Mittwoch, 01.02.2017 | Autor: Jörg Stroisch, Foto: © styleuneed - Fotolia.com

Zweitwohnungssteuer: Wer muss sie zahlen?

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Worum geht´s

Wer eine Zweitwohnungssteuer zahlen muss.

Die Zweitwohnungssteuer ist für Kommunen ein willkommener Anlass, ihr Haushaltsbudget aufzustocken. Zwischen 5 und 16 Prozent muss der Hausbewohner dafür abzwacken.

 

Klassischerweise betrifft Sie diese Steuer, wenn Sie eine Ferienwohnung besitzen. Oder wenn Sie aus beruflichen Gründen eine Zweitwohnung in einer anderen Gemeinde beziehen. Dann bittet Sie die Gemeinde meist, aber nicht immer wegen der Zweitwohnungssteuer zur Kasse. 

Die Zweitwohnungssteuer ist eine reine Kommunalsteuer und wird von einigen Gemeinden nach deren jeweiligen Satzungen erhoben. Darüber informieren die Experten der ARAG in einer Pressemitteilung zur Zweitwohnungssteuer.

Wer erhebt die Zweitwohnungssteuer?

Die Zweitwohnungssteuer ist in Deutschland eine sogenannte kommunale Aufwandsteuer. Sie wird von der Stadt bzw. von der Gemeinde erhoben und betrifft alle Personen, die im jeweiligen Ort eine Zweitwohnung bewohnen.

Sie ist laut Grundgesetz rechtmäßig, da die Länder laut Gesetz „örtliche Verbrauch- und Aufwandsteuern“ erheben dürfen. Diese Gesetzgebungskompetenz wurde in den Bundesländern auf die Gemeinden übertragen.

Wer die Zweitwohnungssteuer zahlen muss

Mit der Zweitwohnungssteuer soll derjenige belastet werden, der sich den Aufwand leisten kann, gleich zwei Wohnungen für den persönlichen Lebensbedarf oder den seiner Familie zu halten.

Die Zweitwohnungssteuer trifft vor allem Ferienwohnungsbesitzer.

Für Studenten/Pendler gilt: Obwohl diese pendeln müssen, dürfen die Gemeinden gegenüber Studenten und Pendlern eine Zweitwohnungssteuer erheben – jedenfalls sofern sie Singles sind.

Was für Eheleute und eingetragene Lebenspartnerschaften gilt

Eheleute, die aus beruflichen Gründen eine Zweitwohnung unterhalten und deren eheliche Wohnung sich in einer anderen Gemeinde befindet, sind allerdings nach einem Beschluss des Bundesverfassungsgerichts von der Zweitwohnungssteuer ausgenommen (BVerfG, 1 BvR 1232/00; 2627/03). Dies gilt auch für die Partner einer eingetragenen Lebenspartnerschaft.

Wie Sie die Zweitwohnungssteuer als Werbungskosten absetzen können

Einen Trost gibt es aber, so die ARAG-Experten: So können die Steuern für die beruflich bedingte Zweitwohnung zumindest als Werbungskosten von der Einkommenssteuer abgesetzt werden. Und auch Studenten kommen in den Genuss eines Steuervorteils: Sie können einen Verlustvortrag beantragen. Das ist eine Einkommenssteuererklärung mit negativem Einkommen; sie reduziert die Steuer, wenn irgendwann einmal Einkommen fließt.

Die Zweitwohnungssteuer beträgt zwischen 5 und 16 Prozent

Zunächst: Nicht in jeder Kommune wird die Zweitwohnungssteuer tatsächlich erhoben. Wenn sie erhoben wird, so ist meistens die Jahresrohmiete (Kaltmiete inklusiver bestimmter kalter Betriebskosten) oder die Wohnfläche Berechnungsgrundlage, informiert die ARAG.

Und da kann es dann wieder große Unterschiede geben. Der Steuersatz liege zwischen fünf Prozent in Berlin und 16 Prozent in Erfurt. In der Regel betrage er zehn Prozent, so die ARAG.  

