Mittwoch, 11.09.2013 | Autor: Heidi Schnurr, Foto: © JWS - Fotolia.com

5 nackte Tatsachen: Was auf Balkonien erlaubt ist und was nicht

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Worum geht´s

Was der Mieter auf seinem Balkon darf und was nicht.

Da sonnt sich Ihr Mieter jeden Mittag nackt auf seinem Balkon: "Urlaub auf Balkonien", nennt er das. Seine Unterwäsche flattert derweil munter im Wind und jeden Morgen hängt er seine geblümte Bettwäsche zum Lüften über das Balkongeländer.

Die Nachbarn haben Sie schon schmunzelnd darauf angesprochen. Ihnen ist das Ganze eher hoch peinlich. "Fremdschämen" nennt sich das und Sie fragen sich insgeheim: Kann ich dem Mieter das verbieten?

Nackt sonnen, fremd schämen: Beides ist erlaubt

Da sonnt sich Ihr Mieter jeden Mittag nackt auf der Terrasse. Kein schöner Anblick. Das finden jedenfalls Sie - und was sagen die Gerichte?

Der Bundesgerichtshof hat bisher jedenfalls die Frage, ob Sie dieses Ihr Schamgefühl oder Ihr sittliches Empfinden verletzende Verhalten abwehren können, stets verneint (BGH, Urteil v. 15.11.1974, V ZR 83/73, NJW 1975, S. 170; BGH, Urteil v. 12.07.1985, V ZR 172/84, NJW 1985, S. 2833).

Angesichts dieser Rechtsprechung werden Sie Ihrem Mieter nicht verbieten können, im eigenen Garten nackt die Sonne zu genießen - auch wenn Sie darüber vielleicht sittlich entrüstet sind.

Garten, Terrasse, Balkon: Nudisten sind willkommen

So hat es übrigens auch schon einmal das Amtsgericht Merzig (Urteil v. 08.05.2005, 23 C 1282/04, WM 2005, S. 727) entschieden. Danach kann sich ein Mieter im Garten, auf der Terrasse oder dem Balkon so bewegen, wie er es mag.

Doch auch das hat seine Grenzen! So müssen Sie als Nachbar Sex auf dem Balkon nicht ertragen (AG Bonn, Urteil v. 17.05.2006, 8 C 209/05).

Wo flatternde Unterhosen verboten sind

Die flatternde Unterwäsche Ihres Mieters auf dem Balkon ist vielleicht nicht der allerschönste Anblick. Dennoch müssen Sie ihn ertragen, denn der lediglich störende Anblick gilt nur als ästhetische Beeinträchtigung.

Etwas anderes kann innerhalb einer Wohnungseigentumsanlage gelten. Hier können Sie als Wohnungseigentümer von Ihren Miteigentümern und dessen Mietern verlangen, dass der Sie störende Anblick der aufgehängten Groß- oder Bettwäsche auf dem Balkon unterbleibt.

Für Eigentumswohnungen gelten strengere Regeln

Der Grund für diese Besonderheit liegt in der sogenannten Wohlverhaltensklausel des § 14 Nr. 1 WEG.

Die schränkt die Wohnungseigentümer mit Rücksicht auf die anderen Mitbewohner erheblich ein.

Im Verhältnis der Wohnungseigentümer untereinander gelten deswegen andere Regeln als im allgemeinen Nachbarrecht.

Die kleine Wäsche darf raus auf den Balkon

Handelt es sich um eine Mietwohnung, gehört das Trocknen der "kleinen Wäsche" auf einem Wäscheständer auf dem Balkon noch zum vertragsgemäßen Gebrauch der Wohnung. Jedenfalls wenn die Sicht auf den Ständer durch die Balkonbrüstung abgeschirmt ist.

Als Vermieter können Sie das nicht verbieten - selbst wenn sich andere Mieter im Haus über den Anblick beschweren (AG Euskirchen, Urteil v. 11.01.1995, 13 C 363/94, WM 1995, S. 310).

Hängende Geranie: Bitte vorsichtig gießen

Blumenkästen an Balkonen sind dagegen erlaubt. Vorausgesetzt, sie sind ordnungsgemäß befestigt, sodass sie auch bei starkem Wind nicht herabstürzen und Passanten oder Nachbarn gefährden können.

Ebenso muss ein Mieter darauf achten, dass auslaufendes Wasser, zum Beispiel Gießwasser, nicht die Fassade, andere Gebäudeteile oder die unten wohnenden Nachbarn beeinträchtigt.

Erfüllt der Mieter diese Vorgaben, darf er seine Blumenkästen ausnahmsweise sogar an der Außenseite des Balkons anbringen (AG München, 271 C 23794/00).

 

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Da sonnt sich Ihr Mieter jeden Mittag nackt auf seinem Balkon: „Urlaub auf Balkonien", nennt er das. Seine Unterwäsche flattert derweil munter im Wind und jeden Morgen hängt er seine geblümte Bettwäsche zum Lüften über das Balkongeländer. Die Nachbarn haben Sie schon schmunzelnd darauf angesprochen. Ihnen ist das Ganze eher hoch peinlich. „Fremdschämen" nennt sich das und Sie fragen sich insgeheim: Kann ich dem Mieter das verbieten?
News: Viele Deutsche verzichten dieses Jahr auf den Sommerurlaub und entscheiden sich für einen Urlaub auf Balkonien. Denn mit dem passenden Bodenbelag fühlt man sich auch dort wie im Süden.
„Meine kleine grüne Oase“, nennt es Ihr Mieter liebevoll – und fühlt sich sichtlich wohl auf „seinem Balkonien“. Ihnen ist der Balkon etwas zuuuu grün.    Zudem hat sich bereits der darunter wohnende Mieter über das tropfende Gießwasser und die vielen Vögel beschwert, die nun an der grünen Hauswand der "Oase" nisten und auf seinen Gartenmöbeln sichtbare Spuren hinterlassen.    Rechtlich ist es so: Der Mieter darf zwar seinen Balkon begrünen, allerdings muss er sich dabei an ein paar Spielregeln halten.
Blumenkästen am Balkon sind eine schöne Sache. Für den Balkoninhaber. Meistens jedenfalls. Für den, der direkt darunter wohnt, häufig weniger. Denn jedes Mal, wenn der Blumenliebhaber von oben seine Geranien gießt, „regnet“ es gleichzeitig auf den Balkon des Mieters darunter.   Muss der Blumenfreund von oben deswegen seine Blumenkästen abhängen? Oder der Mieter von unten vorsichtshalber immer seine Gartenstühle und die Wäsche in Sicherheit bringen?

 meineimmobilie.de-Tipp

Bevor Sie sich ärgern: Sprechen Sie Ihren Mieter doch einfach einmal auf das Problem offen an, ehe Sie gleich eine Abmahnung verschicken.


Oft löst sich das Problem damit in Wohlgefallen auf, zumal Sie ja sehen, wie großzügig die Gerichte in Sachen Balkon zugunsten des Mieters urteilen!