Mittwoch, 04.03.2009 | Autor: Jörg Stroisch

Passkontrolle beim Besichtigungstermin

Von grün bis rot: Die Skala auf dem Energiepass verrät, wie es um die Energieeffizienz eines Hauses bestellt ist. Miet- und Kaufinteressenten können damit auf einen Blick erkennen, ob das Gebäude einen hohen Energieverbrauch hat oder bereits energetisch sinnvoll modernisiert worden ist. Für Vermieter und Verkäufer ist er jetzt Pflicht.

In der Energiepasses geregelt. Dieser soll für mehr Transparenz sorgen und ist ab dem 1. Juli 2008 für Wohngebäude Pflicht, die vor 1966 gebaut wurden. Für neuere Wohngebäude gilt die Ausweispflicht ab 1. Januar 2009. Bei Gebäuden, die nicht bewohnt werden, müssen ab 1. Juli 2009 in einem Energiepass eingetragen sein. Spätestens 2009 kann also jeder Neumieter und Käufer die Vorlage des Ausweises verlangen.

Energiepass-Klassen wie beim Kühlschrank

Wie bei einem Kühlschrank sieht man auf einen Blick, zu welcher Energieeffizienzklasse die Immobilie gehört. Die Verordnung sieht zwei unterschiedliche Formen vor: den bedarfsorientierten und den verbrauchsorientierten Ausweis. Entscheidend sind dabei die Größe und das Baujahr des Gebäudes:

  • Die Wahlfreiheit zwischen bedarfs- und verbrauchsorientiertem Ausweis besteht bei bis zu vier Wohneinheiten auf Grundlage der Wärmeschutzverordnung 1978 oder später. Außerdem bei Gebäuden mit mehr als vier Wohneinheiten sowie älteren Gebäuden mit dem Mindeststandard der Wärmeschutzverordnung von 1978.
  • Bedarfsorientiert: Der bedarfsorientierte Ausweis ist Pflicht bei bis zu vier Wohneinheiten und Standard vor der Wärmeschutzverordnung von 1978.
  • Alte Ausweise: Alle bis Ende 2007 ausgestellten Ausweise haben eine Wahlfreiheit zwischen der bedarfs- und verbrauchsorientierten Variante und bleiben für zehn Jahre gültig.

Verbrauchsorientierter Energiepass

Wenn sich der Hausbesitzer zwischen beiden entscheiden kann, fährt er mit dem verbrauchsorientierten Energiepass einfacher und billiger. Denn hier wird der Energieverbrauch anhand des durchschnittlichen Verbrauchs der letzten drei Jahre gemittelt. Die zentrale Definition ist hier also der Energieverbrauchskennwert. Dabei spielen folgende Größen eine Rolle:

  • tatsächlicher Energieverbrauch der letzten drei Jahre,
  • Abzug von Wohnungsleerständen,
  • Berücksichtigung der Witterung im Verbrauchswert.

Bedarfsorientierter Energiepass

Zwar werden Korrekturfaktoren berücksichtigt, allerdings sagt diese Erhebung nichts über die Qualität der Heizungsanlage und der Gebäudedämmung aus. Da die Verbrauchswerte bei allen Mietern sehr individuell sind, lassen sich dadurch auch nur schwer Rückschlüsse auf den tatsächlichen Energieverbrauch einer Wohnung ziehen.

In den Fällen jedoch, in denen der bedarfsorientierte Energiepass vorgeschrieben ist, berechnet ein Sachverständiger anhand der Bausubstanz und der Heizungsanlage, wie gut die Energieeffizienz des Hauses ist. Die zentrale Definition ist hier der Energiebedarf. Dabei fließen folgende Größen ein:

  • energetische Qualität der Außenwände und des Daches,
  • Kennzahlen für Heizenergieanlage und Warmwasserversorgung.

Vorher-Nachher-Prognose

Durch eine Vorher-Nachher-Prognose kann der Effekt einer energetischen Modernisierung vorhergesagt werden. Dabei ermittelt der Sachverständige nicht nur die Werte, sondern spricht auch Empfehlungen zur Modernisierung aus. Er ist in der Regel also auch Berater, wenn es um die konkreten Maßnahmen geht.

Die bedarfsorientierte Variante ist nur in sehr wenigen Fällen Pflicht. Allerdings knüpft die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ihre günstigen Modernisierungskredite an einen entsprechenden bedarfsorientierten Energieberatungsbericht. Darin muss auch eine spezielle Analyse der Energieeinsparung nach der Modernisierung enthalten sein.

meineimmobilie.de-Tipp
Hinsichtlich der Aussagekraft ist die bedarfsorientierte Variante wesentlich genauer als der verbrauchsorientierte Ausweis. Gerade bei einem Mehrfamilienhaus sollten Sie deshalb den bedarfsorientierten Energieausweis vorziehen.

Kommentare (0)

Kommentieren, ergänzen Sie jetzt den Artikel oder geben Sie dem Autor Feedback. Einfach anmelden und losschreiben.
Foto: Sebastian Fery / Haufe
Foto: Sebastian Fery / Haufe

Es schreibt für Sie

Jörg Stroisch arbeitet als selbstständiger und freier Journalist. Seine Themenschwerpunkte sind informative Ratgeberartikel rund um die privaten Finanzen, insbesondere über die Themengebiete Immobilien, Vorsorge ...
Jörg Stroisch