Kommentare (2)

3.2.2017, 12:09 Uhr von JKeitel Profil ansehen
Zweitwohnungsteuer ist Beutelschneiderei. Die Kommunen gehen hier gegen einen Personenkreis vor der sich bei der nächsten Wahl nicht dafür "bedanken" kann, denn der überwiegende Teil der Zweitwohnungsteuerpflichtigen ist in der veranlagenden Gemeinde nicht wahlberechtigt. Es wird auch immer der Eindruck erweckt, dass die Steuerpflichtigen nur die Vorteile nutzen und zusätzliche Kosten verursachen. Dies ist nicht richtig. Es ist Polemik von Politikern die ihren Haushalt nicht in den Griff bekommen, denn auch die Zweitwohnungsteuer wird deren Misere nicht abhelfen. Man geht hier den Weg des geringsten Widerstands. Bei einigen Kommunen die Zweitwohnungsteuer erheben geht die Fremdenfeindlichkeit so weit, dass man dort die möglichen Zweitwohnungsteuerpflichtigen die in der eigenen Gemeinde wohnen von der Steuerpflicht ausnimmt. Jeder zweitwohnungsteuerpflichtige Eigentümer zahlt sämtliche anfallenden Gemeindeabgaben, wie Grundsteuer, Straßengebühren, Müllabfuhr, Regenwassergebühren, anfallende Anliegerumlagen usw. und soweit erhoben zusätzlich die Kurabgabe, so wie jeder ortsansässige Steuerpflichtige. Darüber hinaus investiert er noch manchen Euro in der Gemeinde. Nur der Zweitwohnungsteuerpflichtige zahlt zusätzlich die Zweitwohnungsteuer. Doppelbesteuerung dafür, dass für die besteuerte Wohnung aus gutem Grund kein Erstwohnsitz angemeldet wurde. Es ist eben doch eine Reichen- und Neidsteuer, erhoben auch unter dem Vorwand einen Erstwohnsitz erreichen zu wollen, den man der Nachbargemeinde gerne abjagt. Anschließend jammert man dann gemeinsam über fehlende Mittel. Zweitwohnungsbesitzer werden ausgegrenzt, diskriminiert und ungleich behandelt. Zweitwohnungsteuer ist Enteignung und Fremdenfeindlichkeit und Steuererhebung nach Gutsherrenart, erhoben von neidischen Kommunalpolitikern mit populistischem Gedankengut.
1.2.2017, 16:09 Uhr von Hynnen Profil ansehen
Wenn ein Eigentümer gegenüber der Gemeinde bzw. Behörde den Nachweis erbringen kann, dass er im laufe eines Jahres für einen bestimmten Zeitraum die Immobilie nicht bewohnt hat, so kann er von der Zweitwohnungssteuer für diesen Zeitraum befreit werden. Zum Nachweis genügen z.B. Wasserabrechnung, Stromabrechungen etc.
Foto: Sebastian Fery / Haufe
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Jörg Stroisch arbeitet als selbstständiger und freier Journalist. Seine Themenschwerpunkte sind informative Ratgeberartikel rund um die privaten Finanzen, insbesondere über die Themengebiete Immobilien, Vorsorge ...
Jörg Stroisch
Kann es wahr sein? Manche Kommunen erheben sogar auf Gartenhäuschen Zweitwohnungssteuer. Ganz schön dreist. Da stellt sich die Frage, ob sie das überhaupt dürfen. Dazu hat sich aktuell das Oberverwaltungsgericht Greifswald geäußert. 
Wer nicht nur eine Hauptwohnung bewohnt, sondern daneben noch eine weitere Wohnung bewohnt, der muss damit rechnen, dass er eine Zweitwohnungssteuer zahlen muss.   Viele Städte und Gemeinden erheben eine solche Zweitwohnungssteuer, um das "Gemeindesäckel" zu füllen - und das mit Erfolg, denn schon im Jahr 2007 betrugen die Einnahmen aus der Zweitwohnungssteuer bundesweit rund 91,8 Mio. Euro.    

 meineimmobilie.de-Tipp

Steuergegenstand ist das Innehaben einer Zweitwohnung. Der steuerliche Tatbestand kann aber in den Satzungen der Gemeinden sehr unterschiedlich geregelt sein, so die ARAG-Experten. Deshalb macht es für Sie auf jeden Fall Sinn, sich die Satzung Ihrer Zweitwohnungs-Kommune mal etwas genauer anzuschauen.

 

Übrigens: Es spielt keine Rolle, ob Sie die Wohnung gemietet oder gekauft haben.