Donnerstag, 22.08.2013 | Autor: Heidi Schnurr, Foto: © Martin Debus - Fotolia.com

Im Sommer den muffigen Keller lüften: Bloß nicht

Foto: © Martin Debus - Fotolia.com
Worum geht´s

Sommer ist beste Zeit zum Keller lüften? Von wegen!

Jetzt ist die beste Zeit, den muffigen Keller zu lüften? Von wegen! Reißen Ihre Mieter bei warmem Wetter die Kellertür auf, um einmal kräftig durchzulüften, ist das absolutes Gift für Ihren Keller.

 

Wann die beste Zeit zum Lüften ist und warum Sie als Hauseigentümer unbedingt darauf achten sollten, dass Ihre Kellertür geschlossen bleibt, zeigt dieser Praxis-Beitrag. Mit fix und fertigem Rundschreiben an Ihre „lüftungswütigen Mieter"!

Vermeiden Sie diesen schweren Lüftungsfehler

Ihr Mieter denkt sich: „So eine offene Tür im Sommer – das tut dem Keller sicher gut! Da geht die Feuchtigkeit raus und der Geruch nach altem Muff verschwindet auch noch!".

Ein folgenschwerer Denkfehler, dem viele Hauseigentümer und Mieter unwissentlich erliegen.

Je heißer es draußen ist, umso weniger sollten Sie lüften

Schimmel gedeiht nur dort, wo es zu feucht ist. Sie glauben, weil Sie im Sommer mit weit geöffneten Fenstern ständig für ordentliche Warmluft im Keller gesorgt haben, hat Schimmel bei Ihnen keine Chance? Weit gefehlt!

Denn die warme Außenluft enthält sehr viel Feuchtigkeit. Es ist nämlich so: Je „heißer" es draußen ist, umso mehr Wasserdampf enthält die Luft.

Lassen Sie die heiße Luft ja nicht in Ihren Keller

Dieser unerwünschten, feuchten Luft öffnen Sie nun Tür und Tor zu Ihrem kühlen Keller. Wundern Sie sich nicht, wenn sich dort in großem Umfang Kondensat (= Schwitzwasser) an allen Bauteilen und Gegenständen bildet!

Schon innerhalb kürzester Zeit könnten Ihre Schränke, Kisten, Schuhe usw. zu schimmeln beginnen.

Achten Sie darauf, dass Ihre Kellertür nicht ständig offen steht

Dazu reicht es schon, wenn Ihre Kellertür ständig offen steht. Über den offenen Kellerabgang gelangt dauernd Warmluft durch die Haustür bzw. das Treppenhaus nach unten.

Lüften Sie niemals bei einer Außentemperatur ab 20 °C Ihre Kellerräume. Achten Sie auch darauf, dass es Ihr Mieter nicht tut!

Mit diesem Musterbrief schützen Sie Ihr Eigentum

Oftmals meint es Ihr Mieter ja nur gut, aber in Wirklichkeit schadet er mit seinem „Sommerlüften" Ihrem Keller mehr als dass er ihm etwas Gutes tut.

Da viele Mieter dies jedoch nicht wissen, sollten Sie in der Sommerzeit am besten ein „kleines Erinnerungsschreiben" am Schwarzen Brett anbringen oder jedem Mieter ein solches Schreiben in den Hausbriefkasten werfen.

Lüften im Keller? Am besten nur in den Übergangszeiten

Der Keller benötigt keine Frischluft, höchstens in den frühen Morgenstunden, wenn es richtig abgekühlt ist.

Dagegen dürfen Sie in den Übergangszeiten (Frühling und Herbst) großzügiger lüften. Das gilt so lange, bis das Außenthermometer auf unter 5 °C rutscht.

Kommentare (2)

