Donnerstag, 22.09.2011 | Autor: Jörg Stroisch

Verluste ins Folgejahr übertragen - warten Sie besser nicht zu lange

Bei Einkünften aus Vermietung und Verpachtung gilt wie bei anderen Einkunftsarten: Sie können Verluste aus einem Jahr in Folgejahre übertragen, in denen Sie Gewinn gemacht haben. Dann sinkt in diesen Folgejahren Ihre Einkommensteuer. Dazu müssen Sie mit Ihrer Steuererklärung eine Verlustfeststellung beantragen.

Dass dies besser nicht auf den letzten Drücker geschehen sollte, zeigt ein aktuelles Urteil des Bundesfinanzhofs.

Im entschiedenen Fall ging es nicht um Verluste aus Vermietung und Verpachtung. Trotzdem ist es auch für Sie als Vermieter interessant, was der Bundesfinanzhof in Sachen Verlustvortrag entschieden hat.

Ein Arzt wollte die Kosten für sein Medizinstudium geltend machen. Genau einen Tag vor Ablauf der Festsetzungsfrist, am 30. Dezember, beantragte er beim zuständigen Finanzamt die dafür nötige gesonderte Verlustfeststellung.

Das jedoch lehnte seinen Antrag rundweg ab mit der Begründung, die Feststellungsfrist sei bereits abgelaufen. Das wollte der Arzt nicht hinnehmen und reichte Klage ein.

BFH: Frist für Verlustfeststellung war abgelaufen

In letzter Instanz entschied der Bundesfinanzhof: Das Finanzamt hatte korrekt gehandelt. Die Frist war abgelaufen. Wie kann das sein?

Ganz einfach: Bei der gesonderten Verlustfeststellung kommt es nicht auf den Zeitpunkt der Einreichung an, sondern vielmehr darauf, dass das Finanzamt die Verlustfeststellung noch innerhalb der Festsetzungsfrist erstellen und wegschicken kann.

Weil der Antrag aber erst einen Tag vor Fristende beim Finanzamt einging, war es den dortigen Sachbearbeitern nicht mehr möglich, diesen Antrag rechtzeitig zu bearbeiten.

Handeln Sie frühzeitig

Es kann auch bei Einkünften aus Vermietung und Verpachtung Jahre mit Verlusten geben. Diese Verluste in Folgejahre zu übertragen, ist eigentlich kein Problem. Sie sollten das aber frühzeitig beantragen.

Die Festsetzungsfrist endet spätestens vier Jahre nach Ablauf des Veranlagungszeitraums, in dem der Verlust entstanden ist. Allerspätestens im Herbst vor Fristablauf sollte also Ihre Steuererklärung mitsamt Antrag auf Verlustfeststellung beim Finanzamt sein. Dann kann es sich nicht damit herausreden, die Bearbeitungsfrist sei zu knapp gewesen.

Ohnehin wird das Finanzamt in aller Regel von Ihnen verlangen, die Steuererklärung bis spätestens Dezember des Folgejahres einzureichen. Die Verlustfeststellung sollten Sie dann gleich mit beantragen. Dann kann es zeitlich auch nicht eng werden.

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Foto: Sebastian Fery / Haufe
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Jörg Stroisch arbeitet als selbstständiger und freier Journalist. Seine Themenschwerpunkte sind informative Ratgeberartikel rund um die privaten Finanzen, insbesondere über die Themengebiete Immobilien, Vorsorge ...
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