Donnerstag, 19.06.2014 | Autor: Dr. Otto Bretzinger, Rechtsanwalt, Baden-Baden, Foto: © freshidea - Fotolia.com

Drin und weg: Was die SCHUFA alles über Sie weiß

Foto: © freshidea - Fotolia.com
Worum geht´s

Welche Daten die SCHUFA über Sie gespeichert hat, wie Sie davon erfahren und was Sie gegen unberechtigte Einträge tun können.

Eine vergessene Rechnung oder Parkgebühr: Ruck zuck bekommen Sie einen bösen Brief vom Inkasso-Büro mit einer saftigen Bearbeitungsgebühr. Als wäre das nicht schon genug, hinterlässt der unangenehme Vorfall Spuren: Bei der SCHUFA.

Alle wissen jetzt, dass gegen Sie schon mal ein Inkasso anhängig war. Alle außer Sie!

SCHUFA: Was ist das eigentlich?

Beim Wörtchen "SCHUFA" zucken bereits viele leicht zusammen. Der Grund: Die SCHUFA sammelt Daten zur Zahlungsfähigkeit der Verbraucher und allein das ist schon vielen unangenehm.

Die Daten stellt sie dann ihren Vertragspartnern (zum Beispiel Banken, Versicherungen, Versandhandelshäusern, Kaufhäusern oder Telekommunikationsunternehmen) zur Verfügung. Selbst wenn Sie also nur einen Handyvertrag abschließen, weiß Ihr Gegenüber, wie es um Ihre Zahlungsfähigkeit bestellt ist.

Welche Daten die SCHUFA von Ihnen hat

Welche personenbezogenen Daten über Ihre Forderungen an Auskunfteien übermittelt werden dürfen, regelt § 28a Bundesdatenschutzgesetz. In Betracht kommen danach nur die Daten einer Forderung, wenn

  • diese per Urteil festgestellt ist oder ein Vollstreckungsbescheid gegen Sie vorliegt,
  • die Forderung unbestritten in einer Insolvenztabelle festgestellt ist,
  • Sie als Schuldner die Forderung ausdrücklich anerkannt haben oder wenn Sie nach Eintritt der Fälligkeit mindestens zweimal schriftlich gemahnt wurden und zwischen Ihrer ersten Mahnung und der Meldung an die SCHUFA mindestens 4 Wochen liegen,
  • Ihnen ein Übermitteln der Daten an die SCHUFA rechtzeitig angedroht wurde und
  • Sie als Betroffener die Forderung nicht bestritten haben.

Zusätzlich wertet die SCHUFA die Schuldnerverzeichnisse der deutschen Amtsgerichte aus, in die man eingetragen wird, wenn man eine eidesstattliche Versicherung abgeben musste. So erfährt die SCHUFA auch von einer Beantragung, der Eröffnung, der Abweisung und der Einstellung eines privaten Insolvenzverfahrens.

Wichtig zu wissen: Die SCHUFA selbst erhebt keine Daten über Sie und führt auch keine Recherchen durch. Sie verlässt sich ausschließlich auf die Angaben ihrer 4.500 Vertragspartner. Wer was von der SCHUFA über einen Kunden (also Sie!) wissen will, muss für jede Auskunft zahlen.

Welche Daten die SCHUFA über Sie sammelt

Die SCHUFA sammelt neben persönlichen Daten, wie Name, Geburtsdatum, Geburtsort und Anschrift, insbesondere Daten über die Art, den Gegenstand des jeweiligen Geschäfts, über ein abweichendes Zahlungsverhalten und über den Missbrauch von Konten und Kreditkarten.

Insgesamt verwaltet die SCHUFA nach eigenen Angaben rund 682 Millionen Einzeldaten von über 66 Millionen Personen.

Außerdem interessiert sich die SCHUFA noch für folgende Daten:

  • Bankkonten,
  • Kreditkarten,
  • Leasingverträge,
  • Mobilfunkkonten,
  • Versandhandelskonten,
  • Ratenzahlungsgeschäfte,
  • Kredite,
  • Bürgschaften,
  • Zahlungsausfälle und
  • Mahnungen.

