Mittwoch, 21.06.2017 | Autor: Heidi Schnurr, Foto: © JWS - Fotolia.com

5 nackte Tatsachen: Was auf Balkonien erlaubt ist und was nicht

Foto: © JWS - Fotolia.com
Worum geht´s

Was der Mieter auf seinem Balkon darf und was nicht.

Ihr Mieter sonnt sich jeden Mittag nackt auf seinem Balkon: "Urlaub auf Balkonien", nennt er das. Derweil flattert seine frisch gewaschene Wäsche munter im Wind. Genauso wie seine geblümte Bettwäsche, die er jeden Morgen zum Lüften über das Balkongeländer hängt.

Die Nachbarn haben Sie schon schmunzelnd darauf angesprochen. Ihnen ist das Ganze eher hoch peinlich. "Fremdschämen" nennt sich das und Sie fragen sich insgeheim: Kann ich das dem Mieter verbieten?

Nackt sonnen, fremd schämen: Beides ist erlaubt

Da sonnt sich Ihr Mieter jeden Mittag nackt auf der Terrasse. Kein schöner Anblick. Das finden jedenfalls Sie - und was sagen die Gerichte?

Der Bundesgerichtshof hat bisher jedenfalls die Frage, ob Sie dieses Ihr Schamgefühl oder Ihr sittliches Empfinden verletzende Verhalten abwehren können, stets verneint (BGH, Urteil v. 15.11.1974, V ZR 83/73, NJW 1975, S. 170; BGH, Urteil v. 12.7.1985, V ZR 172/84, NJW 1985, S. 2833).

Angesichts dieser Rechtsprechung werden Sie Ihrem Mieter nicht verbieten können, im eigenen Garten nackt die Sonne zu genießen - auch wenn Sie darüber vielleicht sittlich entrüstet sind.

Garten, Terrasse, Balkon: Nudisten sind willkommen

So hat es übrigens auch schon einmal das Amtsgericht Merzig (Urteil v. 8.5.2005, 23 C 1282/04, WM 2005, S. 727) entschieden. Danach kann sich ein Mieter im Garten, auf der Terrasse oder dem Balkon so bewegen, wie er es mag.

Doch auch das hat seine Grenzen! So müssen Sie als Nachbar Sex auf dem Balkon nicht ertragen (AG Bonn, Urteil v. 17.5.2006, 8 C 209/05).

Wo flatternde Unterhosen verboten sind

Die flatternde Unterwäsche Ihres Mieters auf dem Balkon ist vielleicht nicht der allerschönste Anblick. Dennoch müssen Sie ihn ertragen, denn der lediglich störende Anblick gilt nur als ästhetische Beeinträchtigung.

Etwas anderes kann innerhalb einer Wohnungseigentumsanlage gelten. Hier können Sie als Wohnungseigentümer von Ihren Miteigentümern und dessen Mietern verlangen, dass der Sie störende Anblick der aufgehängten Groß- oder Bettwäsche auf dem Balkon unterbleibt.

Für Eigentumswohnungen gelten strengere Regeln

Der Grund für diese Besonderheit liegt in der sogenannten Wohlverhaltensklausel des § 14 Nr. 1 WEG.

Die schränkt die Wohnungseigentümer mit Rücksicht auf die anderen Mitbewohner erheblich ein.

Im Verhältnis der Wohnungseigentümer untereinander gelten deswegen andere Regeln als im allgemeinen Nachbarrecht.

Die kleine Wäsche darf raus auf den Balkon

Handelt es sich um eine Mietwohnung, gehört das Trocknen der "kleinen Wäsche" auf einem Wäscheständer auf dem Balkon noch zum vertragsgemäßen Gebrauch der Wohnung. Jedenfalls wenn die Sicht auf den Ständer durch die Balkonbrüstung abgeschirmt ist.

Als Vermieter können Sie das nicht verbieten - selbst wenn sich andere Mieter im Haus über den Anblick beschweren (AG Euskirchen, Urteil v. 11.1.1995, 13 C 363/94, WM 1995, S. 310).

Hängende Geranie: Bitte vorsichtig gießen

Blumenkästen an Balkonen sind dagegen erlaubt. Vorausgesetzt, sie sind ordnungsgemäß befestigt, sodass sie auch bei starkem Wind nicht herabstürzen und Passanten oder Nachbarn gefährden können.

Ebenso muss ein Mieter darauf achten, dass auslaufendes Wasser, zum Beispiel Gießwasser, nicht die Fassade, andere Gebäudeteile oder die unten wohnenden Nachbarn beeinträchtigt.

Erfüllt der Mieter diese Vorgaben, darf er seine Blumenkästen ausnahmsweise sogar an der Außenseite des Balkons anbringen (AG München, 271 C 23794/00).

