Samstag, 31.08.2013 | Autor: Judith Engst, Foto: Agentur: MEV

Verfassungsgericht: Noch ungebaute Gebäude dürfen besteuert werden

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Worum geht´s

• Grunderwerbsteuer auf noch nicht gebaute Häuser
• Bauträgermodell
• Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts
 

Stichworte zu diesem Thema

Eine Steuerfalle sollten Sie unbedingt vermeiden, wenn Sie neu bauen wollen: Das so genannte Bauträgermodell. Denn es führt dazu, dass nicht nur das Grundstück, sondern auch das Haus, das darauf gebaut wird, der Grunderwerbsteuer unterzogen wird. Dass diese Steuerpraxis nicht gegen geltendes Recht verstößt, hat jetzt das Bundesverfassungsgericht bestätigt.

Grunderwerbsteuer fällt immer an, wenn Sie ein Gebäude beziehungsweise ein bebautes Grundstück kaufen. Sie kann aber auch anfallen, wenn Sie ein unbebautes Grundstück kaufen, um es anschließend zu bebauen.

Diese Gefahr besteht dann, wenn Sie Grundstück und Haus aus einer Hand erwerben. Die Grunderwerbsteuer ist auch dann nicht zu umgehen, wenn Verkäufer des Grundstücks und das Bauunternehmen, das das Gebäude errichtet, gemeinsam Werbung machen oder auf sonstige Weise miteinander verbunden sind.

So kommt es mitunter zu der absurden Situation, dass der Staat Grunderwerbsteuer verlangt für ein Gebäude, das noch gar nicht fertiggebaut ist. „Das darf doch nicht wahr sein!“, dachte sich ein Häuslebauer und wollte es genau wissen.

Vor dem Bundesfinanzhof scheiterte er allerdings mit seinem Anliegen, das Haus nicht der Grunderwerbsteuer unterwerfen zu müssen (II R 7 /12). Daraufhin legte er Beschwerde vor dem Bundesverfassungsgericht ein. Aber auch das war vergeblich: Die Richter nahmen den Fall gar nicht erst zur Entscheidung an (20.05.2013, 1 BvR 2766/12).

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Stellen Sie sich vor, Sie kaufen ein Grundstück und zahlen dafür Grunderwerbsteuer. Ein halbes Jahr später schließen Sie einen Bauvertrag ab. Wieder hält der Fiskus die Hand auf, um Grunderwerbsteuer zu kassieren, und zwar für das noch gar nicht errichtete Gebäude. Das ist rechtens, entschied jüngst der Bundesfinanzhof.

 meineimmobilie.de-Tipp

Sich gegen die geltende Steuerpraxis in Deutschland zu wehren, ist vergeblich, wie dieser Fall zeigt. Deshalb sollten Sie umso mehr aufpassen, wenn Sie einen Immobilien-Neubau planen.

Am besten kaufen Sie erst das Grundstück - zum Beispiel von Ihrer Stadt oder Gemeinde. Dann erst beauftragen Sie eine Baufirma mit der Errichtung des Gebäudes.

Falls Sie das Grundstück von privat kaufen, stellen Sie sicher, dass keine Verbindung zu der Baufirma besteht, die Sie beauftragen. Also kein gemeinsamer Werbeauftritt, keine Beteiligung des Verkäufers an der betreffenden Firma oder umgekehrt.

Schon gar nicht dürfen Sie Grundstück und Haus direkt aus einer Hand kaufen. Nur so vermeiden Sie die enorme Belastung dadurch, auch auf das Haus Grunderwerbsteuer zahlen zu müssen.