Freitag, 22.08.2014 | Autor: Judith Engst , Foto: © Dan Race - Fotolia.com

Wohnrecht geerbt: Wann Erbschaftsteuer fällig wird

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Worum geht´s

• Nießbrauch/Wohnrecht
• Familienheim
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• Bundesfinanzhof

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Der Erblasser hatte es doch nur gut gemeint: Die Kinder sollten das Häuschen erben, aber seine Ehefrau sollte zeitlebens darin wohnen bleiben dürfen. Am Ende kam alles ein bisschen anders, denn der Erblasser hatte seine Rechnung leider ohne das Finanzamt gemacht! 

 

Was Sie wissen müssen: Wer als Ehepartner, Kind oder Enkel eine Immobilie erbt und darin wohnt, muss keine Erbschaftsteuer zahlen.

Was aber gilt, wenn nur ein Wohnrecht vererbt wird: Wird dann auch keine Erbschaftsteuer fällig? Darüber hat der Bundesfinanzhof entschieden.

Ja, erben ist kann kompliziert sein. Nicht nur zwischenmenschlich, sondern auch rechtlich. Gerade musste sich der BFH wieder um 3 Erben kümmern: Die beiden Kinder des Erblassers erhielten die Immobilie, die Ehefrau lediglich ein lebenslanges Wohnrecht in eben dieser Immobilie.

Wohnrecht: Finanzamt verlangte Erbschaftsteuer

Die Ehefrau erhielt Post vom Finanzamt. Das bat sie zur Kasse, da ein vererbtes Wohn- beziehungsweise Nießbrauchsrecht nicht steuerfrei sei. Denn laut Erbschafts- und Schenkungsteuergesetz bleibt nur vererbtes Wohneigentum steuerfrei (§ 13 Abs. 1 Nr. 4b ErbStG).

Diese Wortklauberei wollte die Ehefrau des Verstorbenen nicht akzeptieren. Nach erfolglosem Einspruch gegen den Erbschaftsteuerbescheid erhob sie Klage und zog mit ihrem Anliegen bis vor den Bundesfinanzhof. Leider erfolglos!

Die Richter bestätigten die Entscheidung des Finanzamts und deswegen musste die Ehefrau nun Erbschaftsteuer zahlen (BFH, 03.06.2014, Az. II R 45/12).

BFH: Nur (Mit-)Eigentum ist steuerfrei

Ein Wohnrecht ist nicht steuerfrei wie Wohneigentum beziehungsweise Miteigentum, stellten die Richter klar. Der Wortlaut des Gesetzes lasse hier keine andere Interpretation zu.

Für die klagende Ehefrau war das eine bittere Erkenntnis: Ihr Ehemann hatte in seinem Testament ausgerechnet eine Gestaltung gewählt, die sich steuerlich als die für sie ungünstigste Variante herausstellte!

Kommentare (1)

27.8.2014, 20:57 Uhr von renate eckert Profil ansehen
Das gilt doch aber nicht, wenn man folgende Regelung vorher tätigt? Man überschreibt zu Lebzeiten das Haus den Kindern und vermerkt dann, dass der Ehepartner lebenslanges Wohnrecht hat! So umgeht man doch der Erbschaftssteuer! Oder täusche ich mich da?
Foto: Judith Engst / Redaktion meineimmobilie.de
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Es schreibt für Sie

Judith Engst hat sich als Wirtschafts- und Finanzjournalistin auf die publizistische Beratung im Bereich Finanzen, Geldanlage, Recht und Steuern spezialisiert. Für sie sind Immobilien ein unentbehrlicher Baustein zur ...
Judith Engst
Sie wissen wahrscheinlich: Wer ein Grundstück nach dessen Erwerb verkauft, sollte dies erst nach Ablauf von zehn Jahren tun. Sonst muss der Gewinn mit dem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert werden ("Spekulationssteuer"). "Was aber zählt als 'Erwerb'", fragte uns ein Leser? "Gehören Erbschaften und Schenkungen auch dazu?"
Die Immobilie an die Kinder vererben und der Freundin ein lebenslanges Wohnrecht einräumen. Das kommt in der Praxis häufig vor.   Doch Achtung: Ein solches Wohnrecht ist keineswegs steuerfrei. Das Finanzamt schlägt gnadenlos zu – gerade da, wo Sie es nicht erwarten.
Ein Nießbrauchs- oder Wohnrecht räumen viele Eheleute ihrem Partner lebenslang ein. Entweder als Schenkung zu Lebzeiten. Oder, noch verbreiteter, als Nachlass im Rahmen ihres Testaments.   Rechtlich eine kluge Lösung: Dann können die erbenden Kinder den Partner nicht einfach aus dem Haus vertreiben. Steuerlich dagegen in den meisten Fällen keine so gute Idee, denn oft wird Erbschaftsteuer fällig!    

 meineimmobilie.de-Tipp

Wie Sie Wohneigentum steuerfrei vererben

Steuerfrei bleibt das ererbte Eigentum oder Miteigentum an einer Immobilie, die Sie als Erbe selbst bewohnen. Das gilt allerdings nur für den Ehepartner, die Kinder oder Enkel des Erblassers und nicht für andere Personen.


Wichtig: Der Erblasser muss vorher selbst in dem vererbten Haus gewohnt haben und zwar dauerhaft. Eine Nutzung nur als Ferienimmobilie reicht nicht. Und auch die Erben müssen dauerhaft in diese Immobilie einziehen, also unverzüglich und für mindestens 10 Jahre.

 

Bei Kindern gilt außerdem eine Beschränkung der Wohnfläche auf 200 Quadratmeter, beim Ehepartner ist die Wohnfläche nicht beschränkt.

 

Vererben Sie kein Wohnrecht, sondern (Mit-)Eigentum

Das BFH-Urteil zeigt ganz klar: Das Eigentum oder Miteigentum der betreffenden Immobilie muss auf den Erben übergehen, um Steuerfreiheit zu erlangen. Ein bloßes Wohnrecht genügt nicht. Übersteigt dessen Wert (gesparte Miete) zusammen mit dem restlichen Erbe die persönlichen Freibeträge, dann wird für den Wohnrechtsinhaber Erbschaftsteuer fällig.