Donnerstag, 11.07.2013 | Autor: Heidi Hecht, Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2006

Vorsicht beim Kauf von Schlüsselfertighäusern

Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2006

Schlüsselfertighäuser gehören zu den am meisten verkauften Immobilien. Dabei sollten Bauherrn beim Abschluss eines Vertrags die Augen aufhalten, denn zwischen den Versprechungen von Verkaufsberatern, auf Webseiten oder in Prospekten und dem tatsächlichen Bauvertrag klaffen oft Welten.

90 Prozent aller privaten Bauherren kaufen heute ein schlüsselfertiges Haus. Dazu müssen sie einen Bauvertrag mit einem Generalunternehmer oder Bauträger abschließen. 97 Prozent dieser Verträge haben teilweise eklatante Mängel. Das belegt die aktuelle Studie "Schlüsselfertig Bauen – Die Bauverträge mit privaten Bauherren in der Praxis" des Instituts Privater Bauherren.

Irreführung beim Kauf von Schlüsselfertighäusern

Viele angehende Bauherren lassen sich nach Erfahrung des Verbands Privater Bauherren (VPB) von den Schlüsselfertiganbietern in die Irre führen. Sie folgen den Versprechungen ihrer Vertragspartner und übersehen dabei: Diese "Partner" sind nicht ihre Verbündeten, sondern Geschäftsleute mit eigenen kommerziellen Interessen.

Auch "Architekt" oder "Planer" irritieren Bauherrn. Denn obwohl der freie Architekt den Ruf als Sachverwalter des Bauherrn hat, gilt dies bei einem Schlüsselfertighaus nicht: Der Architekt arbeitet immer für den, der ihn bezahlt. Ergo ist auf der Schlüsselfertigbaustelle der Architekt nicht der Partner des Bauherrn, sondern der Helfer des Schlüsselfertiganbieters!

Schlüsselfertighaus aus einer Hand

Die Warnleuchten müssen beim angehenden Bauherrn blinken, sobald er merkt, er bekommt es mit mehreren Firmen, Büros und Vertragspartnern zu tun – und soll mit jedem einen Vertrag abschließen. Die Zuständigkeiten sind verworren, Ansprechpartner oft nicht greifbar, der Geldfluss und die Haftung bei Mängeln schwer nachvollziehbar. Bausachverständige sprechen vom sogenannten Vertragspartner-Dschungel. Darauf sollten sich Bauherren nicht einlassen, wenn sie nicht selbst einen steuernden Architekten beauftragt haben. Im Idealfall kommt das schlüsselfertige Haus aus einer Hand. Auch dann sind Vertrags- und Baumängel nicht auszuschließen, aber immerhin lässt sich der Verantwortliche eindeutig identifizieren.

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News: Mit dem Forderungssicherungsgesetz hat der Gesetzgeber die Rechte von Hauskäufern gestärkt. Wer im Kaufvertrag einen Übergabezeitpunkt festgelegt hat, bekommt Schadenersatz, wenn das Haus nicht rechtzeitig fertig ist.
News: Seit das Erneuerbare Energien Wärmegesetz in Kraft getreten ist, werben manche Schlüsselfertiganbieter mit irreführenden Angeboten. Der Bauherrenverband warnt vor leichtfertigen Entscheidungen, denn unter Umständen müssten Hausbesitzer hinterher draufzahlen.

 meineimmobilie.de-Tipp

Wer ein schlüsselfertiges Haus kaufen möchte, der sollte zwei Dinge tun: Sich am besten noch vor Vertragsabschluss einen unabhängigen Berater suchen, der ihn schon bei der Auswahl des Bauunternehmens unterstützt und den Vertragsentwurf prüft, und sich vor allem auf dem heimischen Markt umsehen. Es empfiehlt sich, im Vorfeld Referenzen einzuholen. Eine Bank- oder Schufa-Auskunft ist in Grenzen sinnvoll, denn schließlich bildet sie immer nur die Vergangenheit ab und sagt wenig aus über das zukünftige Geschäftsgebaren einer Firma.