Dienstag, 09.08.2016 | Autor: Heidi Schnurr, Rechtsanwältin und Chefredakteurin meineimmobilie.de, Foto: © ReinhardT - Fotolia.com

Abzocke beim Schlüsseldienst: Nicht mit Ihnen!

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Worum geht´s

Abzocke in der Not: So wehren Sie sich gegen Wucherpreise beim Schlüsseldienst.

Sie hören noch ein leises "klack", als Sie die Tür hinter sich zuziehen. Kaum ist die Tür zu, fällt Ihnen auch schon ein, dass Sie vergessen haben, den Wohnungsschlüssel einzustecken! Jetzt kann´s teuer werden, falls Sie den Schlüsseldienst rufen müssen und dabei den falschen erwischen. 

 

Doch gegen Wucherpreise und Abzocke können Sie sich wehren. Immer mehr Gerichte sind dabei mittlerweile auf Ihrer Seite. 

Sie kennen es vielleicht aus dem Fernsehen, schlimmstenfalls jedoch aus eigener Erfahrung: Die Schlüsseldienst-Abzocke, wo aus der Not der verzweifelten Ausgeschlossenen noch versucht wird, Profit zu schlagen.

Das haben mittlerweile auch die Gerichte erkannt und gestehen den Geschädigten einen Rückzahlungsanspruch zu, falls diese quasi zum Vertrag „gezwungen“ wurden.

So wie eine Wohnungseigentümerin aus Essen. Sie hatte den Schlüsseldienst gerufen und sollte dafür am Ende 422 EUR zahlen.

Sie zahlte noch vor Ort, nachdem die Mitarbeiter des Schlüsselnotdienstes aggressiv wurden und sie unter Druck setzten. Nachträglich verlangte sie nun vor Gericht ihr Geld zurück. Zu Recht (AG Essen-Steele, Urteil v. 11.11.2015, 17 C 61/15).

Für unredliche Dienste müssen Sie nicht zahlen!

Zwar war ein Vertrag über das Türöffnen zustande gekommen. Allerdings hätte dem Schlüsselnotdienst nach § 242 BGB kein Anspruch auf die Vergütung zugestanden, weil der Vertrag auf missbilligende Weise zustande gekommen war.

Zum einen war der Wohnungsinhaberin verschwiegen worden, dass es sich um einen 24-Stunden-Schlüsselnotdienst gehandelt habe. Dabei hatte sie extra noch am Telefon mitgeteilt, dass es nicht eilig sei und sie somit nur einen Schlüsseldienst, aber keinen Notdienst benötige.

Fragen Sie nach dem Preis – und das schon am Telefon

Darüber hinaus habe sie zunächst um einen Kostenvoranschlag gebeten. Den konnten ihr die beiden Mitarbeiter des Notdienstes aber erst nach dem Öffnen der Tür geben. Damit hatten sie die Wohnungsinhaberin dazu gebracht, dem Öffnen der Tür erst einmal nicht zu widersprechen.

Außerdem hatte ihr niemand trotz Nachfrage einen Preis genannt. Selbst im Vertrag sei der Preis erst hinterher eingetragen worden. Zusätzlich hätten die Mitarbeiter des Schlüsseldienstes der Wohnungsinhaberin suggeriert, sie unterschreibe lediglich, dass sie die Eigentümerin der Wohnung sei.

Unredliches Verhalten“, attestierte das Gericht dem Schlüsselnotdienst.

Das endet damit, dass die Wohnungsinhaberin letzten Endes aufgrund des aggressiven Verhaltens der Mitarbeiter des Schlüsselnotdienstes die geforderten 422 EUR direkt vor Ort zahlt. Die Situation war für sie so ausweglos, dass sie nur zahlte, um die  Mitarbeiter wieder loszuwerden.

Da dem Schlüsseldienst wegen seines unredlichen Verhaltens kein Geld zustand, musste er alles wieder zurückzahlen. 

Kommentare (1)

12.8.2016, 17:58 Uhr von AGKG Profil ansehen
Hallo, die bessere Lösung ist einfach bei der Polizei anzurufen (nicht den Notruf sondern die regionale Fetsnetznummer). Bei den meisten Stationen liegen Listen mit seriösen Partner aus, die man Ihnen dann nennen kann/wird
Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber
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Heidi Schnurr arbeitet als Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Mietrecht für Vermieter. Ihre Praxis-Tipps speziell für Vermieter finden sich in zahlreichen Fachpublikationen, Loseblattwerken, Büchern und ...
Heidi Schnurr
Die zugefallene Haustür, die defekte Heizung oder ein verstopftes Abflussrohr: Jetzt schlägt die Stunde des Notdienstes! Der hilft Ihnen zwar aus Notsituationen, verlangt jedoch für seine Behilflichkeit – besonders an Wochenenden, abends und nachts – gesalzene Preise. Jedenfalls die schwarzen Schafe unter den ehrlichen Handwerkern. Die wollen aus Ihrer Notlage möglichst Profit schlagen.
Was tun, wenn der Mieter seinen Schlüssel nicht mehr findet? Jetzt sind Sie als Vermieter an der Reihe: Sie müssen sich überlegen, ob Sie jetzt alle Schlösser wegen der erhöhten Diebstahlgefahr austauschen wollen. Ob Sie diese Kosten Ihrem Mieter „aufbrummen“ können, hängt – wie so oft – davon ab, was in Ihrem Mietvertrag steht.
Es ist der pure Alptraum eines jeden Vermieters: Während des Urlaubs Ihres Mieters platzt ein Wasserrohr. Das Wasser läuft in einem dünnen Rinnsal unter der Wohnungstür Ihres Mieters heraus. Ihr darunter wohnender Mieter hat sich bereits über den hässlichen nassen Fleck an der Decke beschwert. Sie müssen unbedingt in die Wohnung - und zwar sofort! Nur leider ist Ihr Mieter nicht erreichbar und Sie haben keinen Schlüssel zur Wohnung. Wie sich solche misslichen Notfall-Situationen vermeiden lassen? Meineimmobilie.de weiß Rat.

 meineimmobilie.de-Tipp

Ersparen Sie sich einen Schlüsseldienst, indem Sie einen Schlüssel bei Verwandten, Freunden oder Nachbarn deponieren. Am besten in einem verschlossenen Umschlag, den Sie quer unterschreiben, sodass Sie immer sehen können, ob der Umschlag unbefugt geöffnet wurde.

 

Und falls Sie doch einmal einen Schlüsseldienst brauchen und Preise vergleichen möchten: Üblicherweise kostet Sie eine normale Türöffnung mit einer typischen Arbeitszeit vor Ort von ca. 15 Minuten unter der Woche während den normalen Arbeitszeiten zusammen mit der Fahrtzeit ungefähr pauschal zirka 150 Euro (brutto, inkl. USt). Am Abend oder an einem Samstag müssen Sie mit einer Türöffnungspauschale von ca. 200 Euro (brutto) rechnen. An einem Sonntag oder an einem Feiertag mit einer Pauschale von 250 Euro. Fällt Ihre Rechnung mindestens doppelt so hoch aus, liegt Wucher vor. Ihr Vertrag ist dann von Anfang an „nichtig“.

 

Rufen Sie notfalls die Polizei, falls der Schlüsseldienst auf sein Geld besteht und es unangenehm wird.