Freitag, 10.10.2014 | Autor: Judith Engst , Foto: Agentur: MEV

Wohnriester immer beliebter: Wie es funktioniert

Foto: Agentur: MEV
Worum geht´s

• Wohnriester
• Bausparvertrag
• Staatliche Förderung

Altersvorsorge mit staatlicher Förderung - das kennzeichnet Riester-Verträge. Wohnriester erfreut sich wachsender Beliebtheit: Rund 68.000 Neuabschlüsse gab es laut Bundesfinanzministerium bereits im ersten Halbjahr 2014. Aber wie funktioniert das eigentlich?

Was Wohnriester- und Bausparverträge gemeinsam haben

Die meisten Wohnriester-Verträge sind Bausparverträge. Dabei handelt es sich um eine Kombination aus klassischem Sparvertrag und einem zinsgünstigen Darlehen. Was heißt das?

Am Ende bekommen Sie Geld, Zinsen und ein Darlehen

In den Sparvertrag zahlen Sie regelmäßig Geld ein. Geld, das dann von der Bausparkasse verzinst wird. Aber erwarten Sie hier keine hohen Zinsen! Die Bausparkasse zahlt Ihnen meist deutlich weniger als eine ganz normale Geschäftsbank. Mehr als 0,25 bis 1 Prozent sind aktuell selten zu finden.

Allerdings sind die niedrigen Guthabenzinsen nur die halbe Wahrheit. Denn zum Bausparvertrag gehört auch noch ein zinsgünstiges Darlehen.

Das heißt: Wenn Sie die zu Vertragsbeginn festgelegte Sparsumme erreicht haben und Ihr Vertrag zuteilungsreif wird, erhalten Sie nicht nur das angesparte Geld zurück. Sondern Sie bekommen zusätzlich auch noch ein Darlehen ausgezahlt, dessen Zinsen meist niedriger sind als bei einem Bankkredit (derzeit ist das allerdings wegen der niedrigen Leitzinsen der EZB keineswegs immer so).

Wohnriester: Der Staat "schenkt" Ihnen jährlich 154 Euro

Der Staat zahlt Ihnen jährlich sogenannte Zulagen in Ihren Bausparvertrag ein. Die Grundzulage für jede riesterberechtigte Person beträgt maximal 154 Euro. Diese erhalten Sie, wenn Sie pro Jahr mindestens 4 Prozent ihres sozialversicherungspflichtigen Einkommens bzw. maximal 2.100 Euro in den Riester-Vertrag einzahlen.

Zusätzlich gibt es für jedes Kind die jährliche Kinderzulage von 185 Euro (bzw. 300 Euro für jedes ab 2008 geborene Kind).

Neben Zulagen gibt es auch noch einen Steuervorteil 

Außerdem ist noch ein steuerlicher Vorteil möglich, wenn Sie den Riester-Vertrag als Sonderausgaben in der Anlage AV zu Ihrer Einkommensteuererklärung geltend machen. Das wirkt sich vor allem bei Besserverdienenden aus!

Aber Achtung: Wohnriester-Verträge müssen auch versteuert werden, und zwar in der Rentenphase. Da es hier nicht, wie bei anderen Riester-Verträgen, zu einer Auszahlung kommt, gilt Folgendes: Einzahlungen und Förderung werden ihrer Höhe nach auf ein fiktives Wohnförderkonto gebucht.

Das wird jährlich mit 2 Prozent verzinst. Ab Rentenbeginn werden dann Steuern auf diese fiktive Summe erhoben – und das ist ziemlich undurchsichtig.

Geldnot: Rausnehmen statt Einzahlen ist theoretisch möglich

Der Staat erlaubt Ihnen, Geld aus Ihrem Wohnriester-Vertrag für den Kauf oder altersgerechten Umbau Ihres Eigenheims zu entnehmen. Das allerdings lassen die meisten Wohn-Riester-Bauspartarife nicht zu.

Lohnt sich Wohnriester? Was Sie wissen müssen

Bei riestergeförderten Bausparverträgen sollten Sie eher vorsichtig sein, denn die gelten auch als staatlich geförderte Wohnriester-Verträge. Das bedeutet:

Hohe Gebühren fressen oft die Guthabenzinsen auf

Die Gebühren der Bausparkassen sind hoch. 1 oder 1,6 Prozent der Bausparsumme müssen Sie in der Regel hinlegen. Und Achtung: Die Bausparsumme ist die Summe aus angestrebter Sparbetrag und Bauspardarlehen. Allein die Entgelte für die Bausparkasse fressen damit oft den gesamten Guthabenzins auf, den Sie für Ihre Wohnriester-Ersparnisse erhalten.

