicherungsmaßnahmen, wie etwa das Aufstellen von Warntafeln oder Absperrungen, nur ergreifen, wenn die Wetterlage und die Eis- oder Schneemengen auf dem Dach dazu konkret Anlass geben.

Grundsätzlich müssen Sie aber Ihr Dach nicht von Schnee und Eis befreien. Das ist nur in eng umgrenzten Ausnahmefällen ein Muss, zumal das Schneeräumen auf dem Dach auch mit erheblichen Gefahren verbunden ist.

Was bei herabhängenden Eiszapfen gilt

Bei besonderen Wetterlagen müssen Sie das Dach und den darauf befindlichen Schnee, insbesondere auch überhängenden Schnee und überhängendes Eis im Auge behalten, um eventuell notwendige Schutzmaßnahmen ergreifen zu können. Gegebenenfalls müssen Sie sogar Fachleute einschalten, um das Eis vom Dach zu bekommen.

Unterlassen Sie diese Pflicht bei einer extremen Wettersituation (ungewöhnlich viel Schnee und Tauwetter), verletzen Sie damit zumindest fahrlässig Ihre Verkehrssicherungspflicht.

 

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Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber
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Heidi Schnurr arbeitet als Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Mietrecht für Vermieter. Ihre Praxis-Tipps speziell für Vermieter finden sich in zahlreichen Fachpublikationen, Loseblattwerken, Büchern und ...
Heidi Schnurr
Als Sie morgens beiläufig aus dem Fenster schauen, trauen Sie Ihren Augen nicht: alles weiß! Der Zeiger steht bereits auf 7 Uhr und die ersten Fußgänger sind schon auf dem Weg zur Arbeit und stapfen durch den Schnee vor Ihrem Haus.  Bleibt Ihnen noch Zeit zum Frühstücken oder müssen Sie erst raus und schippen? Oder können Sie sitzen bleiben, weil Ihr Mieter mit dem Winterdienst dran ist? Selbst wenn der Mieter schippt: Dennoch sind Sie damit nicht ganz aus der Verkehrssicherungspflicht raus. 
Alles nass und dreckig. Wohlgemerkt im Treppenhaus und nicht in der Wohnung des Mieters. Denn der zieht seine Schuhe immer brav vor seiner Wohnungstür aus.    So weit so gut, würde er nicht seine dreckigen und ausdünstenden Schuhe vor der Tür stehen lassen. Nicht nur Ihnen, sondern auch den Mitbewohnern im Haus ist das ein Dorn im Auge.
Ob Dachlawinen oder gar eingestürzte Dächer – luftig, leichter Schnee entwickelt sich nach gewisser Zeit zu einer schweren, eisigen Schneeschicht und wird auf Dächern zum Risikofaktor.

 meineimmobilie.de-Tipp

Lange Eiszapfen müssen weg

 

Gerade wenn die Lage Ihres Hauses so ist, dass die herabstürzenden Schnee- und Eismengen unmittelbar in den öffentlichen Verkehrsraum fallen, weil kein Vorgarten und kein separater Fußgängerweg vorhanden sind, ist besondere Sorgfalt geboten!

 

In diesem Fall müssen Sie sich beispielsweise eine geeignete Stange zum Herunterziehen von Eis besorgen, um Personen und Gegenstände vor einem Schnee- und Eisbruch zu bewahren.