Dienstag, 13.06.2017 | Autor: Heidi Schnurr, Rechtsanwältin, Chefredakteurin , Foto: © livestockimages - Fotolia.com

Ausgestöckelt: Wer zahlen muss, wenn der Absatz im Gitter stecken bleiben

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Worum geht´s

Sturz auf Stöckelschuhen: Wer zahlen muss, wenn Mieter oder Bewohner vor Ihrem Haus stürzen

Frauen kennen vielleicht das Problem: Sie laufen unbedarft in ein Haus, ein Geschäft oder Restaurant hinein und plötzlich stoppt es abrupt: Der Absatz steckt im grobmaschigen Gitterrost am Boden vor dem Eingang fest.

 

Nicht nur ein peinlicher, sondern unter Umständen auch ein recht schmerzlicher Moment für den Schuh und seine Trägerin: Bestenfalls hinterlässt dieser kleine, ungewollte Zwischenstopp „nur“ einen kleinen Cut im Absatz. Schlimmstenfalls reißt er ab und die Schuhträgerin stürzt und verletzt sich.

70.000 EUR Schadensersatz für Sturz wegen Gitterrost vor dem Hauseingang?

So wie die Mutter einer Mieterin aus Schleswig-Holstein. Als sie ihre Tochter in dem über 100 Jahre alten Haus besuchen wollte, blieb sie mit ihrem 2,5 cm hohen und 1,5 cm breiten Absatz ihres rechten Schuhs im grobmaschigen Gitterrost vor der Hauseingangstür stecken. Sie stürzte und verletzte sich schwer.

Deshalb wollte sie vom Vermieter dafür 70.000 EUR Schadensersatz haben. Sie hatte nämlich festgestellt, dass das Gitter des Metallgitterrostes vor dem Hauseingang, der als Fußabtreter dienen sollte, sehr grobmaschig war. Jede Masche war jeweils 4 cm x 7,3 cm breit. Laut dem „Merkblatt für Metallroste“ war jedoch nur eine maximale Breite von 1 cm erlaubt. Damit war der Rost vor der Haustür viel größer als erlaubt.

Das sei verkehrswidrig und damit hätte die Hauseigentümerin ihre Verkehrssicherungspflicht verletzt.

Bewohner und Besucher von älteren Häusern müssen mit Gitterrost vor der Tür rechnen 

Das Gericht wies jedoch die Schadensersatzklage ab (Schleswig-Holsteinische OLG, Urteil v. 12.5.2017, 11 U 65/15). Wer auf Stöckelschuhen unterwegs ist, muss beim Betreten bzw. Verlassen eines älteren Gebäudes mit einem grobmaschigen Gitterrost rechnen und mit einkalkulieren, dass er im Rost hängenbleiben kann.

Gerade bei älteren Häusern seien solche Fußabtreter-Gitterroste vor der Haustür üblich. Damit müssten die Bewohner und Besucher des Hauses rechnen.

Deswegen darf sich ein Hauseigentümer auch darauf verlassen, dass Trägerinnen von Schuhen mit hohen Absätzen angemessen auf diese erkennbare Gefahr reagieren: Sie müssen besonders auf solche Gitterroste achten und entweder seitlich daran vorbeigehen oder aber nicht mit dem Absatz auf das Gitterrost treten, sondern nur auf dem Fußballen darüber laufen.

Dazu kam, dass die strengen Sicherheitsvorgaben für die Breite eines Gitterrostes nur für öffentliche Wege gelten, aber nicht für Privatgrundstücke.

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Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber
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Heidi Schnurr arbeitet als Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Mietrecht für Vermieter. Ihre Praxis-Tipps speziell für Vermieter finden sich in zahlreichen Fachpublikationen, Ratgebern, E-Books, Loseblattwerken, ...
Heidi Schnurr
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 meineimmobilie.de-Tipp

Wer mit hochhackigen oder Schuhen mit dünnen Absätzen unterwegs ist, muss laut Gerichtsurteil besonders aufmerksam sein und auf Gitterroste im Hauseingangsbereich achten: Nicht einfach drüber laufen, sondern entweder nur mit dem Ballen auftreten oder die vermeintliche Stolperfalle meiden und seitlich daran vorbeigehen.