Montag, 01.09.2008 | Autor: Jörg Stroisch/mb

Gut vorbereitet zur Zwangsversteigerung

Wer sich für ein Objekt interessiert, das zur Zwangsversteigerung ausgeschrieben ist, sollte sich vorher eingehend informieren. Einfach aus Spaß mitbieten geht nicht, denn ist der Zuschlag erteilt, gibt es kein Zurück. Damit das eigene Geld nicht fehlinvestiert wird, sollte das zu versteigernde Objekt vorab genau unter die Lupe genommen werden.

Eine wohl kalkulierte Taktik und eine kühl überlegte Strategie sind das A und O für jeden Bieter einer Zwangsversteigerung. Wer bieten will, sollte vor einer Versteigerung diese Liste Schritt für Schritt durchgehen. Es ist vor allem wichtig, so viele Informationen über das Objekt wie möglich zu bekommen, mindestens jedoch die, die die nachfolgend aufgeführt werden.

Richtiges Objekt auswählen
Der Gang zum Amtsgericht oder auf dessen Website steht am Anfang. Angegeben sind hier Details zum Termin und auch, ob es sich um den ersten oder zweiten Termin handelt.

Versteigerungsbedingungen einsehen
Wer bieten will, sollte sich das Aktenzeichen und den zuständigen Rechtspfleger notieren. Oftmals gibt es das Verkehrswertgutachten auch schon auf der Website zum Download.

Weitere Infos besorgen
Bieter sollten sich vorab einen aktuellen Grundbuchauszug besorgen und ins Altlastenkataster schauen. Auch das Baulastverzeichnis ist wichtig, um am Ende keine böse Überraschung zu erleben.

Gläubiger kontaktieren
Banken händigen oft bereitwillig Unterlagen zur Immobilie aus. Dabei sollte beachtet werden, dass diese ein Interesse haben, die Immobilie zu einem besseren Preis außerhalb der Zwangsversteigerung zu verkaufen.

Immobilie besichtigen
Der Bieter sollte sich die Immobilie vor Ort ansehen. Er kann versuchen, einen Besichtigungstermin zu bekommen. Dabei sollte er beachten, dass der Bewohner ihn nicht einlassen muss.

Eigentümerbeschlüsse besorgen
Gerade bei Mehrfamilienhäusern, in denen sich Eigentumswohnungen befinden, sollte der Bieter sich die Beschlüsse der Eigentümerversammlung besorgen.

Sicherung besorgen
Gültig sind hier: bestätigter Bundesbankcheck oder unbefristete und unbedingte selbstschuldnerische Bankbürgschaft.

Finanzierung sichern
Der Bieter sollte von Anfang an mit einem überdurchschnittlich hohem Eigenkapitalanteil kalkulieren und zumindest mit seiner Hausbank generell die Möglichkeiten eines Finanzierungsrahmens durchgesprochen haben.

Obergrenze festlegen
Er sollte für sich kritisch kalkulieren, bis zu welcher Bietobergrenze er maximal mitbieten wille. Dabei sollte er für Belastungen oder nicht kalkulierbare Risiken großzügige Abschläge vom Verkehrswert vornehmen.

Gültigen Personalausweis einstecken
Vor dem Zwangsversteigerungsgericht muss sich der Bieter bei der Abgabe des ersten Gebots ausweisen und die Sicherheitsleistung hinterlegen.

Versicherungen abschließen
Nach dem Zuschlag ist er sofort Eigentümer des Hauses. Deshalb sollte er sich schon im Vorfeld Vertragsunterlagen für die entsprechenden Versicherungen besorgt haben und diese unmittelbar nach dem Zuschlag auch abschließen.

Gebot bezahlen
Der Neueigentümer sollte nach Möglichkeit sofort ein und den Antrag auf Verzicht der Rücknahme stellen. Sofort ab Zuschlag werden nämlich vier Prozent Zinsen auf das Gesamtgebot fällig.

Grundbucheintrag kontrollieren
Normalerweise veranlasst das Versteigerungsgericht den neuen Grundbucheintrag. Es muss trotzdem kontrolliert werden, ob alles erledigt wurde.

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Foto: Sebastian Fery / Haufe
Foto: Sebastian Fery / Haufe

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Jörg Stroisch arbeitet als selbstständiger und freier Journalist. Seine Themenschwerpunkte sind informative Ratgeberartikel rund um die privaten Finanzen, insbesondere über die Themengebiete Immobilien, Vorsorge ...
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Bevor Sie zum ersten Mal selbst mitbieten, können Sie einmal "zur Probe" zu einer anderen Zwangsversteigerung gehen, um den genauen Ablauf kennenzulernen.