Dienstag, 02.08.2016 | Autor: Heidi Schnurr, Rechtsanwältin und Chefredakteurin meineimmobilie.de, Foto: © JWS - Fotolia.com

Nachbarschaftshilfe: Wer haftet, wenn der Gartenschlauch platzt?

Foto: © JWS - Fotolia.com
Worum geht´s

Haftung im Nachbarschaftsverhältnis: Wer haftet, wenn der Nachbar patzt.  

Nette Nachbarn sind eine tolle Sache. Gerade, wenn man in Urlaub fährt und der Briefkasten geleert, die Katze gefüttert und die Blumen oder gleich der ganze Garten gegossen werden müssen. 

Was nur nett gemeint ist, kann aber im Streit enden. Dann nämlich, wenn plötzlich der Gartenschlauch platzt und nicht nur der Rasen unter Wasser steht.

 

Garten wässern: Nachbarschaftshilfe kann teuer enden

Es war eigentlich nur nett gemeint: Während der Eigentümer von nebenan in Kur war, sollte der Nachbar den Garten wässern.

Leider war am Ende nicht nur der Garten nass, sondern auch das Untergeschoss des Hauses. Dafür wollte der geschädigte Eigentümer über 11.000 EUR Schadenersatz vom netten Nachbar haben. Erst vor dem BGH bekam der geschädigte Eigentümer Recht (BGH, Urteil v. 26.4.2016, VI ZR 467/15).

Wer einen Gartenschlauch benutzt, muss ihn richtig zudrehen!

Der freundliche Nachbar hatte zum Wässern des Gartens den Wasserschlauch des Gartenbesitzers benutzt. Der war an der Außenzapfstelle des Hauses montiert. Als er mit dem Wässern des Gartens fertig war, drehte er aber nicht – wie es eigentlich richtig gewesen wäre! – den Wasserhahn zu, sondern er drehte das Wasser nur an der Schlauchspitze ab.

Durch den Wasserdruck löste sich irgendwann der Schlauch und das Wasser lief in das Untergeschoss des Hauses des Gartenbesitzers und verursachte dort den Wasserschaden.

Wie Sie bei einem reinen Gefälligkeitsverhältnis haften

Die Nachbarn leisteten sich schon seit vielen Jahren gegenseitig Nachbarschaftshilfe und wässerten sich gegenseitig den Garten, wenn einer von beiden nicht zu Hause war. Zu einem Schaden war es bisher nie gekommen.

Rechtlich ist es so: Ein reines Gefälligkeitsverhältnis begründet zwar keine vertraglichen Rechtspflichten. Bei der Bereitschaft, den Garten des Nachbarn während dessen Abwesenheit zu wässern, handelt es sich um eine pure, nicht vertragliche Gefälligkeit des täglichen Lebens.

Allerdings: Daneben gibt es noch den gesetzlichen Schadensanspruch aus § 823 Abs. 1 BGB. Dazu gehört, dass der Nachbar alles unterlässt, was zu einer Schädigung des Hauseigentümers führen könnte.

Nachbarschaftshilfe: Trotz fehlendem Vertrag können Sie haften!

Nach dieser deliktischen Vorschrift haftet der Nachbar selbst bei einem bloßen Gefälligkeitsverhältnis für ein leicht fahrlässiges Handeln und nicht erst, wenn er vorsätzlich oder grob fahrlässig einen Schaden verursacht (BGH, Urteil v. 26.4.2016, VI ZR 467/15).

Aus der Haftung bei leicht fahrlässigem Handeln sind Sie dann nur raus, wenn Sie mit Ihrem Nachbarn einen Haftungsverzicht vereinbart haben. Von so einem Haftungsverzicht gehen die Gerichte jedoch nur dann aus, wenn

  • der Schädiger keine Haftpflichtversicherung hat,
  • für ihn ein nicht hinzunehmendes Haftungsrisiko besteht und
  • im konkreten Fall besondere Umstände vorliegen, die einen Haftungsverzicht als besonders naheliegend erscheinen lassen.

