Dienstag, 22.07.2014 | Autor: Judith Engst, Foto: © archideaphoto - Fotolia.com

Zweitwohnung in gleicher Stadt: Was das Finanzamt dazu sagt

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Worum geht´s

• Zweitwohnung
• doppelte Haushaltsführung
• Absetzbarkeit
• Finanzgericht Hamburg

Mit einer Zweitwohnung Steuern sparen: Ja, das wäre eine tolle Sache! "Doppelte Haushaltsführung" heißt das beim Finanzamt.

Eine Zweitwohnung können Sie immer dann von der Steuer absetzen, wenn sie erheblich näher am Arbeitsort liegt als Ihr aktuelles Familienheim. Dann können Sie die Kosten für die notwendige doppelte Haushaltsführung als Werbungskosten von der Steuer abziehen.

Geht das auch, wenn sich die Zweitwohnung in der gleichen Stadt befindet?

Grundsätzlich sei dies möglich, urteilte in der Vergangenheit dazu der Bundesfinanzhof. Auf die politischen Grenzen einer Stadt oder Kommune komme es bei der Beurteilung einer Zweitwohnung nicht an.

Das Finanzgericht Hamburg legt dafür allerdings strenge Maßstäbe an.

Es kommt auf die Zumutbarkeit und nicht auf die Zeitersparnis an

Dabei, ob Sie die Zweitwohnung von der Steuer absetzen dürfen, geht es nicht allein um die Zeitersparnis bei der Anfahrt zur Arbeit, so aktuell die Richter des Finanzgerichts Hamburg (26.02.2014, 1 K 234/12). Entscheidend sei vielmehr, ob der Weg zwischen Familienheim und Arbeitsplatz zumutbar sei oder nicht.

Oder einfacher ausgedrückt: Es kommt nicht auf die Kilometer, sondern auf die Zeit an, die Sie unterwegs sind!

Nur wenn dieser Weg unzumutbar sei, könnten die Kosten für die Zweitwohnung via „doppelte Haushaltsführung“ abgesetzt werden.

41 Minuten Fahrzeit sind zumutbar

Im entschiedenen Fall war das Familienheim des Klägers am einen Ende Hamburgs gelegen, die Zweitwohnung rund 25 Kilometer entfernt am anderen Ende.

Insgesamt fast 11.000 EUR für Zweitwohnung und Heimfahrten wollte er daher geltend machen. Vom Familienheim zum Arbeitsplatz brauchte der Kläger 41 Minuten, von der Zweitwohnung zum Arbeitsplatz 9 Minuten.

Erst ab 1 Stunde Fahrtzeit in einer Großstadt wird´s unzumutbar

Die Zeitersparnis von einer guten halben Stunde genügte den Richtern allerdings nicht. Sie urteilten: Auch ein Arbeitsweg von einer knappen Stunde sei in der Großstadt zumutbar.

Deshalb gaben sie dem Finanzamt Recht. Der Kläger durfte die Kosten für doppelte Haushaltsführung nicht als Werbungskosten geltend machen.
 

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Wer berufshalber entfernt von Ehefrau und Familie wohnt, wird steuerlich begünstigt. Die Mietkosten für die Zweitwohnung darf er im Rahmen der doppelten Haushaltsführung absetzen. Aber gilt das auch, wenn jemand zur Geliebten zieht? Oder in eine WG? Dazu hat sich der Bundesfinanzhof in einem aktuellen Urteil geäußert.
Kann es wahr sein? Manche Kommunen erheben sogar auf Gartenhäuschen Zweitwohnungsteuer. Ganz schön dreist. Da stellt sich die Frage, ob sie das überhaupt dürfen. Dazu hat sich aktuell das Oberverwaltungsgericht Greifswald geäußert. 

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Als „Beschäftigungsort“ zählt nicht die politische Gemeinde

Auch wenn dieses Urteil zu Ungunsten des Steuerzahlers ausging, gibt es doch auch gute Nachrichten: Bei der Frage nach einer doppelten Haushaltsführung kommt es nicht auf die politischen Grenzen einer Stadt oder großflächigen Gemeinde an.

 

Deshalb ist es zumindest denkbar, dass Erst- und Zweitwohnung in ein und derselben Stadt liegen - und dennoch die Zweitwohnungskosten als doppelte Haushaltsführung steuerlich absetzbar sind.

 

Konkret möglich ist dies immer dann, wenn sie von der Erstwohnung aus unzumutbar viel Zeit bräuchten, um den Arbeitsort zu erreichen. Immerhin hat der BFH schon festgelegt: Ermöglicht ein Umzug in eine 141 Kilometer entfernte Zweitwohnung eine einstündige Fahrt mit dem ICE zum Arbeitsort, ist das Grund genug, doppelte Haushaltsführung anzuerkennen (BFH, 19.04.2012, AZ VI R 59/11).

 

Mit anderen Worten: Die Zweitwohnung ist im Rahmen doppelter Haushaltsführung absetzbar, wenn sie es möglich macht, den Arbeitsort täglich auf zumutbare Weise aufzusuchen. Ist der Arbeitsplatz jedoch auch von der Erstwohnung zumutbar erreichbar, ist für die Zweitwohnung keine doppelte Haushaltsführung absetzbar.

 

Berücksichtigen Sie das bei Ihrer Argumentation, dann fällt es Ihnen leichter, sich gegenüber dem Finanzamt durchzusetzen.