Dienstag, 10.02.2009 | Autor: Heidi Schnurr, Foto: © Aleksandr Bedrin - Fotolia.com

Ärgerlich: Hässliche Bohrlöcher sind nicht immer Mietersache

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Worum geht´s

Wo und wie oft darf der Mieter den Bohrer ansetzen - und wann können Sie Schadensersatz fordern, wenn Ihre Wand aussieht wie schweizer Käse?

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In der Zahnpastawerbung hieß es einmal: "Stell' Dir vor, er hat nicht einmal gebohrt!". Tja, wenn Sie das auch beim Auszug Ihres Mieters so freudestrahlend sagen könnten.

 

Doch der Vermieteralltag sieht oftmals anders aus: Da hat der Mieter munter gebohrt und Ihre Wand ähnelt schlimmstenfalls einem Schweizer Käse! Wie viele Bohrlöcher noch erlaubt sind, hängt - wie so oft bei den Juristen - vom Einzelfall ab.

Er berief sich dabei auf § 539 Abs. 2 BGB in Verbindung mit § 258 BGB. Schließlich würde es sich bei der Holzpaneele um eine vom Mieter eingebrachte Einrichtung handeln, die er bei seinem Auszug wieder entfernen müsse.

Eine oder alle Fliesen? Was Sie vom Mieter verlangen können

Der Mieter riss kurzerhand die Holzleisten runter. Es kamen 110 Dübellöcher zum Vorschein. Die Löcher hatte der Mieter - zu seinem großen Glück - hauptsächlich in die Fugen statt in die Kacheln gebohrt! Schon deswegen konnte der Vermieter nicht auf komplett neue Wandfliesen pochen.

"Das ist unverhältnismäßig", befand das Gericht. Selbst, wenn einzelne Fliesen ausgetauscht werden müssten und keine identischen Fliesen mehr erhältlich wären, müsse der Mieter nicht für die gesamten Wandfliesen aufkommen! Allerdings steht Ihnen als Vermieter dann Schadenersatz für diese optische Wertminderung zu. Den bezifferte das Gericht mit 336 Euro.

Insgesamt kam der Vermieter so auf einen Schaden von 900 Euro. Dies nicht zuletzt deswegen, weil das Gericht in den zwei Souterrainräumen eher hübsche Kellerräume statt einer Wohnung unteren Standards sah (AG Hamburg-Altona, Urteil v. 18.5.2006, 318 C 283/05, WM 2008, S. 27).

34 Dübellöcher in der Küche sind noch keine Sachbeschädigung

Ähnlich erging es einem Vermieter aus Köln. Nach dem Auszug seines Mieters zählte er 34 Dübellöcher. Weil die nach Ansicht des Gerichts für das Anbringen der üblichen Möbel (Hängeschränke, Gardinenstangen usw.) erforderlich waren, ging der Vermieter leer aus (Oberlandesgericht Köln, Urteil v. 29.4.1994, 19 U 201/93, WM 1995, S. 582).

32 Bohrlöcher im Bad können noch vertragsgemäß sein

Dass es bei Bohrlöchern immer auf den Einzelfall ankommt, unterstreicht folgendes Urteil: Dort bohrte ein Mieter 32 Löcher im Bad. Das empfand das Gericht noch als vertragsgemäß (LG Hamburg, Urteil v. 17.5.2001, 307 S. 50/01, WM 2001, S. 359).

Der Grund: Im Bad fehlten sämtliche Armaturen. Die Richter stellten klar: Bei der Anzahl der Bohrlöcher gibt es keine festen Grenzen. Maßgebend sei immer der Einzelfall!

Deswegen kam ein Mieter, der "nur" 14 Bohrlöcher im Bad hinterließ, noch recht gut weg: Das wertete das Gericht jedenfalls nicht als Sachbeschädigung (AG Kassel, Urteil v. 15.3.1996, 451 C 7217/95, WM 1996, S. 757).

 

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Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber
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Es schreibt für Sie

Heidi Schnurr arbeitet als Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Mietrecht für Vermieter. Ihre Praxis-Tipps speziell für Vermieter finden sich in zahlreichen Fachpublikationen, Loseblattwerken, Büchern und ...
Heidi Schnurr
Zu viele, zu große und noch dazu an den falschen Stellen: Die Rede ist von hässlichen Bohrlöchern, die Sie oft erst entdecken, wenn der Mieter samt Umzugswagen schon um die Ecke ist. Ein Fall für Schadensersatz? Wie die Gerichte hier entscheiden.
Kaum hängt der Mieter seine Küchenschränke ab oder die hippen Wohnzimmerregale, sehen Ihre Wände aus wie Schweizer Käse. Ihr Mieter meint, er könne so ausziehen - ohne die Löcher zuzuspachteln. Sie sehen das jedoch ganz anders.

 meineimmobilie.de-Tipp

Was der Mieter "verändert", muss er bei Mietvertragsende wieder in den vorherigen Zustand zurückversetzen.

 

Dabei spielt es keine Rolle, ob er die Einrichtung im Rahmen des vertragsgemäßen Gebrauchs, mit Ihrer ausdrücklichen Zustimmung oder ungefragt angebracht hat!