Vorsicht: Günstige Zinsen, aber hohe Anfangstilgung!

Das Bauspardarlehen mag zwar zinsgünstig sein. Aber Sie werden auch gezwungen, es besonders schnell zurückzuzahlen. Denn die anfängliche Tilgungsrate ist meistens mit 8 bis 10 Prozent der Darlehenssumme sehr, sehr hoch.

Das heißt: Häufig müssen Sie ausgerechnet das zinsgünstige Bauspardarlehen schneller zurückzahlen als den teureren Bankkredit, den Sie in der Regel zusätzlich brauchen.

Sie müssen das Geld versteuern - und das noch Jahre danach

Unattraktiv macht Wohnriester außerdem die Besteuerung. In der Rentenphase zahlen Sie Steuern auf die fiktive Summe auf Ihrem Wohnförderkonto, also auf Geld, das Sie längst in Ihre Immobilie gesteckt haben und das somit nicht mehr da ist. Das ist eine ziemlich undurchsichtige Sache.


 

Kommentare (1)

15.10.2014, 9:34 Uhr von Bernd Radel Profil ansehen
Leider fehlt hier eine wirklich differenzierte Betrachtungsweise der einzelnen, am Markt erhältlichen Bau-Spar-Finanzierungen. Ebenso der Hinweis darauf, dass nicht die aktuell geltenden Steuersätze des Geförderten zur Nachbesteuerung herangezogen werden, sondern dafür der dann bei Rentenbezug, abzgl. des Steuerfreibetrages, geltende Steuersatz maßgeblich ist. Und dass die zu erwartende Altersrente nicht dem zuletzt erreichten Einkommen, und damit auch nicht der zuletzt anfallenden Steuer, entsprich ist leider diesem Bericht auch nicht zu entnehmen. Schade, denn gerade weil das "Wohn-Riestern" in der Vergangenheit nicht wirklich gut kommuniziert wurde (und leider auch immer noch nicht wirklich wird) wäre eine objektivere Darstellung, incl. eines Rechenbeispiels anhand den Angaben einer "Durchschnittsfamilie" sinnvoller gewesen. Auch fehlt der Hinweis darauf, dass es Möglichkeiten gibt, einen Wohn-Riester-Bausparvertrag zu den derzeit aktuellen niedrigen Marktkonditionen vorzufinanzieren und diese Vorfinanzierung dann bei Zuteilung des Wohn-Riester-Bausparvertrages zu z.B. heute schon garantierten Zinsen in Höhe von 1,5 % abzulösen. Auch dass eine konstante Rate über die gesamte Laufzeit der Finanzierung möglich ist wird nicht erwähnt. Wie gesagt; schade ! Bernd Radel
Foto: Judith Engst / Redaktion meineimmobilie.de
Foto: Judith Engst / Redaktion meineimmobilie.de

Es schreibt für Sie

Judith Engst hat sich als Wirtschafts- und Finanzjournalistin auf die publizistische Beratung im Bereich Finanzen, Geldanlage, Recht und Steuern spezialisiert. Für sie sind Immobilien ein unentbehrlicher Baustein zur ...
Judith Engst
Ein Eigenheim mit staatlicher Zulage: Riester-Bausparen macht es möglich. Mit 154 Euro im Jahr unterstützt der Staat den Traum vom Eigenheim. Doch die Tarife der Bausparkassen unterscheiden sich. Informationen zu den Top-Tarifen mit der höchsten Förderung.
Das Jahr neigt sich dem Ende zu und 2014 wird es einige Änderungen für Immobilienbesitzer geben. Riester-Sparer können im neuen Jahr ihr angespartes Guthaben für die Entschuldung ihrer Immobilie verwenden, was bei der derzeitigen mageren Rendite der Riester Verträge durchaus attraktiver sei.
Sie wissen: Als Arbeitnehmer oder Beamter haben Sie Anspruch auf eine Riesterförderung. Also beispielsweise einen staatlichen Zuschuss zu Ihrem Hypothekendarlehen oder einem Bausparvertrag („Wohn-Riester“). Beamte sollten allerdings aufpassen. Denn, wer der Übermittlung seiner Gehaltsinfos an die Deutsche Rentenversicherung nicht zustimmt, geht leer aus.

 meineimmobilie.de-Tipp

Verzichten Sie lieber auf Bausparverträge. Setzen Sie stattdessen auf einen Riester-Banksparplan oder –Fondssparplan.

 

Sie haben – dank neuer Gesetzgebung – dann immer noch die Möglichkeit, Geld für Ihr Eigenheim (Kauf oder barrierefreier Umbau) daraus zu entnehmen. Das ist deutlich attraktiver!