Dienstag, 27.03.2012 | Autor: Heidi Schnurr

Notorischer Freiluftpinkler: Kündigung wegen Pipifax

Worum geht´s

Kündigen wegen „Pipifax“: Geht das? Ja! Ein notorischer Freiluftpinkler muss nun ausziehen.

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Das kennen Sie sicherlich auch von der Autobahn: Fast an jedem Rastplatz stehen sie: Die Freiluftpinkler. Auch dann, wenn nebendran ein WC-Häuschen steht. Solche notorischen Freiluftpinkler ziehen ihr Ding durch – selbst zu Hause im hauseigenen Garten. Zu Entsetzen aller! Ob das allerdings schon für eine Kündigung reicht, klärte das Amtsgericht Köln.

Stehpinkler sind schon unbeliebt, Freiluftpinkler erst Recht. Dass diese Vorliebe durchaus bittere Folgen für den Übeltäter haben kann, beweist dieses Urteil vom Amtsgericht Köln (210 398/09).

„Big Business“ im Garten: Das geht zu weit!

Ein Erdgeschossmieter pinkelte ständig in den Garten seiner Mietwohnung. Doch nicht nur das: Auch „große Sitzungen“ hielt er dort ab. 

Die anderen Mieter des Hauses fühlten sich durch den Anblick und den Fäkalgeruch so belästigt, dass der Mieter jetzt aus seiner Wohnung ausziehen muss.

Die Mitbewohner hatten den Mieter wiederholt dabei beobachtet, wie er auf den Rasen und gegen Bäume urinierte. Ein Mieter aus dem 7. Stock berichtete vor Gericht sehr anschaulich, dass die Gerüche bis hoch zu ihm ziehen würden.

Öffentliches Pinkeln stört den Hausfrieden

Das Gericht begründete sein Urteil damit, dass der Mann mit seiner „Freilufttoilette“ den Hausfrieden in dem Hochhauskomplex in Köln-Chorweiler nachhaltig gestört habe.

Und nicht nur die Mitbewohner im Haus waren betroffen: Auch die Nachbarn fühlten sich dadurch belästigt, dass der Erdgeschossmieter mit Vorliebe seine Notdurft im Garten verrichtete.  

Unbelehrbarkeit endete mit fristloser Kündigung

Der Vermieter hatte den Mieter wegen seiner öffentlichen Toilettengänge bereits abgemahnt. Ohne Erfolg!

Daraufhin kündigte der Vermieter dem Mieter fristlos – mit Erfolg!

Wie unbelehrbar und starrköpfig der Mieter war, zeigte sich darin, dass der Mieter selbst noch in der Woche, in der die mündliche Verhandlung vor dem Amtsgericht stattfinden sollte, wieder seine Notdurft im Garten verrichtete.

Kommentare (1)

29.3.2012, 17:28 Uhr von derharmlose Profil ansehen
Gilt diese Regelung auch, wenn ein Mieter nachts seine Hunde im Garten das gleiche machen läßt. Frislose Kündigung. Viele Grüße derharmlose
Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber
Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber

Es schreibt für Sie

Heidi Schnurr arbeitet als Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Mietrecht für Vermieter. Ihre Praxis-Tipps speziell für Vermieter finden sich in zahlreichen Fachpublikationen, Loseblattwerken, Büchern und ...
Heidi Schnurr
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 meineimmobilie.de-Tipp

Gerüche und unangenehme Geräusche aus der Nachbarwohnung: Die können Anlass für eine Mietminderung sein!

Dass sie auch gleich eine Kündigung nach sich ziehen, ist ungewöhnlich und meist ein Extremfall. Denn meist verbuchen sie die Gerichte unter „allgemeine Wohngeräusche“, die der Mieter hinzunehmen hat.

Deswegen: Auf jeden Fall sicherheitshalber gleich noch eine Abmahnung vorausschicken, bevor Sie gleich „die Kündigungskeule“ auspacken!