Montag, 24.08.2015 | Autor: Heidi Hecht, Foto: © Jürgen Fälchle - Fotolia.com

Wegen strengeren energetischen Anforderungen: Mehr Geld vom Staat

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Worum geht´s
  • Neue Anforderungen an die energetische Sanierung
  • Mehr Geld vom Staat 
  • Dämmpflicht der obersten Geschossdecke

Wann waren Sie das letzte Mal auf Ihrem Dachboden? Idealerweise erst kürzlich, um dort die oberste Geschossdecke zu dämmen. Falls nicht, wird es jetzt höchste Zeit, denn am 31.12.2015 läuft die Frist zur Dämmpflicht ab.

Doch damit nicht genug: Es gibt neue Regeln zur Energieeffizienz für Wohnhäuser. Dafür winkt aber auch gleichzeitig eine höhere Sanierungsförderung für Immobilieneigentümer in diesem Jahr. Hier ein kurzer Überblick zu den Anforderungen und den Fördermöglichkeiten. 

In den letzten Monaten des Jahres gibt es zwei Neuregelungen für Immobilieneigentümer: Ab dem 26.9.2015 September müssen neue Heizungen ein EU-Energieeffizienzlabel tragen. 

Mindeststandard wird künftig die Brennwerttechnik sein, Niedertemperaturheizgeräte werden nicht mehr zugelassen. Biomasse-Heizungen, wie eine Holzhackschnitzel-Anlage und andere Feststoffgeräte, müssen bisher noch kein Energieeffizienz-Etikett tragen. Das soll erst später folgen.

Zudem müssen spätestens bis zum 31.12.2015 die EnEV-Regeln zum Mindestwärmeschutz von obersten Geschossdecken umgesetzt werden.

Baden-Württemberg: Öko-Pflichtanteil bei Heizung erhöht

Außerdem gilt seit 1.7.2015 für Baden-Württemberg das novellierte Erneuerbare-Wärme-Gesetz mit einem höheren Ökowärme-Pflichtanteil für Heizungen.

Das EWärmeG verlangt, dass 15 Prozent erneuerbarer Energie zum Heizen und zur Warmwasserbereitung des Gebäudes (bisher 10 Prozent) verwendet werden.

Heizungsumbau: Mehr Pflichten, mehr Förderung

Diese Pflicht trifft Sie, wenn Sie Ihre Zentralheizung erneuern. Das heißt, wenn Sie den Kessel oder einen anderen zentralen Wärmeerzeuger austauschen. Gleiches gilt, wenn Sie erstmals eine zentrale Heizanlage einbauen.

Die Alternativen zur Nutzung erneuerbarer Energien werden zahlreicher. So können Sie zum Beispiel zum Erfüllen Ihrer Pflicht aus dem EWärmeG diese Maßnahmen ergreifen:

  • Das relativ kostengünstige Beimischen von Bioöl oder Biogas zum fossilen Brennstoff,
  • die Installation einer Solarthermieanlage oder
  • den Einbau einer Holzpelletheizung.

Hinzu kommt auch die Kellerdeckendämmung als eine Teilerfüllungsoption. Als Teilerfüllung gilt künftig auch das Erstellen eines Sanierungsfahrplans, einer ausführlichen Energiediagnose. Die Optionen zur Gesetzeserfüllung können nun auch miteinander kombiniert werden.

Wen das EWärmeG betrifft

Das novellierte EWärmeG betrifft grundsätzlich alle Eigentümer von Gebäuden, die vor dem 1.1.2009 errichtet wurden und die über eine Wohn- bzw. Nettogrundfläche von über 50 m2 verfügen.

Solche neuen energetischen Anforderungen haben natürlich ihren Preis. Deswegen werden Sie durch eine verbesserte staatliche Förderung dabei unterstützt, berichtet das vom Umweltministerium Baden-Württemberg geförderte Programm Zukunft Altbau.

Brennwerttechnik soll künftig Mindeststandard werden

Für alle gilt: Ab dem 26.9.2015 müssen neue Heizungsanlagen in der EU ein Energielabel tragen. Die Bandbreite reicht von A++ bei sehr guter bis G bei mangelnder Effizienz.

Für manche Heizungsmodelle werden mit der Neuregelung schwere Zeiten anbrechen“, berichtet Petra Hegen von Zukunft Altbau.

