| Foto: © Jürgen Fälchle - Fotolia.com

Baulärm auf dem Nachbargrundstück

Foto: © Jürgen Fälchle - Fotolia.com
Stichworte zu diesem Thema

Mietminderungslexikon: Es wird gebohrt, gegraben und mit dem Presslufthammer gehämmert. Wer jetzt von Vogelgezwitscher im Frühling träumt, dem steht eine harte Zeit bevor. Baulärm kann zur Tortur werden: Für Sie als Nachbar und für Ihren Mieter! Nur: Der Mieter darf deswegen die Miete mindern - jedenfalls wenn der Lärm gewisse Grenzen überschreitet. Wann das Maß voll ist und um wie viel Ihr Mieter dann mindern darf, lesen Sie hier.   

Fühlt sich Ihr Mieter durch den Baulärm des Nachbarn gestört, darf er Ihnen die Miete mindern. Das hat ein Gericht wieder so entschieden. 12 Prozent sprach es dem Mieter wegen des Baulärms, den der Nachbar verursachte, zu (AG Saarburg, Urteil v. 9.12.1998 - 5 C 498/98, WM 1999, S. 64).

Allerdings: Weiß der Mieter, dass demnächst nebenan gebaut wird und unterschreibt er dennoch den Mietvertrag, gilt: Minderungsrecht ausgeschlossen!

Erst recht, wenn Sie ihn vor Abschluss des Mietvertrags ausdrücklich auf die zu erwartende Großbaustelle in der Umgebung der Mieträume hingewiesen haben. Wegen seiner positiven Kenntnis vom Mangel steht ihm dann kein Minderungsrecht wegen des Baulärms und des Schmutzes zu.

Das gilt bei einer Großbaustelle wie Berlin sogar, wenn nebenan an Sonn- und Feiertagen gearbeitet wird (LG Berlin, Urteil v. 10.2.2012, 63 S 206/11, GE 2012 S.489).

Auf der anderen Seite durfte ein Mieter in Berlin die Miete um 20 % mindern, weil der Nachbar zwei Häuser abriss. Wegen des Lärms und des Staubs, den der Mieter ertragen musste (AG Berlin-Schöneberg, Urteil v. 13.11.1996 - 12 C 374/96, GE 1996, S. 1499).

Die Zumutbarkeitsgrenze ist jedenfalls für Sie als Eigentümer und Vermieter überschritten, wenn Sie als Nachbar wegen der Bauarbeiten Mieteinbußen von 5 % Ihrer durchschnittlichen Nettorendite erleiden.

Wenn sogar alle Mieter im Haus ihre Miete wegen der Bauarbeiten auf dem direkt angrenzenden Nachbargrundstück um 20 % mindern, muss der Bauherr von nebenan dem Eigentümer diese baubedingten Ertragseinbußen erstatten (LG Berlin, Urteil v. 31.03.2011, 51 S 245/10, GE 2011, S. 695).

zurück zu: Baugerüst
weiter mit: Baulärm/U-Bahnbau

Kommentare (0)

Kommentieren, ergänzen Sie jetzt den Artikel oder geben Sie dem Autor Feedback. Einfach anmelden und losschreiben.

 meineimmobilie.de-Tipp

Wenn Sie wissen, dass demnächst nebenan eine Baustelle eröffnet wird, empfiehlt es sich, einen neuen Mieter gleich darauf hinzuweisen - und den Hinweis schriftlich im Mietvertrag festzuhalten. 

Mit dieser Art der Offenheit ersparen Sie sich später viel Ärger - und viel Geld wegen des bereits bei Mietbeginn bekannten Mangels.