Montag, 02.11.2009 | Autor: Eike Schulze/mb

Eigenheim: Ausgaben genau kalkulieren

Immobilienangebote klingen oft günstig, doch meistens verbirgt sich hinter dem Kaufpreis noch eine lange Liste an Nebenkosten. Diese Ausgaben sollten auf jeden Fall vor der Kaufentscheidung kalkuliert werden.

Neben dem Preis für die Immobilie fallen eine ganze Reihe von Nebenkosten an. Oft vergessen nicht nur Käufer, diese Kosten zu kalkulieren. Auch viele (unseriöse) Berater unterschlagen sie gerne. Die Nebenkosten sind nicht immer gleich hoch, sondern hängen beispielsweise davon ab, ob es sich um ein neues oder ein gebrauchtes Haus handelt.

Welche Kosten entstehen beim Immobilienerwerb?

Grundsätzlich wird beim Immobilienerwerb zwischen den Kosten einer gebrauchten und denen einer neuen Immobilie unterschieden. Dies sind die Kosten, die generell entstehen:

Als Allererstes muss der Kaufpreis der Immobilie entrichtet werden (Grundstück oder Grundstücksanteil und Gebäude oder Miteigentumsanteil).

Maklercourtage auf den Kaufpreis

Wenn das Objekt mit Hilfe eines Makler erstanden wurde, werden Honorarkosten fällig. Immobilienmakler wollen sofort bezahlt werden und nicht erst bei Entrichtung des Kaufpreises. Die Maklercourtage, auch Maklerprovision genannt, ist prozentual abhängig vom Kaufpreis und regional unterschiedlich geregelt. Mit mindestens 3,57 Prozent vom Kaufpreis (drei Prozent Provision und darauf 19 Prozent Mehrwertsteuer) ist zu rechnen.

Grunderwerbsteuer auf den Kaufpreis

Wie die Maklercourtage richtet sich auch die Grunderwerbsteuer nach der Höhe des Kaufpreises. 3,5 Prozent müssen an das Finanzamt abgeführt werden. Als Bemessungsgrundlage dient der Gesamtkaufpreis bestehend aus dem Gebäude beziehungsweise der Wohnung und dem Grundstück oder dem Grundstücksanteil.

Seit dem 1. September 2006 dürfen die Bundesländer den Steuersatz selbst festlegen. So verlangt das Land Berlin beispielsweise 4,5 Prozent. Beim Kauf eines Hauses auf einem Erbbaugrundstück fällt nur ein reduzierter Steuersatz an. Auskunft gibt das zuständige Finanzamt.

Renovierungs- und Instandhaltungsaufwand

Diese Kosten können beim Kauf einer gebrauchten Immobilie oder Wohnung anfallen und ganz schön ins Geld gehen. Für neue Fenster und Türen fallen Kosten an, für eine neue Heizung ebenfalls. Weitere Knackpunkte können das Dach und Treppen sein. Viele dieser Punkte sind bei einer Eigentumswohnung Gemeinschaftseigentum und werden aus der Rücklage bezahlt.

Gerade bei Häusern oder Wohnungen aus Zwangsversteigerungen sollte mit einem ganz erheblichen Renovierungsaufwand gerechnet werden. Denn die Vorbesitzer hatten häufig nicht mehr das Geld, um das Wohneigentum in Schuss zu halten. Da die Ersteigerung von Immobilien ein Kapitel für sich ist, sei nur darauf hingewiesen, dass hier so viele Fallen auf den Ersteigerer warten können, dass er mit dem Kauf eines anderen gebrauchten Objekts günstiger fahren kann.

Heizungsanlage kontrollieren

In gebrauchten Immobilien ist selbst bei einem sonst tadellosen Gebäude die Heizungsanlage oft nicht mehr auf dem neuesten Stand der Technik. Dies bringt einen zu hohen Energieverbrauch und häufig auch einen zu hohen Schadstoffausstoß mit sich.

Die Folge: In absehbarer Zeit muss eine neue Heizungsanlage angeschlossen werden. Bei Anlagen, die älter als 20 Jahre sind, sollte sich der Immobilienkäufer erkundigen, ob die Heizung noch zeitgemäß ist oder baldmöglichst ausgetauscht werden muss. Es gibt hier Übergangsfristen. Bezirksschornsteinmeister oder Heizungsbauunternehmen beraten zu dieser Thematik.

Verwaltungsgebühren auf den Kaufpreis

Verwaltungsgebühren sind zum einen die Gebühren, die durch Eintragung ins Grundbuch oder durch Umschreibung erhoben werden. Die Höhe beträgt 0,5 Prozent des Kaufpreises. Außerdem fallen Beschaffungskosten in Höhe von einem Prozent als Notargebühr an. Alle Gebühren verstehen sich zuzüglich der gesetzlichen Mehrwertsteuer von derzeit 19 Prozent.

Umzugskosten und Doppelbelastungen

Neben dem Erwerb einer Immobilie fallen noch Kosten für die Ausstattung des neuen Heims und für den Umzug an. Darunter fallen Ausgaben für den Umzugstransport, die Bodenbeläge, Möbel, Alarmanlage und Haushaltsgeräte, beispielsweise für die Einbauküche.

Aber auch Doppelbelastung wie Miete und Finanzierung fallen an. Anzeigenkosten gehören ebenso in diese Rubrik wie die Zustimmung eines Verwalters zum Kauf einer Eigentumswohnung, was mit etwa 100 bis 200 Euro zu Buche schlägt.

Natürlich können manche dieser Anschaffungen auch hinausgezögert werden, wenn sie nicht von vornherein absolut notwendig sind. Hierzu lassen sich dann die Einnahmen aus dem 13. oder 14. Monatsgehalt, aus bezahlter Mehrarbeit oder aus Nebenbeschäftigungen sinnvoll einsetzen.

Kommentare (0)

Kommentieren, ergänzen Sie jetzt den Artikel oder geben Sie dem Autor Feedback. Einfach anmelden und losschreiben.

Es schreibt für Sie

Eike Schulze ist Dipl.-Geograf, Betriebswirt und Versicherungsfachmann. Er ist seit mehreren Jahren als Buchautor und PR-Berater im Themenumfeld Versicherungen, Immobilien, Geldanlage, Recht und Finanzen tätig.
Eike Schulze

 meineimmobilie.de-Tipp


Wenn Sie bei Kauf einer Immobilie Geld sparen wollen, können Sie zum Beispiel auf einen Makler verzichten. Sie suchen selbst nach einem geeigneten Objekt und müssen dafür auch keine Maklerourtage bezahlen.