31.8.2013, 16:24 Uhr von wbecks Profil ansehen
Zu diesem Thema wurde viel Wahres geschrieben, aber leider die einfache Physik außer Acht gelassen. Warme Aussenluft (leicht) wird freiwillig nicht in den kalten Keller "hinabsteigen" um die dort befindliche kalte Luft (schwer) zu vertreiben! Es kann ohne zusätzliche Energie (Wind o. elektr. Ventilatoren) kein nennenswerter Luftaustausch und Feuchtigkeitentrag stattfinden.
Das ist nur richtig, wenn wir die Druckunterschiede, welche eine Strömung antreiben, bedingt durch Luftströmungen, erzeugt durch Wind oder durch Höhenunterschiede, außer Acht lassen. Luftströmungen am Außengebäude erzeugen z.B. statische Druckunterschiede in den Räumen, welche zu Luftströmung im Gebäude führen. Zu dem können auch Höhenunterschiede (Kamineffekt) z.B. bei geöffneten Kellerzugangstüren zum Luftaustausch beitragen. Ganz einfach gesagt, es zieht. Wenn Sie bei Außenwinden ihre Fenster in der Wohnung öffnen, werden Sie schon allein durch das Zuschlagen der Türen feststellen, dass ein Luftaustausch stattfindet.
28.8.2013, 13:23 Uhr von nachtflug Profil ansehen
Ich stimme mit der Aussage Ihres Artikels überein, dass es gerade bei vermieteten Immobilien klare/einfache Verhaltensregeln geben sollte, die das Lüften des Kellers betreffen und Schäden durch Feuchtigkeit/Schimmel vorbeugen. Der Keller ist aber leider ein "komplexes Bauteil des Hauses", das sich nicht immer mit "einfachen Maßnahmen" handhaben lässt: Wenn man einen Keller mit einem latenten Feuchtigkeitsproblem hat oder man eine Immobilie selbst nutzt (und sich etwas mehr Gedanken bei der Nutzung macht als manche Mieter), dann sind stark vereinfachende bzw. pauschale Tipps wie "niemals bei einer Außentemperatur ab 20 °C" lüften nicht hilfreich: 1. "Warme Außenluft enthält sehr viel Feuchtigkeit" ist nicht immer richtig: Warme Außenluft *KANN* sehr viel Feuchtigkeit enthalten. Sie kann aber auch viel Feuchtigkeit aufnehmen! Heiße, trockene Außenluft ist perfekt, um feuchte Keller zu trocknen! 2. Die Entscheidung ob gelüftet werden soll oder nicht, sollte nicht alleine vom Blick auf das Thermometer abhängig gemacht werden: Wichtig ist ein Vergleich der absoluten Luftfeuchtigkeit (-> dem "Taupunkt" der Luft) im Keller und Außen. Ist der Taupunkt außen niedriger als im Keller, dann kann gelüftet werden. Wetterstationen für 20+ Euro zeigen neben der Temperatur auch den Taupunkt der Luft. Wenn man sich den Kauf einer Wetterstation sparen möchte, kann man den Taupunkt der Außenluft auch anhand der Höhe Wolkenuntergrenze abschätzen: Gibt es eine hohe Wolkenuntergrenze oder gar keine Wolken, dann ist der Taupunkt draußen niedrig und Kondensation der Außenluft im Keller nahezu ausgeschlossen (=> Fenster auf!). Zum Tipp "Am besten nur in den Übergangszeiten Lüften": Die Luft im Keller reichert sich mit der Zeit mit Umweltgiften / Luftschadstoffen an, die z.T. nichts mit Feuchtigkeit zu tun haben aber langfristig eine große Gesundheitsgefahr sind. Auswahl "populärer" Schadstoffe, die es in den meisten Kellern gibt: - Formaldehyd aus z.B. Sperrholzplatten und geleimten Holz: http://www.wohnen-sie-gesund.de/schadstoffe-abc/f/formaldehyd/ - Schimmelpilzsporen - Radon: http://www.gesund-leben.aeroinvent.de/gesundheitsgefahr_durch_radon.html - Flüchtige organische Verbindungen (VOC) http://www.umweltbundesamt.de/gesundheit/stoffe/voc.htm Leider bleiden diese Schadstoffe nicht im Keller, sondern verteilen sich über die Luft im ganzen Haus. Ein Keller sollte deshalb regelmäßig gelüftet werden, egal zu welcher Jahreszeit.
Die Zusammenhänge sind leider nicht vollständig dargestellt. Wenn die heiße Außenluft in den Keller strömt, dann kühlt sie sich ab. Dann nimmt die relative Feuchte in der eingeströmten Luft zu und die Taupunkttemperatur steigt an. Dabei kann sich eine Taupunkttemperatur über die die sich eingestellende Mischtemperatur der Kellerluft mit der eingeströmten Luft ergeben. Dann kondensiert Wasser aus. Auch sollte man noch berücksichtigen, dass besonders an den kalten Kellerwänden dieser Zustand schnell erreicht wird. Eine sichere Aussage, ob mit der heißen Außenluft gelüftet werden darf, kann man nur machen, wenn man folgende Parameter kennt. Trockentemperatur innen und außen, Feuchtkugeltemperatur innen und außen, alternativ zur Feutkugeltemperatur die relative Luftfeuchtigkeit innen und außen. Dann kann man z.B. mit der Sprungschen Formel berechnen, ob die einströmende Luft Wasser auskondensiert oder ob sich eine Taupunkttemperatur über der sich eingestellten Mischtemperatur im Keller einstellt und man dann lüften darf. Kann man diese Rechnung nicht durchführen, so sollte man sich an den Rat vor Frau Schnurr halten, nur lüften, wenn die Temperatur draußen niedriger ist, als im Keller. Dann ist sichergestellt, dass die relative Feuchte der eingeströmten Luft nicht zunimmt.
Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber
Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber

Es schreibt für Sie

Heidi Schnurr arbeitet als Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Mietrecht für Vermieter. Ihre Praxis-Tipps speziell für Vermieter finden sich in zahlreichen Fachpublikationen, Loseblattwerken, Büchern und ...
Heidi Schnurr
Topstory: Ist der Schimmel erst einmal da, leidet darunter Ihre Gesundheit - oder die Ihres Mieters! Es gibt viele Ursachen für Schimmel - und je nachdem kann ihre Beseitigung entsprechend teuer werden.
News: Schimmel in der Wohnung ist für Vermieter und Mieter gleichermaßen ein Ärgernis. Die Sporen gefährden die Gesundheit und sind ein sicheres Zeichen dafür, dass in den Räumen zu viel Feuchtigkeit besteht. Beseitigung ist Pflicht - und sollte von Fachbetrieben übernommen werden.
News: Immer häufiger kommt es zu Schimmelpilzbefall in der eigenen Wohnung oder im Haus. Diesen möchte man natürlich rasch wieder loswerden und greift zu chemischen Desinfektionsmitteln. Das Umweltbundesamt (UBA) warnt vor dieser Methode.

 meineimmobilie.de-Tipp

Ein offenes Kellerfenster im Sommer gefährdet beim Einbruch nicht nur Ihren Versicherungsschutz, sondern Sie riskieren auch noch einen Schimmelbefall im Keller.

 

Da das vielen Mietern nicht bewusst ist, sollten Sie diese nochmals eindringlich darauf hinweisen, dass ein Lüften des Kellers im Sommer den gewünschten Effekt eher ins Gegenteil verkehrt. Entweder mit einem extra Schreiben oder aber zumindest per Aushang am Schwarzen Brett!