Montag, 23.11.2009 | Autor: Bernhard Metzger/mb

Auf der Suche nach Grund und Boden

Stichworte zu diesem Thema
Bauland ist knapp und teuer. Doch wer bei der Grundstückssuche geschickt zu Werke geht, kann positive Überraschungen erleben.

Die Preise für Grund und Boden sind in den letzten Jahren explodiert. So stiegen die Grundstückspreise für die Wohnbebauung zwischen 1980 und 1994 um fast 100 Prozent.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass größere Grundstücke in ländlichen Gebieten billiger den Besitzer wechseln als kleine Parzellen in den Ballungszentren, welche Spitzenpreise kosten.

Die Preise schwanken, entsprechend der Qualität des Grundstücks und der Nachfrage, regional sehr stark. Die statistischen Durchschnittswerte für baureifes Land sind nur wenig hilfreich, da sie die lokalen Besonderheiten nicht berücksichtigen.

Grundstückswert

Einen Preisüberblick geben für den Bereich von kreisfreien Städten oder Landkreisen unabhängige Gutachterausschüsse für Grundstückswerte. Von diesen werden die durchschnittlichen Lagewerte für Bauland anhand von Kaufpreissammlungen ermittelt. Von der Geschäftsstelle des Gutachterausschusses kann Auskunft über diese Bodenrichtwerte verlangt und Einsicht in die Bodenrichtwertkarte genommen werden.

Der Immobilienverband Deutschland IVD Bundesverband e. V. gibt ebenso wie andere Vereinigungen Preisspiegel heraus, die gewisse Anhaltspunkte über Grundstückswerte geben.

Tipps für die Grundstückssuche

Die Suche nach einem geeigneten Grundstück kann sehr zeitraubend sein. Wer einen Bauplatz sucht, hat aber viele Möglichkeiten, sich Grundstücksangebote einzuholen:

  • Immobilienanzeigen studieren: Ein- bis zweimal wöchentlich werden in den meisten Tageszeitungen im Immobilienteil Grundstücke zum Kauf angeboten.
  • Immobilienanzeigen aufgeben: Durch Schalten von Suchanzeigen in Zeitungen (Immobilienteil), insbesondere auch in Gemeinde-, Orts- und Anzeigenblättern, können Angebote kommen.
  • Gemeinden befragen: Bei Städten und Gemeinden sind häufig Grundstücksangebote zu erfragen. Dies gilt insbesondere, wenn sich der Kaufinteressent schon in der Planungsphase über neue Bebauungspläne informiert.
  • Erbbaurecht: Viele Gemeinden verkaufen einen Teil ihrer Grundstücke nicht, sondern verpachten diese. Hierbei handelt es sich im Allgemeinen um das Erbbaurecht, früher auch Erbpacht genannt. Dabei ist oft eine einmalige Einstandszahlung zu leisten und eine jährliche Pacht über einen bestimmten Zeitraum (üblich sind 99 Jahre) zu zahlen. Der Erbbauberechtigte darf dann auf dem gemieteten Grund und Boden ein Haus errichten und zahlt einen jährlichen Erbbauzins in Höhe von etwa vier bis sechs Prozent des Grundstückswertes. Diese Form der Beschaffung eines Grundstücks kommt demjenigen entgegen, dessen verfügbare Mittel knapp bemessen sind.
  • Immobilienzentren der Banken und Sparkassen: Die meisten Banken und Sparkassen verfügen über eigene Immobilienabteilungen, welche über den Grundstücksmarkt gut informiert sind. Hier fällt jedoch beim Kauf eine Vermittlungsprovision an.
  • Makler beauftragen: Die örtlichen Makler kennen den Immobilienmarkt in der Regel sehr gut. Da leider nicht jeder Makler seriös ist, sollte der Interessent darauf achten, dass der Makler Mitglied in den Berufsverbänden IVD (RDM bzw. VDM) ist. Meist hat der Makler gleich mehrere Angebote zur Auswahl. Auch hier fällt beim Kauf eine Vermittlungsprovision an.
  • Architekten einschalten: Architekten können gute Ansprechpartner sein, da sie oft wissen, wo die Gemeinden neue Areale für den Wohnungsbau erschließen.
  • Fertighaushersteller oder Wohnungsbaugesellschaften: Der Kauf vom Fertighaushersteller oder Bauträger ist müheloser. Teilweise haben diese noch Grundstücke im Angebot, die in der gewünschten Lage sonst nicht mehr zu bekommen wären. Beim Erwerb eines solchen Grundstücks bindet man sich hinsichtlich der Erstellung eines Hauses jedoch meistens an den Verkäufer.
  • Direktbeschaffung/im Bekanntenkreis recherchieren: Die Direktbeschaffung von Grundstücken ist meist sehr zeitaufwendig. Dabei ist hier aber auch die Chance groß, zu außergewöhnlich günstigen Grundstücken zu kommen.

Grundstücksanalyse während der Grundstückssuche

Nachdem einige Grundstücke zur Auswahl stehen, folgt die Analyse: jedes Grundstück wird für sich nach Lage und Umfeld bewertet.

Hierbei ist zu untersuchen, ob das Grundstück

  • vorzugsweise nach Süden, Westen oder besser noch nach Südwesten ausgerichtet ist
  • keinen oder nur unmerklichen Umweltbelastungen, wie Lärmbelästigung oder Luftverschmutzung ausgesetzt ist
  • in Bezug auf die Nachbarbebauung den Vorstellungen des Interessenten entspricht
  • in einer ruhigen Wohnstraße liegt
  • landschaftlich schön gelegen ist

Erst wenn die Lage der Prüfung standgehalten hat, sollte sich der Interessent bei der Grundstückssuche mit den Einflüssen der weiteren Umgebung und mit deren Gegebenheiten beschäftigen:

  • gute Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz
  • Autobahnanbindungen innerhalb weniger Minuten erreichbar
  • Schulen und Kindergarten ohne Gefahr für die Kinder in kurzer Zeit erreichbar
  • Geschäfte des täglichen Bedarfs in der Nähe
  • mögliche Arbeitsstätten in kurzer Entfernung
  • Stadtzentrum mit all seinen Einrichtungen gut und schnell zu erreichen
  • reichhaltiges Freizeit- und Sportangebot

Flächennutzungsplan

Soweit entsprechende Einrichtungen nicht bereits bestehen, empfiehlt es sich vor allem, Einblick in den Flächennutzungsplan der Gemeinde zu nehmen. Der Flächennutzungsplan stellt die beabsichtigte künftige Entwicklung der Gemeinde dar und gibt vor allem Aufschluss über die wichtigsten Planungen.

Kommentare (0)

Kommentieren, ergänzen Sie jetzt den Artikel oder geben Sie dem Autor Feedback. Einfach anmelden und losschreiben.

Es schreibt für Sie

Dipl.-Ing. (FH) Bernhard Metzger ist freier Sachverständiger für Schäden an Gebäuden, Mitglied im LVS, BGDS und BBauSV und Autor einschlägiger Fachliteratur.
Bernhard Metzger

 meineimmobilie.de-Tipp


Der Flächennutzungsplan kann jederzeit in der Gemeinde eingesehen werden. Im Übrigen wird Ihnen auch Ihre Gemeinde, soweit möglich, Auskunft erteilen. Bedenken Sie, je besser die Wohnlage und die Infrastruktur Ihres Grundstücks ist, desto höher ist auch sein Wert und seine Wiederverkäuflichkeit.