Nicht gespeichert werden laut SCHUFA Angaben zur Nationalität oder Religion, zum Familienstand, dem Beruf oder zu Einkommen und Vermögen.

Die SCHUFA sammelt auch positive Informationen

Bei den gespeicherten Daten ist zwischen positiven und negativen Informationen zu unterscheiden.

  • Als positive Informationen gelten Angaben zu vertragsgemäßem Verhalten, also zum Beispiel Girokonten, Kreditkarten, Mobilfunkverträge mit Laufzeit, Leasingverträge, Kredite oder Versandhandelskonten. Dies alles sind Anhaltspunkte dafür, dass Unternehmen dieser Person Vertrauen schenken.
  • Ein durch die Bank gekündigter Kredit, Zahlungsausfälle oder Informationen aus öffentlichen Schuldnerverzeichnissen hingegen sind Hinweise für ein nicht vertragsgemäßes Verhalten.

Falscher Eintrag: Was Sie dagegen tun können

Die Auskünfte der SCHUFA sind nicht über alle Zweifel erhaben. Die dort über Sie gespeicherten Daten können falsch oder unvollständig sein. Deswegen hat jeder Bürger einmal pro Jahr das Recht, eine kostenlose SCHUFA-Selbstauskunft anzufordern, um seine dort gespeicherten Daten auf Richtigkeit zu überprüfen.

Von diesen hängt schließlich ab, ob Sie beispielsweise einen Kredit bei Ihrer Bank, einen Handyvertrag oder eine Wohnung bekommen.

Eine Selbstauskunft über Ihre Einträge können Sie im Internet unter www.schufa.de einholen. Sie können sie auch per Post anfordern. Dafür müssen Sie nur die Vorder- und Rückseite des Personalausweises kopieren und diese Kopien mitsenden.

Wann die SCHUFA Ihren Eintrag korrigieren muss

Einen Fehler muss die SCHUFA umgehend kostenlos korrigieren. Richten Sie Ihr Anliegen bitte schriftlich an folgende Adresse:

SCHUFA Holding AG, Postfach 56 40, 30056 Hannover

Es ist sinnvoll, wenn Sie Ihrem Brief gleich Kopien der Dokumente, die den Sachverhalt darlegen (zum Beispiel Quittungen, Löschungsbescheid), beilegen.

Um die Angelegenheit zu klären, hält die SCHUFA Rücksprache beim Vertragspartner. Das ist die Firma, die eine Information über Sie dort an- oder eben nicht angemeldet hat. In der Regel geschieht das noch am gleichen Tag. In Zweifelsfällen bleiben die (unrichtigen) Angaben so lange gesperrt, bis der Sachverhalt geklärt wurde.

Daten löschen: Wenn die SCHUFA sich weigert

Weigert sich die SCHUFA, Daten zu ändern oder zu löschen, können Sie sich an die für die SCHUFA Holding AG mit Sitz in Wiesbaden örtlich zuständige Datenschutzaufsichtsbehörde wenden. Das ist der Hessische Datenschutzbeauftragte:

Postfach 3163

65021 Wiesbaden

Telefon: 0611 14 08-0
Telefax: 0611 14 08-00
Internet: www.datenschutz.hessen.de

Wann Ihre SCHUFA-Daten automatisch gelöscht werden

Es gibt unterschiedliche gesetzliche Grundlagen und Fristen für das Aufbewahren personenbezogener Daten. Die Fristen bei der SCHUFA sollen zum einen die Interessen der Vertragspartner wahren: So können Unternehmen ihr Geschäftsrisiko besser kalkulieren. Zum anderen werden dabei auch die Belange von Verbrauchern berücksichtigt: Negative Informationen werden nach einer angemessenen Zeit wieder gelöscht.

