Donnerstag, 06.12.2007 | Autor: Sabine Seeberg

Richtig Vererben

PRAXIS-BEISPIEL Wer erbt wann? Sie sind verheiratet und haben zwei Kinder aus erster Ehe. Ihre Ehefrau hat eine Tochter aus erster Ehe. Wer ist Erbe, wenn Ihrer Ehefrau etwas zustößt? Wer erbt, wenn Ihnen etwas zustößt? Was ist die gesetzliche Erbfolge? Als gesetzliche Erbfolge wird die im Gesetz vorgesehene Erbfolgeregelung bezeichnet, die immer dann zur Anwendung kommt, wenn die Erbfolge nicht durch Testament oder Erbvertrag individuell geregelt wurde. Als gesetzliche Erben kommen der Ehepartner des Verstorbenen und die Blutsverwandten, in erster Linie die Abkömmlinge des Verstorbenen in Betracht. Ist zur Zeit des Erbfalls weder ein Ehepartner noch ein Blutsverwandter des Verstorbenen vorhanden, ist der Staat als gesetzlicher Erbe vorgesehen. Parentel-system Das gesetzliche Erbrecht der Verwandten richtet sich nach dem Grad ihres Verwandtschaftsverhältnisses zum Verstorbenen. Es wird vom Gesetz nach verschiedenen ?Ordnungen? (Parentelsystem) eingeteilt. Welche Verwandten zur gesetzlichen Erbfolge berufen sind, richtet sich danach, welcher Ordnung sie angehören. Dabei sind die Verwandten einer nachfolgenden Ordnung nicht zur Erbschaft berufen, solange zumindest ein Verwandter einer vorhergehenden Ordnung vorhanden ist. EXPERTEN-TIPP Gesetzliche Erbfolge Grundsätzlich sind die Erben erster Ordnung, das sind die Abkömm-linge, zur gesetzlichen Erbfolge berufen. Die Verwandten zweiter Ord-nung sind nur als Erben vorgesehen, wenn kein Verwandter der ersten Ordnung vorhanden ist. Die Verwandten dritter Ordnung erben nur, wenn kein Verwandter zweiter und erster Ordnung vorhanden ist, etc. Erben erster Ordnung Gesetzliche Erben der ersten Ordnung sind die Abkömmlinge (Kinder und Kindeskinder) des Verstorbenen. Die Abkömmlinge werden dabei in soge-nannte Stämme eingeteilt. Jedes Kind des Verstorbenen bildet mit seinen Kindern und Kindeskindern einen Stamm. PRAXIS-BEISPIEL Einteilung in Stämme E hinterlässt seinen Sohn Holger mit dessen Kindern Horst und Helga sowie seine Tochter Berta mit ihren Kindern Bernd und Beate. Holger mit seinen Kindern und Berta mit ihren Kindern bilden jeweils einen Stamm. Innerhalb der Stämme schließt ein zur Zeit des Erbfalls lebender Abkömmling die durch ihn mit dem Verstorbenen verwandten Abkömmlinge von der Erbfolge aus. Danach sind in erster Linie die Kinder eines Verstorbenen zur Erbschaft berufen. In obigem Beispiel erben Sohn Holger und Tochter Berta und schließen ihre Kinder von der Erbfolge aus. An die Stelle eines beim Erbfall nicht mehr lebenden Abkömmlings treten dessen Abkömmlinge. PRAXIS-BEISPIEL Wenn der Erbe nicht mehr lebt Paul Meier hinterlässt seine Tochter Margot und die Kinder seines vor-verstorbenen Sohnes Siegfried, die Enkel Peter und Christine. An die Stelle des nicht mehr lebenden Siegfried treten die Enkel Peter und Christine. Höhe des Erbteils Die Höhe des Erbteils der Verwandten richtet sich nach der Anzahl der Stämme. Die Stämme erben zu gleichen Teilen. PRAXIS-BEISPIEL Verteilung des Erbes auf die Stämme Peter Müller hinterlässt seine Kinder Berthold, Hans und seinen Enkel Karl, den Sohn seiner verstorbenen Tochter Klara. Jeder Stamm ist zu gleichen Teilen, also zu einem Drittel, zur Erbschaft berufen. Die Kinder Berthold und Hans und der