Dienstag, 18.05.2010 | Autor: Jörg Stroisch

Kaufen auf Elektroauto-Verdacht

Stichworte zu diesem Thema

Bald werden auf deutschen Straßen nur noch leise Elektroautos surren, also nun schnell ein Immobilienschnäppchen an einer Hauptverkehrsstraße ergattern? Warum dies nicht unbedingt die beste Idee ist, schreibt meineimmobilie.de-Chefredakteur Jörg Stroisch in seiner Kolumne.

 

 

 

Neulich in der Hamburger Szene-Kneipe „berliner betrüger“: Hamburg ist teuer in den Mieten, sehr teuer. Und so mancher denkt da an ein Investment. So auch ein Freund: „Wenn in 40 Jahren nur noch leise Elektroautos über die Straßen surren, müssten doch Hauptverkehrsstraßen zu einer guten Wohngegend werden“, stellt er die Hypothese auf. Ein interessanter Gedanke. Aber auch ein sehr auf Risiko getrimmtes Investment.

Es ist eben das ewig Gleiche: Schnelles Geld lässt sich eigentlich nie ohne ein entsprechend großes Risiko machen. Sprich: Am Ende ist vielleicht das komplette Investment für die Katz. Und gleiches gilt für die Idee mit den Elektroautos. So könnte in 40 Jahren die Straße zwar nur noch von Elektroautos befahren werden, dabei aber umso mehr Verkehr darauf fahren.

Eine Vision für die zukünftige Verkehrsinfrastruktur auf einen konkreten Straßenzug herunterzubrechen, ist äußerst schwierig. Genauso gut könnten schließlich die freiwerdenden 6-spurigen Straßen als neue Flugzeuglandebahnen genutzt werden. Die Abwägung, ob die Idee mit den leisen Hauptverkehrsstraßen oder die mit den Flugzeuglandebahnen wahrscheinlicher ist, ist eine sehr individuelle. Und hier sind wir dann wieder beim Risiko.

Und die zweite Binsenweisheit bleibt bei Immobilien: Immobilien sind ein unternehmerisches Investment. Nicht in Aktien wird hier investiert, sondern mit dem eigenen persönlich haftbaren Vermögen eine Immobilie gekauft. Wer also eine Immobilie an einer Hauptverkehrsstraße kauft, muss sich auch heute schon Gedanken darum machen, wie er diese vernünftig finanziert und vernünftig am Markt platziert.

Schon die Wortwahl zeigt: So arbeiten Immobilien-Unternehmen und nicht Immobilien-Arbeitnehmer. Die Unternehmer kalkulieren dann eben auch ein Mietausfallwagnis, halten ihren menschlichen Ärger über Mietnomaden und nicht zahlende Mieter im Zaum, agieren aber konsequent und schnell in Sachen „Forderungsmanagement“.

Jetzt werden Sie vielleicht einwenden: Ich will ja selbst einziehen. Na, dann viel Spaß mit der Verkehrsbelästigung der kommenden 40 Jahre.

Kommentare (1)

19.5.2010, 11:45 Uhr von klauskoe Profil ansehen
Vielleicht ist schon mal jemandem aufgefallen, dass - insbesondere bei höheren Geschwindigkeiten - nicht nur der Motor Lärm macht, sondern u. a. das Abrollen der Reifen auf der Straße eine erhebliche Rolle spielt. Sonst wäre ja wohl der immer häufiger verlegte "Flüsterasphalt" für die Katz, weil der das Motorgeräusch sicher nicht vermindert.