Weniger effiziente Niedertemperaturgeräte werden bald vom Markt verschwinden.“ Sie erhalten künftig keine CE-Zulassung mehr. Gasheizungen und Ölheizungen mit Brennwerttechnik werden künftig der Mindeststandard sein.

Oberste Geschossdecke dämmen: Frist läuft am 31.12.2015 ab 

Bis 31.12.2015 müssen oberste Geschossdecken zu unbeheizten Dachräumen, die nicht die DIN-Anforderungen an den Mindestwärmeschutz erfüllen, gedämmt werden. Die eigentlich bereits seit 2012 bestehende Pflicht wurde in der 2014 novellierten Energieeinsparverordnung (EnEV) präzisiert, da die Frist vorher missverständlich formuliert war.

Dachboden dämmen: Wann Sie ums Dämmen herumkommen

Wohnen Sie im eigenen Wohngebäude mit bis zu zwei Wohneinheiten und haben Sie dieses Haus schon vor dem 1.2.2002 bezogen, kommen Sie um die Dämmpflicht herum.

Die Nachrüstpflicht gilt dann nur bei einem Eigentümerwechsel und mit einer Frist von zwei Jahren.

Attraktive Förderung für die energetische Sanierung

Wer die neuen Anforderungen umsetzt, profitiert von Fördermöglichkeiten, die so attraktiv wie noch nie sind. So hat die KfW-Förderbank bereits drei Mal in diesem Jahr die Förderung verbessert, zuletzt am 1.8.2015:

Der Höchstbetrag für Sanierungskredite wurde um 25.000 Euro auf 100.000 Euro pro Wohneinheit aufgestockt, der Tilgungszuschuss um 5 Prozentpunkte auf bis zu 27,5 Prozent erhöht.

Wer künftig einen Sanierungskredit in Anspruch nimmt, spart durch diese beiden Verbesserungen bis zu 10.625 Euro.

Im Südwesten hat die landeseigene L-Bank sogar noch was draufgelegt: Der Tilgungszuschuss steigt um 5 Prozentpunkte auf bis zu 32,5 Prozent, wenn die Hauseigentümer im Land bei der L-Bank das KfW-Angebot nutzen. Haussanierer im Südwesten sparen mit der Landesbank-Verbilligung bis zu 5.000 Euro zusätzlich, insgesamt fast ein Drittel des Kredites wird künftig erlassen.

Ökoheizung: Mehr Fördergeld von Vater Staat

Auch bei Ökoheizungen gibt es mehr Geld vom Staat. Stellen Hauseigentümer ihre Heizung auf erneuerbare Energien um, erhalten sie seit dem 1.4.2015 höhere Zuschüsse. Erhöht wurden die Fördersätze für Pelletheizungen, solarthermische Anlagen und Erdwärmepumpen.

Bis zu 600 Euro mehr Geld vom Staat gibt es bei der Basisförderung. Die Investitionszuschüsse werden vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) im Rahmen des Marktanreizprogramms erneuerbare Energien im Wärmemarkt vergeben.

Kommentare (1)

7.9.2015, 21:26 Uhr von Hawas Profil ansehen
Am 31.12.2015 läuft die Frist zur Dämmpflicht ab? Muss man sich beeilen.
Private Immobilieneigentümer bringen die Energiewende voran. Im vergangenen Jahr wurden rund 173.140 energetische Modernisierungen mit Unterstützung der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) durchgeführt.
KfW-Darlehen, Wohn-Riester oder regionale Förderprogramme:  Auch bei den derzeit niedrigen Bauzinsen lohnt es sich für Kreditnehmer, Fördermittel in Anspruch zu nehmen.
News: Nach der Energieeinsparverordnung (EnEV) 2009 müssen bis zum 31. Dezember 2011 begehbare, bisher ungedämmte oberste Geschossdecken oder alternativ die Dachschrägen gedämmt werden. Doch neue EnEV-Auslegungen befreien viele Hauseigentümer von dieser Pflicht.

 meineimmobilie.de-Tipp

Bevor Sie sich für eine energetische Sanierung entscheiden, holen Sie sich einen qualifizierten Gebäudeenergieberater zur Seite.

 

Dieser erstellt nach eingehender Beratung einen umfassenden und langfristigen Sanierungsfahrplan für Ihre Immobilie. Und das Beste: Die sogenannte Vor-Ort-Beratung wird von der BAFA mit bis zu 1.100 Euro bezuschusst.