Mittwoch, 23.07.2008 | Autor: Dr. Wolfgang Naumer/mb

Wichtige Faktoren für energieeffizientes Bauen

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Wer ein neues Haus baut, kann Energie sparen. Ein optimiertes Zusammenspiel einzelner Faktoren zu einem stimmigen Gesamtkonzept garantiert einen niedrigen Energiebedarf mit einfacher Haustechnik.

Folgende Faktoren haben einen wesentlichen Einfluss auf den Energieverbrauch eines Hauses.

Das A/V-Verhältnis

Kompakte Baukörper besitzen ein kleines A/V-Verhältnis. Das heißt, die Fläche der Gebäudehülle (A) soll möglichst klein sein im Verhältnis zum Gebäudevolumen (V). Stark gegliederte Fassaden von freistehenden Häusern wirken wie Kühlrippen, über deren Flächen hohe Wärmeverluste entstehen. Gebäude mit gleichem Volumen und weniger Hüllfläche verbrauchen auch weniger Energie.

Die Ausrichtung des Baukörpers nach der Sonne ist oft schon durch die Bebauungspläne definiert. Die Anordnung der Räume im Haus, in welchem Geschoss und welcher Himmelsrichtung kann jedoch individuell geplant werden.

In Deutschland scheint die Sonne 1.400 bis 1.700 Stunden pro Jahr. Diese Energie kann nicht nur für solarthermische Zwecke von Anlagen genutzt werden. Gerade nach Süden orientierte Fenster ermöglichen in der Übergangszeit Frühjahr und Herbst eine direkte Erwärmung der Innenräume über die Einstrahlung.

Auswahl der Baustoffe

Einer der wichtigsten Aspekte zur Speicherung von Wärme und zur Reduktion des Wärmeverlustes ist die Auswahl der Baustoffe. Die Wärmespeicherfähigkeit von Bauteilen ist zur Vermeidung kurzfristiger Temperaturschwankungen wichtig. Um den Wärmebedarf zu senken, ist eine gute Dämmwirkung der Gebäudehülle zu beachten. Dabei kommt den Wand- und Dachflächen eine größere Bedeutung zu als den Fensterflächen.

Eine luftdichte Hülle mit einer kontrollierten Lüftung kann bis zu 25 Prozent Energie gegenüber einer mangelnden Luftdichtheit einsparen. Unkontrollierte Lüftung durch Undichtigkeiten kann zudem zu Bauschäden führen, wie beispielsweise von Tauwasserausfall und Schimmel.

Richtiges Lüften

Durch das Lüften geht zwangsläufig Heizenergie verloren daher sollte bei manueller Lüftung der Zeitraum der Durchlüftung möglichst kurz sein und mehrmals täglich wiederholt werden. Schon nach wenigen Minuten ist die verbrauchte, feuchte Raumluft durch frische, kältere und trockenere Außenluft ersetzt, die nach Erwärmung auf Raumtemperatur wieder Feuchtigkeit aufnehmen kann.

Bei mechanischer, kontrollierter Lüftung sorgt ein geringer ständiger Luftstrom für einen Austausch der verbrauchten Luft. Im einfachsten Fall wird die Luft nur abgesaugt und kann durch Nachströmöffnungen ersetzt werden. In Verbindung mit einem Wärmetauscher wird der Energieverlust durch die Vorwärmung der Außenluft noch erheblich reduziert.

Die Hüllfläche

Der Transmissionswärmeverlust, das heißt, die Wärme, die über die Hüllfläche verloren geht, ist neben dem Primärenergieeinsatz einer der beiden entscheidenden Faktoren zur energetischen Bewertung des Gebäudes. Es ist daher wichtig, das beheizte Volumen klar zu definieren und diese Flächen zu minimieren (A/V-Verhältnis).

Die Energiebilanz hängt außerdem von der Ausrichtung der Fassaden und deren Fensterflächen sowie der möglichen Verschattung im Sommer (Wärmeschutz) und dem Mikroklima ab.

Richtige Dämmung

Kellerdecken können bei ungeheizten Kellern als kostengünstige Hüllfläche von der Kaltseite gedämmt werden. Soll der Keller ausgebaut und beheizt werden, geht dieser voll in die Energiebilanz ein und die Bodenplatte sowie die Kellerwände müssen gedämmt sein.

Außenwände haben den größten Anteil an der Hüllfläche. Sie müssen große Temperaturunterschiede zwischen innen und außen im Verlauf der Jahreszeiten und der Orientierung nach der Himmelsrichtung aufnehmen und zusätzlich noch die statischen Lasten tragen. Einschalige Wände ohne zusätzliche Dämmung können bei richtiger Materialwahl und ausreichender Dicke, mit mehrschaligen Wänden durchaus konkurrieren. Mehrschalige Wände bestehen aus einer Tragschicht (zum Beispiel 17,5 cm Stein) und einer Dämmschicht.

Fensterflächen richtig planen

Fensterflächen an der Nordseite sollen generell kleiner sein als im Süden. Solare Gewinne reduzieren die Verluste über die Fensterflächen. Allerdings benötigen sie im Sommer einen außen liegenden Sonnenschutz gegen eine Überhitzung.

Dachflächen sind die am meisten durch das Wetter belasteten Bauteile am Haus. Wärmeeinstrahlung im Sommer und Kältebelastung im Winter können leicht eine Temperaturdifferenz von 100 Grad Celsius erreichen. Dazu kommt noch Schneelast und Winddruck, beziehungsweise Windsog.

Hitze im Sommer und Kälte im Winter bleiben draußen

Erschwerend ist, dass Dächer meist als Holzleichtbau ausgeführt werden. Sommerlicher Wärmeschutz von außen und der Schutz im Winter vor Wärmeverlusten müssen hier gewährleistet werden. Wird das Dach nicht ausgebaut, sollte die oberste Geschossdecke, die der Witterung nicht ausgesetzt ist, diese Aufgabe übernehmen.

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