Gelöscht werden Informationen wie

  • Angaben über Anfragen nach 12 Monaten.
  • Kredite nach 3 Jahren seit dem Jahr, in dem sie zurückgezahlt wurden.
  • Informationen über nicht vertragsgemäßes Verhalten in der Regel jeweils nach einem Zeitraum von 3 vollen Kalenderjahren (das heißt mit Ablauf des 31.12. des 3. Kalenderjahres, das der Speicherung folgt) insbesondere dann, wenn sie in dieser Zeit erledigt werden.
  • Bei unerledigten Sachverhalten erfolgt eine Löschung am Ende des 4. Kalenderjahres beginnend mit dem Kalenderjahr, das der Speicherung folgt. Eine länger währende Speicherung ist insbesondere dann möglich, wenn beispielsweise eine titulierte Forderung längere Zeit nicht ausgeglichen wurde.
  • Giro- und Kreditkartenkonten sofort, wenn das Konto aufgelöst wird.
  • Daten aus den Schuldnerverzeichnissen der Amtsgerichte (Haftbefehl zur Erzwingung der eidesstattlichen Versicherung und eidesstattliche Versicherung) nach 3 Jahren, jedoch vorzeitig, wenn der SCHUFA eine Löschung durch das Amtsgericht nachgewiesen wird.

Kommentare (0)

Kommentieren, ergänzen Sie jetzt den Artikel oder geben Sie dem Autor Feedback. Einfach anmelden und losschreiben.
Dr. Otto Bretzinger

Es schreibt für Sie

Dr. Otto N. Bretzinger ist Jurist, Journalist und Dozent für Zivilrecht an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg. Sein Tätigkeitsschwerpunkt liegt auf dem Recht der Verbraucher. Darüber hat er bereits mehrere ...
Dr. Otto N. Bretzinger
Mal Hand aufs Herz: Wann haben Sie das letzte Mal auf eine kleine Notlüge zurückgegriffen? Eine Mieterin aus München hat das bei ihrem Mietvertragsabschluss getan. Als ihr der Vermieter auf die Schliche kam, rächte sich das bitter!   Als Vermieter müssen Sie nämlich nicht bei jeder Notlüge gleich beide Augen zudrücken - und erst recht nicht, wenn es um die Einkünfte Ihres Mieters in der Mieterselbstauskunft geht!
Von einer Mietschuldenfreiheitsbescheinigung, einer Vorvermieterbescheinigung oder einem Mieterzeugnis haben Sie sicher auch schon gehört. Vielleicht gehören Sie ja selbst zu den Vermietern, die vor dem Mietvertragsabschluss vom potenziellen Neumieter eine solche Bescheinigung des Vorvermieters sehen wollen. Auf der anderen Seite ist es so: Will Ihr Mieter ausziehen und bittet er Sie darum, ihm so eine Bescheinigung auszustellen, begeben Sie sich auf einen schmalen Grat: Ein falsches Wort und ruckzuck sind Sie Ihre Nachzahlung los!
„Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich nicht doch was Bessres findet“ lautet eine alte Weisheit bei der Partnersuche. Die lässt sich auch sehr gut auf die Mieterauswahl übertragen, denn auch hier kann´s teuer enden, wenn Sie sich für den Falschen entscheiden.    Für viele Vermieter ist das wichtigste Auswahlkriterium bei der Mieterauswahl die Zahlungsfähigkeit des Mieters. 
Wer eine Immobilie vermietet, wünscht sich einen solventen Bewohner und regelmäßige Mieteinnahmen. Bevor Sie allerdings den Mietvertrag unterschreiben, sollten Sie die Bonität Ihres Mieters prüfen. Doch welches ist die zuverlässigste "Methode", hier die Spreu vom Weizen zu trennen? 

 meineimmobilie.de-Tipp

Wenn Sie wissen wollen, was die SCHUFA von Ihnen weiß und wer dort Daten über Sie weitergegeben oder angefragt hat, sollten Sie schleunigst eine SCHUFA-Selbstauskunft einholen.

 

Rufen Sie dazu die Schufa-SeiteAchtung: Setzen Sie keinesfalls einen Haken unter dem Punkt "Bestellung Bonitätsprüfung", sonst wird aus der gewünschten kostenlosen Auskunft eine kostenpflichtige für 24,95 EURO!

 

Wichtig für Vermieter: Wollen Sie SCHUFA-Auskünfte von Ihrem privaten Mieter einholen, haben Sie keine Chance. Sie können lediglich den Mieter bitten, von sich eine Eigenauskunft einzuholen und Ihnen diese vorlegen lassen.