Montag, 19.05.2008 | Autor: Helmut Aschenbrenner/Ulrike Gantert/mb, Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2007

Das Architektenhonorar

Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2007
Worum geht´s

Wie viel Sie ein Archtikt kostet und was Sie unbedingt dazu im Mietvertrag regeln sollten.

Stichworte zu diesem Thema

Architekten arbeiten nicht umsonst. Nachdem die Entscheidung, ob ein Architekt hinzugezogen werden soll, in einem relativ frühen Stadium fallen wird, muss diese Kostenposition dann auch fest in die Kalkulation eingeplant werden.

Ungefragt ist der Architekt von sich aus nicht verpflichtet, seinem potenziellen Auftraggeber Auskunft über die voraussichtliche Honorarhöhe zu geben. Der Bauherr sollte also gleich zu Beginn von selbst nachfragen, dies spart ihm eine Menge unangenehmer Überraschungen sowie unnötigen Ärger beim Erhalt der Rechnung.

Honorarordnung für Architekten

Architekten unterliegen den preisrechtlichen Schranken der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI). Dies bedeutet, dass ein wirksames Honorar nicht frei vereinbart werden kann. Vereinbarungen, die den nach der HOAI zulässigen Rahmen verlassen, sind demzufolge unwirksam.

Das Honorar für Grundleistungen bei neu zu errichtenden Gebäuden richtet sich nach den anrechenbaren Kosten des Objekts, nach der Honorarzone, der das Objekt angehört, sowie nach der Honorartafel in § 16 HOAI.

Bestimmung des Honorars

Zur Bestimmung des zutreffenden Honorars werden

  • die anrechenbaren Kosten,
  • die zutreffende Honorarzone sowie
  • der sogenannte Honorarsatz

benötigt. Der Honorarsatz gibt die Spanne an, innerhalb derer das Honorar frei vereinbart werden kann. Wird bei Auftragserteilung keine schriftliche Honorarvereinbarung getroffen, kann nur der "Von-Satz", üblicherweise als "Mindestsatz" bezeichnet, verlangt werden.

Einteilung der Honorarzonen

Mit der Honorarzone wird den jeweiligen Schwierigkeiten der Planungsanforderung Rechnung getragen. Wohnhäuser mit durchschnittlicher Ausstattung dürften hierbei regelmäßig der Honorarzone III zuzuordnen sein.

Bei überdurchschnittlicher Ausstattung, beispielsweise wenn vielfältige Funktionsbereiche zu planen oder besondere konstruktive beziehungsweise statische Anforderungen (etwa Hanglage) zu berücksichtigen sind, kann auch eine Einstufung in Honorarzone IV denkbar sein. In die Honorarzone II gehören einfache Wohnbauten mit gemeinschaftlichen Küchen- und Sanitäreinrichtungen.

Zusätzlicher Kostenfaktor

Die anrechenbaren Kosten, also der Honorarermittlungsfaktor, sind nicht identisch mit den Gesamtbaukosten. Zu ihnen zählen beispielsweise nicht die Kosten, die dem Bauherren für die öffentliche oder nichtöffentliche Erschließung entstehen, auch nicht die sogenannten Baunebenkosten, also beispielsweise Statiker- oder Architektenhonorare.

Kosten für Installationen oder betriebliche Einbauten sind, wenn sie eine bestimmte Größenordnung erreichen, nur eingeschränkt heranzuziehen. Wichtig ist auch, dass für die Honorarberechnung des Architekten nicht die Brutto-, sondern die Nettokosten (also ohne Mehrwertsteuer) heranzuziehen sind.

Nettogrundleistungshonorar

Soll der Architekt auch Außenanlagen, also etwa Zäune, Zuwegungen, Bepflanzung und so weiter, mitplanen, werden die hierfür entstehenden Nettokosten zu den anrechenbaren Kosten summiert.

Dies gilt allerdings nur dann, wenn diese unter 7500 Euro liegen. Liegen sie darüber, wäre das Honorar für die Freianlagen getrennt zu ermitteln. Der Bauherr sollte diesen Punkt also vorab mit dem von ihm zu beauftragenden Planer abklären, damit er nicht später eine böse Überraschung erlebt.

Pauschalen nach Vereinbarung

Zum Nettohonorar hinzu kann der Architekt noch die jeweils gültige Umsatzsteuer (derzeit 19 Prozent) verlangen. Entstehen ihm im Zusammenhang mit der Abwicklung des Auftrags Auslagen (Fahrtkosten, Vervielfältigungskosten etc.), kann er diese ebenfalls erstattet verlangen, allerdings nur, wenn er sie im Einzelnen nachweist.

Ein Nachweis im Einzelnen ist nicht erforderlich, wenn zwischen Bauherr und Architekt für die Nebenkosten bei Beauftragung eine Pauschale schriftlich vereinbart wurde, die üblicherweise zwischen drei bis acht Prozent des Honorars liegt.

Besondere Leistungen

Schlussendlich können zu den Grundleistungen auch noch die sogenannten "Besonderen Leistungen" hinzukommen. Eine Vergütung hierfür kann aber nur dann beansprucht werden, wenn deren Honorierung mit dem Bauherren schriftlich vereinbart wurde. Sonderhonorare können ebenfalls vereinbart werden, wenn sich die Planungs- oder Ausführungszeit über Gebühr verlängert.

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Ulrike Gantert ist Fachanwältin für Bau- und Architektenrecht sowie Schlichterin/Schiedsrichterin für Baustreitigkeiten. Sie ist in einer Münchener Baurechtskanzlei tätig und Mitglied der ARGE Bau- und ...
Ulrike Gantert
Der Bundesgerichtshof (BGH) hat entschieden, dass sechs Monate nach Einzug des Bauherrn die Architektenleistung als abgenommen gilt. Allerdings sind die Planer mit diesem Urteil nicht automatisch aus dem Schneider. 
Sobald der Architekt auf der Baustelle seine Arbeit erledigt hat, wird er eine Rechnung stellen. Je nach Art und Umfang seiner Arbeit kann die Abrechnung zu unterschiedlichen Zeitpunkten stattfinden. Steht die Abnahmereife für Bauabschnitte, die der Architekt verantwortet hat, noch aus, hat er noch keinen Anspruch auf sein Honorar.

 meineimmobilie.de-Tipp


Führen Sie genau Buch über alle Kosten, die Ihnen im Zusammenhang mit dem Hausbau entstehen. Nur so können Sie den Überblick behalten.

Sammeln Sie alle Kostenvoranschläge und kontrollieren Sie immer wieder die zu erwartende Gesamtsumme, damit Sie sich nicht verkalkulieren.