Kommentare (1)

22.6.2017, 11:49 Uhr von Manuel44 Profil ansehen
Mich würde interessieren ob mein Vermieter mir das rauchen am Balkon verbieten darf oder nicht? Habe da nämlich diesen Artikel hier http://www.fachanwalt.de/ratgeber/kann-der-vermieter-das-rauchen-auf-dem-balkon-verbieten gelesen der mich doch ziemlich beunruhigt hat.
Hallo Manuel. Das kommt (wie immer) darauf an. Grundsätzlich können Sie auf dem Balkon rauchen, denn das ist lt. den Gerichten und Gesetzen ein vertragsmäßiger Gebrauch der Mietsache. Wenn Sie mit Ihrem Vermieter vertraglich vereinbart haben, dass auf dem Balkon nicht geraucht werden darf, dann sollten Sie sich daran halten. Gegenteilige Urteile gibt es bislang noch nicht. Jetzt kann es ja sein, dass Sie ein Kettenraucher sind und 6 Std. täglich auf dem Balkon verbringen um zu rauchen (nur ein Beispiel) Da der Qualm natürlich auch in die Wohnungen der anderen Mieter zieht, wenn diese ihre Fenster aufmachen, können sich diese durchaus gestört fühlen. Hier kann der Vermieter durchaus ein Rauchverbot aussprechen, jedoch nicht sofort kündigen. Hierzu gibt es auch diverse Urteile und müssen auch in Zukunft im Einzelfall entschieden werden.
Da sonnt sich Ihr Mieter jeden Mittag nackt auf seinem Balkon: „Urlaub auf Balkonien", nennt er das. Seine Unterwäsche flattert derweil munter im Wind und jeden Morgen hängt er seine geblümte Bettwäsche zum Lüften über das Balkongeländer. Die Nachbarn haben Sie schon schmunzelnd darauf angesprochen. Ihnen ist das Ganze eher hoch peinlich. „Fremdschämen" nennt sich das und Sie fragen sich insgeheim: Kann ich dem Mieter das verbieten?
News: Viele Deutsche verzichten dieses Jahr auf den Sommerurlaub und entscheiden sich für einen Urlaub auf Balkonien. Denn mit dem passenden Bodenbelag fühlt man sich auch dort wie im Süden.
Blumenkästen am Balkon sind eine schöne Sache. Für den Balkoninhaber. Meistens jedenfalls. Für den, der direkt darunter wohnt, häufig weniger. Denn jedes Mal, wenn der Blumenliebhaber von oben seine Geranien gießt, „regnet“ es gleichzeitig auf den Balkon des Mieters darunter.   Muss der Blumenfreund von oben deswegen seine Blumenkästen abhängen? Oder der Mieter von unten vorsichtshalber immer seine Gartenstühle und die Wäsche in Sicherheit bringen?
Es qualmt und es riecht süßlich, was Ihr Mieter da auf seinem Balkon raucht. Am Geruch erkennen Sie sofort: Das sind keine „normalen“ Zigaretten, sondern Ihr Mieter raucht Cannabis.   Eigentlich könnte Ihnen das ja egal sein, wenn da nicht die Mieter wären, die direkt darüber wohnen. Die haben sich bereits mehrfach über den süßlichen Geruch, der in ihr Schlafzimmer zieht, beschwert. Das bedeutet für Sie als Vermieter: Sie müssen tätig werden! 
Der häufigste Vorsatz fürs neue Jahr lautet bei vielen: Rauchen abgewöhnen! Leider nicht bei zwei Mietern aus Rathenow. Die rauchten täglich auf ihrem Balkon - sehr zum Leidwesen des über ihnen wohnenden Mieters: Dem stank gewaltig, was da von unten nach oben direkt in seine Wohnung zog.  
Die einen lieben heimeliges Holz, die anderen wollen lieber kühle, leicht zu putzende Fliesen auf dem Balkon haben. Tja, jedem Tierchen sein Pläsierchen. Das kann so weit gehen, dass sich der Vermieter beim Austausch des Balkonbelags an die Wünsche des Mieters halten muss. Jedenfalls, wenn der wenig Änderungsbereitschaft signalisiert, wenn es um seinen Balkonboden geht.

 meineimmobilie.de-Tipp

Bevor Sie sich ärgern: Sprechen Sie Ihren Mieter doch einfach einmal auf das Problem offen an, ehe Sie gleich eine Abmahnung verschicken.


Oft löst sich das Problem damit in Wohlgefallen auf, zumal Sie ja sehen, wie großzügig die Gerichte in Sachen Balkon zugunsten des Mieters urteilen!