Dienstag, 31.01.2017 | Autor: Heidi Schnurr, Rechtsanwältin, Chefredakteurin meineimmobilie.de, Foto: © Eisenhans - Fotolia.com

Maklergebühr: Bestellerprinzip beim Wohnungskauf soll kommen

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Worum geht´s

Maklergebühr: Bestellerprinzip beim Haus- und Wohnungskauf soll kommen. 

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Seit dem 1.6.2015 gilt das Bestellerprinzip für Makler bei der Wohnungsmiete. Das bedeutet grob gesagt: Wer bestellt, der muss auch die Zeche zahlen – und das ist bei der Mietersuche meist der Vermieter!

 

Nachdem diese Gesetzesänderung bei den Mietern viel Freude ausgelöst hat, will Bundesjustizminister Heiko Maas nun offensichtlich auch allen Wohnungskäufern eine Freude machen und das Bestellerprinzip auch beim Haus- und Wohnungskauf einführen. 

Der Wahlkampf nimmt so langsam Fahrt auf. Das ergibt sich aus dem Papier, das die Bundestagsfraktion der SPD vor ein paar Tagen beschlossen hat. Danach soll unter anderem der Weg von der Miete zu den eigenen vier Wänden erleichtert werden.

Mit Bestellerprinzip sollen die Kaufnebenkosten gesenkt werden

Wie das gehen soll? Der Kauf soll erleichtert werden. Ein wichtiger Schritt soll ein Absenken der Kaufnebenkosten sein. Darunter fallen auch die anfallenden, oft hohen Maklerkosten, die der Käufer häufig bei der Suche nach dem Traumhaus auf den Tisch legen muss.

Deswegen will sie langfristig das Bestellerprinzip beim Haus- bzw. Wohnungskauf einführen. Langfristig heißt: Nach der Bundestagswahl im September – sofern die SPD da noch Regierungspartei ist.

Für Makler könnte gelten: "Des Brot ich ess, des Lied ich sing"

Nicht jeder ist von dieser Idee, das Bestellerprinzip auch beim Kauf einzuführen, begeistert. So fürchtet der IVD einen Eingriff in die Vertragsfreiheit zu Lasten der Immobilienkäufer, die bei der wohl größten Investitionsentscheidung im eigenen Leben auf die Beratung und Sachkunde eines Maklers angewiesen sind.

Wenn aber der Verkäufer laut Gesetz den Makler zahlen muss, wird der sehr wahrscheinlich auch nur ausschließlich die Interessen des Verkäufers vertreten und deswegen den Käufer kaum objektiv beraten.

Damit würde laut IVD der Käuferschutz unterlaufen, weil so eine professionelle und objektive Beratung durch den Makler als Fachmann für den Käufer nicht mehr stattfindet.

Besser Grunderwerbsteuer senken statt Bestellerprinzip einführen

Der IVD schlägt deswegen vor: Wenn die SPD schon etwas gegen zu hohe Kaufnebenkosten tun möchte, dann sollte sie sich dafür einsetzen, die Grunderwerbsteuer beim Erwerb von selbstgenutztem Wohneigentum zu erlassen und außerdem die Grunderwerbsteuer bundesweit auf 3,5 Prozent abzusenken. Derzeit verlangen alle Bundesländer außer Bayern eine höhere Grunderwerbsteuer als 3,5 Prozent.

Bestellerprinzip könnte Kaufpreis in die Höhe jagen

Auch das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln hat sich in einer Kurzstudie aus ordnungspolitischen Gründen für das Bestellerprinzip beim Kauf ausgesprochen.

Die Unionsfraktion hält dagegen nichts von dieser Idee: Der Verkäufer würde die bezahlte Maklergebühr dann einfach auf den Kaufpreis aufschlagen, meinte die rechtspolitische Sprecherin, Elisabeth Winkelmeier-Becker.

Kommentare (2)

