Mittwoch, 25.07.2012 | Autor: Jörg Stroisch, Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2005

Feine Finca in fernen Ländern

Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2005
Worum geht´s
  • Ferienimmobilie im Ausland kaufen
  • Risiken der Ferienimmobilie im Ausland

Die Preise für Immobilien in Spanien sinken weiter, die Immobilienblase sorgt für viele leerstehende Objekte. Doch wer in den südlichen Ländern seine Ferienimmobilie kauft, sollte nicht nur auf den Preis achten, denn sonst kann der Urlaub verdorben werden.

Laut einer Umfrage der BHW Bausparkasse können sich derzeit 51 Prozent der Interessenten an einer Ferienimmobilie einen Erwerb im Ausland vorstellen. Spanien halten dabei 48 Prozent der Befragten für ein lohnendes Ziel, gefolgt von Griechenland (36 Prozent) und Portugal (31 Prozent). „Studien zum Urlaubsverhalten zeigen, dass gerade Spanien, Italien und Frankreich die Top-3 der beliebtesten Ferienländer der Deutschen sind, die Nachfrage ist 2011 auch weiter gestiegen“, beschreibt Tobias Wann, Regionaldirektor für Zentraleuropa bei dem Ferienhausportal Homeaway FeWo-direkt. Und Peter Schöllhorn, Vorsitzender der Deutschen Schutzvereinigung Auslandsimmobilien, sagt: „Sonne, Strand und Meer – das waren und sind weiterhin die unschlagbaren Argumente für den Kauf einer Immobilie in den südlichen Ländern.“

Marktentwicklung in den südlichen Ländern uneinheitlich

Jedes Land steht anders da – auch in Bezug auf die Markteinschätzung. Tobias Wann sieht so tendenziell attraktive Preise in Spanien, „wobei das absolut nicht pauschal gesagt werden kann.“ Schöllhorn hingegen sieht ein stark nachgelassenes Interesse und sehr viele unverkaufte Objekte. „Die Preise sinken voraussichtlich weiter“, sagt er und begründet eine gewisse Zurückhaltung auch mit der Vergangenheit: „In den Boomzeiten wurden Immobilienkäufer nur abkassiert, das hinterlässt ein fades Gefühl. Es war wirklich eine versaute Situation.“ Besonders begehrt bei Urlaubern sind zumindest weiterhin Mallorca, Andalusien und die Costa del Sol und Costa  Blanca.

Auch in Griechenland sinken die Preise weiter, hier allerdings aufgrund der generellen volkswirtschaftlichen Situation. Frankreich und Italien hingegen haben weiterhin stabile Immobilienpreise. In Frankreich ist besonders die Cote D'Azur sehr hochpreisig, in Italien die Toscana. Dabei warnt Schöllhorn davor, nur wegen des Preises in günstigere Regionen auszuweichen: „Die Infrastruktur ist wichtig.“ Und diese ist regional sehr unterschiedlich: Gerade in einigen Regionen Italiens und Frankreichs und vor allem in dem aus vielen kleinen Inseln bestehenden Griechenland ist die Anbindung oft nicht gut, „ein Wochenendtrip schon deswegen nicht möglich“, so Schöllhorn.

Kauf einer Ferienimmobilie im Ausland

Der Kauf einer Ferienimmobilie als Anlageobjekt: „In unseren Befragungen ermittelten wir eine durchschnittliche Auslastung von 23 Wochen und durchschnittliche Einnahmen von 14.000 Euro im Jahr“, macht Wann Mut. „Bei einer Rendite von durchschnittlich 7,4 Prozent kann eine Ferienimmobilie somit ein durchaus lohnendes Anlageprodukt sein, wobei jeder das Risiko sehr individuell beurteilen sollte.“
Doch rein formal können viele Fehler gemacht werden. Der wahrscheinlich wichtigste: Wer eine Unterschrift leistet, ist gebunden. „So ist der privatrechtlich abgeschlossene Vertrag in Italien, Frankreich, Spanien oder Griechenland bereits rechtsverbindlich“, warnt Experte Schöllhorn. Es ist also kein notarieller Vertrag notwendig – und somit die unbedachte, schnelle Unterschrift zum Beispiel nach einem guten Essen mit Wein bereits gültig.

Gerade in Anbetracht der hohen Leerstände in Spanien rät der Experte auch dazu, hier lieber nicht in Neuanlagen zu investieren. Eine Altimmobilie in einer gepflegten Anlage sei eine gute Alternative. Schöllhorn: „Es ist immer ein Risiko, wenn der Bauherr den Bau einer Immobilie nicht selbst begleiten kann. Deshalb ist es oftmals einfacher, Bestandsimmobilien zu kaufen.“ Die große Entfernung spielt dann später auch für die Vermietung eine Rolle: „Vor Ort sollte der Besitzer einen Verwalter einschalten“, rät deshalb Tobias Wann.

Rechtslage in den Ferienländern

Andere Länder, andere Sitten – das gilt ganz besonders auch für den Rechts- und Steuerrahmen.  Beispiel Spanien: „In Küstengegenden besteht die Gefahr der Enteignung oder sogar des Abrisses, sofern die Immobilie in der vordersten Schutzzone steht“, beschreibt Schöllhorn. Frankreich wiederum akzeptiert eine Vererbung nur nach französischem Recht, in Griechenland kann es zu unvorhergesehenen Problemen kommen, wenn beim Neubau archäologische Dinge zum Vorschein kommen. Die Tücke liegt oft im Detail.

Tobias Wann rät deshalb auch dringend: „Eine Rechts- und Steuerberatung ist vor dem Kauf einer Immobilie im Ausland ein absolutes Muss.“ Wer das dann beherzigt, kann dann tatsächlich unbeschwerte Tage in der südlichen Sonne genießen.

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Foto: Sebastian Fery / Haufe
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Jörg Stroisch arbeitet als selbstständiger und freier Journalist. Seine Themenschwerpunkte sind informative Ratgeberartikel rund um die privaten Finanzen, insbesondere über die Themengebiete Immobilien, Vorsorge ...
Jörg Stroisch
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Beachten Sie auch das hohe rechtliche Risiko, welches Sie mit dem Erwerb einer Ferienimmobilie im Ausland eingehen. Andere Länder, andere Sitten: Und im Zweifel sitzen Sie im entfernten Deutschland und haben keine Möglichkeit, Ihr Recht durchzusetzen. Ferienimmobilien sind oft auch eine hoch volatile Geldanlage. Der Immobiliencrash in Spanien ist dafür ein gutes Beispiel.