Enkel Karl werden jeweils zu einem Drittel Erben. Fällt ein Stammerbteil an mehrere Nachkommen, so werden die Nachkommen wiederum in Stämme eingeteilt, die zu gleichen Teilen zur Erbschaft berufen sind. PRAXIS-BEISPIEL Mehrere Nachkommen innerhalb eines Stammes Simon hinterlässt seinen Sohn Albert und seine Enkel Dorothea und Di-ana, Kinder seiner vorverstorbenen Tochter Monika. An die Stelle der nicht mehr lebenden Monika treten Dorothea und Diana, an die zu glei-chen Teilen das Stammerbteil fällt. Albert wird danach zu einem Halb, Dorothea und Diana werden jeweils zu einem Viertel gesetzliche Erben. Stammbaum Bei komplizierteren Familienverhältnissen lassen sich die Erbanteile an-hand eines Stammbaums bestimmen. PRAXIS-BEISPIEL Stammbaum Der hochbetagte Erblasser E hinterlässt mehrere Kinder (K), Enkel (E) und Urenkel (UE). Die im Schaubild mit ? versehenen Abkömmlinge sind vorverstorben, ihre in Klammern angegebenen Erbteilquoten gehen auf ihre Abkömmlinge über. E 1/3 K1 1/3 K2 ? 1/3 K3 ? 0 E1 0E2 1/6 E3 1/6 E4 ? 1/3 E5 ? 0 UE1 0 UE2 1/12 UE3 1/12 UE4 1/3 UE5 K1 erbt ein Drittel und schließt seine Kinder E1 und E2 von der Erbfolge aus. E3 erhält ein Sechstel, die Hälfte des Erbteils von K2 und schließt seine Kinder UE1 und UE2 von der Erbfolge aus. UE3 und UE4 erhalten zusammen den Erbteil von E4, jeder erhält 1/12. UE5 erhält den Drittel-erbteil von K3, der über E5 auf ihn übergegangen ist. Erben zwei-ter Ordnung Gesetzliche Erben der zweiten Ordnung sind die Eltern des Verstorbenen und deren Abkömmlinge. Leben zur Zeit des Erbfalls keine Erben erster Ordnung, aber die Eltern, so erben sie allein und zu gleichen Teilen. PRAXIS-BEISPIEL Gesetzliche Erben zweiter Ordnung Der kinderlose, unverheiratete oder verwitwete Verstorbene hinterlässt seine Eltern und Geschwister. Die Eltern werden jeweils zu einem Halb gesetzliche Erben, die Geschwister sind nach der gesetzlichen Erbfolge-regelung nicht als Erben vorgesehen. Sind Abkömmlinge des Verstorbenen nicht vorhanden, erbt, wenn ein El-ternteil verstorben ist, der überlebende Elternteil allein. PRAXIS-BEISPIEL Wenn keine Abkömmlinge des Verstorbenen vorhanden sind Gesetzliche Alleinerbin des kinderlosen, nicht verheirateten Verstorbe-nen E, der keine Geschwister hat und dessen Vater nicht mehr lebt, ist seine Mutter. Erben dritter Ordnung Gesetzliche Erben der dritten Ordnung sind die Großeltern des Erblassers und deren Abkömmlinge. Leben die Großeltern zur Zeit des Erbfalls und sind keine Erben der ersten oder zweiten Ordnung vorhanden, erben sie wiederum allein und zu gleichen Teilen. Erben ferne-rer Ordnung Die Urgroßeltern des Erblassers und deren Abkömmlinge sind gesetzliche Erben der vierten Ordnung. Gesetzliche Erben der ferneren Ordnung sind die entfernteren Voreltern des Erblassers und deren Abkömmlinge. Was erhält Ihr Ehegatte? Das gesetzliche Erbrecht des Ehegatten hängt vom ehelichen Güterstand und vom Grad der Verwandtschaft der außer dem Ehegatten noch vorhandenen gesetzlichen Erben, z. B. der Kinder, Eltern und Geschwister, ab. EXPERTEN-TIPP Wann der Ehegatte Alleinerbe wird Nach der gesetzlichen Erbfolge wird der überlebende Partner nur dann Alleinerbe seines verstorbenen Ehepartners, wenn weder Kinder und sonstige Abkömmlinge noch Eltern und deren Abkömmlinge, also Ge-schwister des Verstorbenen