1.2.2017, 21:49 Uhr von Mehrfacher Hauskäufer Profil ansehen
Ich habe nun schon einige Häuser gekauft. Bei keinem Mal hat mich ein Makler beraten. Das Wirken der Makler war je nach Vorgabe des Verkäufers eher preistreiberisch einzuschätzen. Getreu dem Motto: Kommen Sie zu mir, mein Maklerbüro kann das Haus auch teurer verkaufen... Bei den heutigen Internetportalen ist das Inserieren eines Hauses kein Kunststück mehr, zumindest für Menschen mit PC. Und zumutbar ist es einem Häusleverkäufer auch. Und wenn er sich die Dienstleistung von Inserat und Haus- oder Wohnungbesichtigungen ersparen will, dann beauftragt er einen Makler. Zumindest in attraktiven Lagen makelt der Makler aber nicht, sondern er fungiert als verlängerter Arm des Verkäufers. Es ist rundum also durchaus angemessen, dass der Verkäufer - wenn er sich eines Dienstleisters bedient - diesen dann auch zu bezahlen hat. Das sage ich auch als konservativer Wähler: die SPD hat mit dem Vorstoß ein gerechtes Anliegen. Eine preistreibende Wirkung auf die Hausverkaufspreise ist mit dem SPD Vorstoß nicht zu erwarten, da sich Kaufentscheidungen auch in der Vergangenheit schon nach der Gesamtbelastung, die auf den Käufer zukommen, gerichtet haben und nicht nur nach dem ausgewiesenen Kaufpreis alleine. Es ist eher eine Tendenz zur Verbilligung aus dem Umstand zu erwarten, dass die "Makler" - handelnd als Verkäufer im Auftrag - kein Eigeninteresse nun an einer Preissteigerung in den Immobilienmarkt einbringen. In der Tat sollte der Staat allerdings auch seinen Beitrag leisten und ihn nicht nur von anderen Einfordern: die Rückführung auf 3,5% Grunderwerbssteuer bundeseinheitlich könnte ein angemessener Beitrag dazu sein, dass auch die Wohneigentumsquote, die in Deutschland im Europavergleich extrem niedrig ist, ein wenig steigt. Beste Grüße aus Bonn! MB
1.2.2017, 15:08 Uhr von ikz-landshut Profil ansehen
Es wird immer wieder gerne beschrieben, wie hoch geschätzt das Bestellerprinzip aus Sicht der Mieter gewertet wird. Aus der täglichen Praxis kenne ich es jedoch ganz anders. Seit Einführung des Bestellerprinzips sind die Mieten rapide gestiegen (siehe dazu auch alle Auswertungen von IS24 oder Immowelt). Der Grund ist schnell gefunden, denn die Vermieter haben das getan, was ohnehin von allen Fachverbänden vermutet wurde, mit Einführung des Bestellerprinzips die Mieten nach oben angepasst. Wo jetzt hier der Mehrwert für den Mieter liegt erschließt sich mir leider nicht, denn die erhöhten Mieten hat er dauerhaft und in Summe ist dies deutlich mehr als vorher die Maklercourtage. Dann war da ja noch der Mietpreispiegel, der Auswüchse nach oben regulieren sollte - laut gebrüllt von Politikern, die vom Markt (und wohl auch dem echten Leben) keine Ahnung haben. Wobei sich diese Leute sicherlich auch nicht auf dem regulären Immobilienmarkt zurecht finden müssen. Ähnlich würde es sich bei Einführung Bestellerprinzip für Immobilienkäufer verhalten, denn die Maklercourtagen würden einfach auf den Kaufpreis umgelegt und die Käufer würden zudem die erhöhten Gebühren für Notarkosten, Grunderwerbsteuer etc. bezahlen. Das versteht man dann wohl unter "Linke Tasche - rechte Tasche". Reine Wahlpropaganda der SPD ohne belegbaren Mehrwert für den Wähler!! Grüße vom IKZ Immobilien-Kompetenz-Zentrum Landshut
Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber
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Heidi Schnurr arbeitet als Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Mietrecht für Vermieter. Ihre Praxis-Tipps speziell für Vermieter finden sich in zahlreichen Fachpublikationen, Ratgebern, E-Books, Loseblattwerken, ...
Heidi Schnurr
Ab dem 1.6.2015 gilt das Bestellerprinzip für Makler. Die Mieter freuen sich, denn sie müssen jetzt bei der Wohnungssuche nicht mehr die Maklerprovision zahlen, sondern können sich vom ersparten Geld ein neues Sofa und einen Fernseher kaufen. Glauben sie jedenfalls... ....doch ganz so einfach ist es nun doch nicht: Der Vermieter muss nicht immer die Maklerkosten zahlen! Beauftragt nämlich der Mieter den Makler, muss er ihn auch am Ende zahlen. Bis es jedoch so weit ist, gibt es einige Stolperfallen, die dazu führen, dass der Makler entweder leer ausgeht oder eben doch der Vermieter "die Zeche" zahlen muss.
Seit dem 21.4.2015 gilt für Makler bei der Wohnungsvermittlung das Bestellerprinzip. Das bedeutet: Vermittelt ein Makler einem Mieter eine Wohnung, darf er dafür von ihm grundsätzlich keine Provision fordern. Dennoch gehen Makler meist nicht leer aus, denn er kann sich ja an den Vermieter, der für seine Wohnung einen Mieter sucht, halten.  Diese gravierende Gesetzesänderung hatte unter Immobilienmaklern für viel Ärger gesorgt. Viele Makler sehen sich nach wie vor in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht und in dem Gesetz einen Angriff auf ihre Vertragsfreiheit.  Zwei Makler legten deswegen Verfassungsbeschwerde vor dem Bundesverfassungsgericht ein. Allerdings ohne Erfolg!
Grundstücke sind teuer – und jetzt will auch noch das Finanzamt kräftig von Ihrem Kauf profitieren: mit der Grunderwerbsteuer. Über die Höhe darf jedes Bundesland selbst bestimmen. Aktuell hat Thüringen die Grunderwerbsteuer zum 1.1.2017 auf 6,5 % erhöht. Wann und wie tief Sie pro Bundesland in die Tasche greifen müssen und wo Immobilienerwerb noch günstig ist, zeigt diese aktuelle Steuer-Tabelle.
Normalerweise gilt bei der Grunderwerbsteuer: Bei der kommt es auf den Kaufpreis an und nicht auf die zusätzlich gezahlte Maklercourtage. Doch Achtung: Leider ist das nicht immer so!   Das Finanzamt kann nämlich die Maklerprovision unter bestimmten Voraussetzungen beim Berechnen der Grunderwerbsteuer mit heranziehen. Ob es das darf, hängt davon ab, was genau Sie mit dem Makler vereinbart haben. 

 meineimmobilie.de-Tipp

Derzeit ist es beim Kauf oder Verkauf von Immobilien noch so: Es ist weder die Höhe der Maklergebühr geregelt noch die Frage, ob der Käufer oder Verkäufer sie zahlen muss.

 

Solange es also kein Bestellerprinzip beim Haus- und Wohnungskauf gibt, kann die Höhe der Maklergebühr (Courtage) und ihre Aufteilung von den Vertragspartnern frei ausgehandelt werden.

 

Die Höhe variiert von Bundesland zu Bundesland und sogar von Stadt zu Stadt und ist marktabhängig. Oft wird sie zwischen Käufer und Verkäufer sogar aufgeteilt.