Freitag, 21.12.2012 | Autor: Judith Engst , Foto: MEV Verlag GmbH, Germany

Werbungskosten absetzbar bei Widerruf der Selbstnutzungsabsicht

Foto: MEV Verlag GmbH, Germany
Worum geht´s
  • Renovierung Mehrfamilienhaus
  • Werbungskostenabzug
  • Widerruf einer beabsichtigten Selbstnutzung
Stichworte zu diesem Thema

Stellen Sie sich vor, Sie lassen Ihr Mehrfamilienhaus renovieren. Die oberen zwei Wohnungen wollen Sie später selbst beziehen. Folglich setzen Sie nur die Werbungskosten für die übrigen, fremdvermieteten Wohnungen ab. Später überlegen Sie es sich anders und ziehen doch nicht ein. Dürfen Sie nun die Werbungskosten für die Dachgeschosswohnungen absetzen? Ein solcher Fall wurde jüngst vom Finanzgericht Köln entschieden.

Der Fall: Eine Hauseigentümerin hatte umfangreiche Bauarbeiten an Ihrem Mehrfamilienhaus vornehmen lassen. Da sie vorhatte, die Penthousewohnung (zwei Wohneinheiten) selbst zu beziehen, machte sie die Werbungskosten für die Bauarbeiten 2008 nur anteilig geltend, nämlich zu dem Teil, der auf die fremdvermieteten Wohnungen entfiel. Die Renovierungskosten für die Penthousewohnungen setzte sie nicht von der Steuer ab und teilte dem Finanzamt mit, sie wolle das Dachgeschoss selbst nutzen.

Das Finanzamt akzeptierte diese Aufteilung unter dem Vorbehalt der Nachprüfung. Im Mai 2010 teilte die Hauseigentümerin dem Finanzamt mit, sie habe es sich doch anders überlegt und sei nicht in die Penthousewohnung eingezogen. Sie beantragte, die Werbungskosten auch für diese Wohnungen absetzen zu dürfen, aber das Finanzamt lehnte dies ab, weil ursprünglich keine Vermietungsabsicht bestanden habe.

So geht das nicht, urteilten die Richter des Finanzgerichts Köln (14.11.2012, Az.: 4 V 2408/12). Die Selbstnutzungsabsicht sei offensichtlich nur vorläufig gewesen. Sie habe sie aber rechtzeitig vor Fertigstellung der Dachgeschosswohnung aufgegeben. Weil sich dadurch die Vermietung der Wohnung nicht verzögert habe, habe das Finanzamt auch kein Recht, den Werbungskostenabzug zu versagen. In Frage komme das nur, wenn sich der Einzug von Mietern durch die Absicht, die betreffende Wohnung selbst zu nutzen, erheblich verzögert hätte.

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 meineimmobilie.de-Tipp

Selbst nutzen oder vermieten? Um Ärger mit dem Finanzamt zu vermeiden, sollten Sie die Entscheidung darüber zügig fällen. Falls Ihnen das nicht gelingt, ist es dringend erforderlich, den Steuerbescheid aus dem Jahr, in dem die Umbau- oder Renovierungskosten anfallen, offen zu halten. Das können Sie tun, indem Sie Einspruch einlegen. Im hier geschilderten Fall genügte der Nachprüfungsvorbehalt der Finanzverwaltung, um zu verhindern, dass der Bescheid rechtskräftig und damit unabänderbar wurde.