Mittwoch, 10.09.2014 | Autor: Heidi Schnurr, Foto: © sowanna - Fotolia.com

Badefreuden: Wann und wie lange der Mieter baden darf

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Worum geht´s

Lärm oder normale Wohngeräusche? Wann und wie lange der Mieter baden darf.

Wenn einer zu heiß gebadet hat, versteckt sich dahinter meist eine üble Beschimpfung. Manch einer stört sich jedoch nicht an der Temperatur, sondern an der Tatsache, dass der Mieter überhaupt gebadet hat: Mitten in der Nacht und noch dazu stundenlang!

Gerade in hellhörigen Häusern kann dies den Nachbarn ein Dorn im Auge sein.

Ein- und ablaufendes Wasser zählt zu den normalen Wohngeräuschen

Der Mieter darf alle Teile seiner Wohnung - und dazu gehört auch das Bad - grundsätzlich zu jeder Tages- und Nachtzeit benutzen. In Anbetracht der veränderten Lebens- und Arbeitsbedingungen handelt es sich dabei um normale Wohngeräusche, die aus einer lediglich zweckentsprechenden Nutzung des Badezimmers resultieren.

Das gilt selbst dannn, wenn sich andere Hausbewohner dadurch in ihrer Nachtruhe gestört fühlen.

Lässt er also Wasser in seine Wanne laufen oder zieht er den Stöpsel aus der Wanne, gehört das Geräusch des ein- und ablaufenden Wassers noch zu den normalen Wohngeräuschen, die alle anderen Mitbewohner hinnehmen müssen.

Der Mieter darf baden und duschen, wann er will

In einem Urteil liest sich das so: Waschen, auch nächtliches Duschen beziehungsweise Baden, gehört zu einem hygienischen Mindeststandard, der ohne Weiteres der normalen Lebensführung eines Mieters zugerechnet werden kann (LG Köln, Urteil vom 17.4.1997, 1 S 304/96).

Als Grundregel gilt also: Der Mieter darf baden und duschen, wann er will.

Was Sie in Ihrer Hausordnung regeln können

Vermieter können deshalb nicht einmal in ihrer Hausordnung das nächtliche Baden und Duschen völlig ausschließen. Sie sollten es deswegen eher diplomatischer formulieren. Zum Beispiel so:

Mit Rücksicht auf die Mitbewohner ist das Duschen und Baden nur in Ausnahmefällen in der Zeit von 22 bis 6 Uhr erlaubt.

Wann ein Verstoß gegen die Hausordnung vorliegt

Eine solche Regelung hat das Amtsgericht Rottenburg ausdrücklich für zulässig angesehen (AG Rottenburg-Neckar, Urteil v. 31.10.1994, 2 C 356/94). In solch einem Fall müsste der störende, reinliche Mieter nachweisen, dass für ihn ein solcher Ausnahmefall vorgelegen hat.

In einer Wohnungseigentumsanlage können die Eigentümer wirksam vereinbaren, dass Baden und Duschen zwischen 23 und 5 Uhr verboten ist (OLG Bayern, Urteil v. 21.2.1991, BReg. 2 Z 7/91).

Auch das Oberlandesgericht Düsseldorf hat ein Herz für badelustige Mieter. Die dürfen nämlich auch während der Nachtzeit von 22 bis 6 Uhr grundsätzlich baden und duschen. Das gilt auch dann, wenn die dabei verursachten Geräusche andere Hausbewohner in ihrer Nachtruhe stören könnten (OLG Düsseldorf, Beschluss v. 25.1.1991, 5 Ss (OWi) 411/90 – (OWi) 181/90 I, WuM 1991 S. 288).

Baden erlaubt, allerdings nur maximal ne halbe Stunde

Allerdings hat das Gericht dafür zeitliche Grenzen gesetzt: Maximal 30 Minuten sind erlaubt. Dabei hat es mit einkalkuliert, wie lange man üblicherweise für die vorbereitenden und abschließenden Tätigkeiten (zum Beispiel Ein- und Ablaufen des Badewassers) benötigt (OLG Düsseldorf, Urteil vom 25.1.1991 - 5 Ss [OWi] 411/90; [OWi] 181/90 I).

Wannengeräusche: Wann der Mieter mindern darf

Das kennen Sie ja: Für eine Mietminderung kommt es nicht darauf an, ob Sie als Vermieter eine Schuld an der Störung trifft. Deswegen darf der Mieter selbst dann die Miete wegen z. B. störendem Lärm aus der Nachbarwohnung mindern, wenn Sie den nicht abstellen können.

Vielleicht werden Sie deswegen gleich über dieses Urteil ein wenig schmunzeln: Ein Gericht gestand einem Mieter eine Mietminderung zu, weil er "jeden Pups" hörte, den der über ihm wohnende Mieter in seiner Badewanne ließ (AG Neuruppin, Urteil v. 12.11.2004, 42 C 263/04, WM 2005, S. 653).

Badewanne: Wie hoch der Wasserdruck sein muss

Tropft es nur langsam, wenn Ihr Mieter den Wasserhahn aufdreht, könnte das ein Minderungsgrund sein.

Dreht der Mieter am Hahn, muss ein Fließdruck von 2 bar mit einem demgemäß zu erwartenden Kaltwasserdurchfluss von 18 l/min für die Badewanne und von 10 l/min für den Wasch- und Spültisch erreicht werden. Ist es weniger, darf der Mieter die Miete um 8 % mindern (LG Berlin, Urteil v. 05.01.2010, 65 S 322/09). 

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Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber
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Heidi Schnurr arbeitet als Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Mietrecht für Vermieter. Ihre Praxis-Tipps speziell für Vermieter finden sich in zahlreichen Fachpublikationen, Loseblattwerken, Büchern und ...
Heidi Schnurr
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Falls andere Mieter sich durch nächtliches Baden oder Duschen eines Mitbewohners gestört fühlen, können Sie ihnen raten, eine Anzeige wegen nächtlicher Ruhestörung zu erstatten.

 

Dieses Vorgehen hat sich beispielsweise bei einem Fall vor dem Amtsgericht Düsseldorf bewährt. Der störende Mieter musste ein saftiges Bußgeld zahlen und wurde vom Gericht darüber belehrt, dass er nachts nicht länger als 30 Minuten baden darf (AG Düsseldorf, Urteil v. 8.9.1991).