Wer eine private Haftpflichtversicherung hat, haftet für leichte Fahrlässigkeit

Das Wässern des Gartens ist eine typische, an sich ungefährliche Gefälligkeit, die normalerweise über eine Privathaftpflichtversicherung abgedeckt ist. Eine Haftungsbeschränkung oder sogar ein Haftungsverzicht würde demnach nicht den schädigenden Nachbarn, sondern allenfalls seine Haftpflichtversicherung entlasten. Deswegen blieb es beim Schadenersatzanspruch des Gartenbesitzers.

Sogar bei einer Gefälligkeit innerhalb einer engen persönlichen Beziehung bleibt der BGH hart: Das bedeutet nicht ohne Weiteres, dass zwischen dem Geschädigten und dem Schädiger ein Haftungsverzicht besteht!  

Kommentare (0)

Kommentieren, ergänzen Sie jetzt den Artikel oder geben Sie dem Autor Feedback. Einfach anmelden und losschreiben.
Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber
Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber

Es schreibt für Sie

Heidi Schnurr arbeitet als Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Mietrecht für Vermieter. Ihre Praxis-Tipps speziell für Vermieter finden sich in zahlreichen Fachpublikationen, Loseblattwerken, Büchern und ...
Heidi Schnurr
Nach was riecht es denn hier: Bratwurst, Frittenfett oder sogar pupsende Schweine? Alles unangenehm, aber auch alles unzulässig und damit sogar ein Abmahn- oder sogar Kündigungsgrund?  Wann Duft zu Geruch wird und aus normalen Wohngerüchen verbotener Gestank. Häufig sind die Grenzen fließend.  
Sommerzeit – Grillzeit. Ein Motto, das sich viele Menschen zu Herzen nehmen. Manch einem qualmt es allerdings gewaltig, was dort vom Balkon oder der Gartenterrasse herüberweht. "Darf der das überhaupt?", fragen sich Mitmieter und Nachbarn. Geht es nach den Gerichten, sieht es so aus:
Eine (zu) üppig wuchernde Hecke, ein ständiger Grillwürstchengeruch und ein jeden Morgen um 5 Uhr krähender Hahn: Trotz eigenem Grundstück müssen Immobilienbesitzer Rücksicht auf ihre umliegenden Nachbarn nehmen, denn sonst wird aus dem netten Nachbarn gern einmal ein erboster Nachbar - und wer will das schon?   Praxis-Tipps, wie Sie erfolgreich Streit mit den Nachbarn vermeiden. 
Musik, lachende Gäste und als Krönung werden munter Volkslieder mehr oder weniger schön mitgesungen. Es ist unüberhörbar: Ihr Nachbar feiert!  Und mit ihm ungewollt alle Nachbarn, denn bei dem Lärm bekommt keiner ein Auge zu. Als Sie beim Nachbarn anrufen und ihn um Ruhe bitten, erklärt er Ihnen, dass er einmal im Jahr "ein Recht auf Feiern hätte". Stimmt das?

 meineimmobilie.de-Tipp

Mal ehrlich: Eigentlich sind Sie doch heilfroh, wenn sich Ihr Nachbar bereit erklärt, während Ihres Urlaubs den Garten zu gießen. Die Haftungsfrage bei späteren Schäden wird zuvor meist „tot geschwiegen“.

 

Denn wenn Sie Ihrem Nachbarn so kommen, wird er gleich dankend ablehnen.

 

Besitzt er allerdings eine Haftpflichtversicherung, ist am Ende beiden geholfen: Selbst bei leicht fahrlässigem Handeln bekommen Sie den Schaden von der Versicherung ersetzt und Ihr Nachbar kann sorgen- und haftungsfrei den Wasserschlauch in Ihrem Garten in die Hand nehmen.