und deren Kinder und Kindeskinder, noch Großeltern des Verstorbenen vorhanden sind. Wie hoch ist das Erbe bei welchem Güterstand? Zugewinngemeinschaft Wenn außer dem Ehegatten Verwandte der ersten Ordnung, das sind Abkömmlinge des Verstorbenen, vorhanden sind, ist der Ehegatte zu einem Halb zur Erbschaft berufen. Dies ist aber nur dann der Fall, wenn der gesetzliche Güterstand der Zugewinngemeinschaft, der der Regelfall ist, nicht durch notariellen Vertrag abgeändert worden war. Gütertren-nung Hatten die Eheleute vor dem Notar Gütertrennung vereinbart, wird der überlebende Ehepartner n bei einem Kind zur Hälfte Erbe, n bei zwei Kindern zu einem Drittel und n bei drei und mehr Kindern wird er zu einem Viertel Erbe. Güterge-meinschaft Lebten die Eheleute im Güterstand der Gütergemeinschaft, was ebenfalls notariell vereinbart sein muss, wird der überlebende Ehegatte neben Abkömmlingen zu einem Viertel Erbe. Wer erbt noch? Neben Verwandten der zweiten Ordnung, das sind die Eltern des verstorbenen Ehepartners und dessen Abkömmlinge, oder neben Großeltern wird der Ehegatte beim gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft zu 3/4 Erbe. War Gütertrennung oder Gütergemeinschaft notariell vereinbart, erbt der überlebende Ehegatte lediglich ein Halb. Sind weder Verwandte der ersten oder zweiten Ordnung noch Großeltern vorhanden, sondern nur Verwandte der dritten Ordnung (Tanten und Onkel des Erblassers und deren Nachkommen) oder fernere Ordnungen, wird der Ehepartner nach der gesetzlichen Erbfolge Alleinerbe. EXPERTEN-TIPP Der Voraus Eine besondere Regelung gilt für den sogenannten Voraus. Ist der ü-berlebende Ehegatte neben Verwandten der zweiten Ordnung oder ne-ben Großeltern gesetzlicher Erbe, erhält er außer dem Erbteil die zum ehelichen Haushalt gehörenden Gegenstände, soweit sie nicht Zubehör eines Grundstücks sind und die Hochzeitsgeschenke als Voraus. Wird der überlebende Ehegatte neben Verwandten der ersten Ordnung gesetzlicher Erbe, erhält er diese Gegenstände allerdings nur, soweit er sie zur Führung eines angemessenen Haushalts benötigt, was jedoch die Regel sein dürfte. Die gesetzlichen Erbteile des Ehegatten auf einen Blick CD-ROM Die folgende Aufstellung der Erbanteile des Ehegatten in Abhängigkeit vom vereinbarten Güterstand und den verwandtschaftlichen Verhältnissen finden Sie auch auf Ihrer CD-ROM, von der Sie sich die Aufstellung bequem ausdrucken können. Der Ehegatte wird mit folgenden Anteilen gesetzlicher Erbe: Zugewinngemeinschaft n Beim gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft erbt der Ehegatte: ? neben Abkömmlingen die Hälfte, ? neben Eltern und deren Abkömmlingen drei Viertel, ? neben Großeltern drei Viertel, ? ansonsten erbt er allein. Gütertren-nung n Beim Güterstand der Gütertrennung erbt der überlebende Ehegatte: ? neben Abkömmlingen ? bei einem Kind die Hälfte, ? bei zwei Kindern ein Drittel, ? ab drei Kindern ein Viertel, ? neben Eltern und deren Abkömmlingen sowie neben Großeltern die Hälfte, ? ansonsten erbt er allein. Güterge-meinschaft n Beim Güterstand der Gütergemeinschaft erbt der überlebende Ehegatte: ? neben Abkömmlingen ein Viertel, ? neben Eltern und deren Abkömmlingen die Hälfte, ? neben Großeltern die Hälfte, ? ansonsten erbt er allein.

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