Freitag, 05.12.2014 | Autor: Judith Engst, Foto: © Eiskönig - Fotolia.com

Weihnachtsessen mit dem Mieter: Ist das steuerlich absetzbar?

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Worum geht´s

• Bewirtungskosten
• Einladung der Mieter
• steuerliche Absetzbarkeit

Stichworte zu diesem Thema

Eigentlich eine gute Idee: Sie laden den Mieter zum Jahresende zu einem Weihnachtsessen ins Restaurant ein, damit Ihr bisher gutes Mietverhältnis noch ein bisschen gefestigt wird. Ihr Mieter freut sich, Sie freuen sich, nur das Finanzamt freut sich vielleicht nicht unbedingt.  

„Sind die Kosten dafür steuerlich absetzbar?“, wollte deshalb ein Leser wissen.

Prinzipiell können Sie als Vermieter auch Bewirtungskosten als „sonstige Werbungskosten“ in der Anlage V geltend machen. Damit können Sie immerhin 70 Prozent des Rechnungsbetrags steuerlich absetzen.

Wer als Vermieter umsatzsteuerpflichtig ist, kann sogar die volle Vorsteuer aus der Restaurantrechnung geltend machen. Allerdings gelten für die Absetzbarkeit strikte Vorschriften.

Bewirtungskosten: Der Anlass muss geschäftlich sein

Restaurantrechnungen sind nur absetzbar, wenn der Anlass geschäftlich ist. Und hier hapert es bei den meisten Weihnachtsessen mit Mietern, zumindest bei strenger Prüfung durch das Finanzamt.

Denn eigentlich ist ein Weihnachtsessen ein privater Anlass - anders etwa als ein richtiges Geschäftsessen, bei dem beispielsweise zusammen mit dem Makler und dem Mietinteressenten die Ausgestaltung des Mietvertrags besprochen wird. 

Es gibt aber durchaus Finanzämter, die auch ein Weihnachtsessen mit Mietern ohne Beanstandung anerkennen.

Bewirtungskosten: Halten Sie diese Formvorschriften ein

Reichen Sie einfach nur die Restaurantquittung zusammen mit der Steuererklärung ein, genügt das dem Finanzamt jedoch noch nicht. Ihr Bewirtungsbeleg muss ganz bestimmte Formvorschriften erfüllen, um steuerlich absetzbar zu sein. Konkret heißt das:

  • Ort, Datum und Höhe der Bewirtungskosten müssen daraus hervorgehen.
  • Die Namen aller Teilnehmer müssen eingetragen werden, auch Ihr eigener Name darf dabei nicht fehlen.
  • Der Anlass der Bewirtung muss genannt sein.
  • Sie müssen den Beleg eigenhändig unterschrieben haben.
  • Die Aufwendungen müssen üblich und angemessen sein.

Bei Aufwendungen über 150 Euro muss außerdem die Anschrift und Steuernummer der Gaststätte genannt sein. Wenn Sie sie selbst handschriftlich ergänzen, lassen Sie sich die Angabe mit einem Stempel des Restaurants bestätigen, um auf der sicheren Seite zu sein.

Beispiel:

Angenommen, Sie laden das nette Mieterehepaar zu einem Essen ein. Insgesamt zahlen Sie für drei Menüs und die Getränke zusammen 120 Euro.

70 Prozent davon, also 84 Euro sind steuerlich absetzbar. Bei einem persönlichen Einkommensteuersatz von beispielsweise 35 Prozent beträgt die Steuerersparnis somit 29,40 Euro.

Noch höher fällt die Steuerersparnis bei umsatzsteuerpflichtigen Vermietern aus. Die in der Restaurantrechnung enthaltene Umsatzsteuer darf in vollem Umfang als Vorsteuer geltend gemacht werden - sie verringert also die Umsatzsteuer, die der Vermieter ans Finanzamt abführen muss.

Die Ersparnis allein dadurch beläuft sich auf 19,16 Euro. Von den übrigen 100,84 Euro sind 70 Prozent absetzbar und damit 70,58 Euro. Bei einem persönlichen Steuersatz von 35 Prozent beläuft sich die Ersparnis bei der Einkommensteuer somit auf 24,70 Euro. Zusammen mit der Umsatzsteuer lassen sich somit 43,86 Euro an Steuern sparen.
 

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Foto: Judith Engst / Redaktion meineimmobilie.de
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Judith Engst hat sich als Wirtschafts- und Finanzjournalistin auf die publizistische Beratung im Bereich Finanzen, Geldanlage, Recht und Steuern spezialisiert. Für sie sind Immobilien ein unentbehrlicher Baustein zur ...
Judith Engst
"Geburtstag, Geschäftsjubiläum und Weihnachten. Zu diesen drei Anlässen habe ich meinem Mieter je ein Geschenk gemacht. Kann ich das absetzen? Und wenn ja, was muss ich dabei beachten?" Die Antwort auf diese Leserfrage ist sicher auch für Sie interessant.

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Bewirtungskosten absetzen: Einen Versuch ist es wert

Wird der Fiskus ein Weihnachtsessen als geschäftlichen Anlass akzeptieren? Das kommt ganz auf Ihr Finanzamt an. Es gibt großzügige Steuerbehörden, die die geltend gemachten Bewirtungskosten akzeptieren, und weniger großzügige, die sie ablehnen werden.
 

Sie sollten es aber zumindest versuchen. Das gilt auch für Esseneinladungen von Handwerkern, Dienstleistern oder dem Hausverwalter. Zumindest besteht die Chance, den Fiskus an den Kosten zu beteiligen. Und wenn das Finanzamt Ihnen diese Werbungskosten aus der Liste der absetzbaren Kosten streicht, dann haben Sie zumindest Klarheit für die nächsten Jahre.
 

Übrigens: Auf der sicheren Seite sind Sie mit einem Geschenk für Ihre Mieter und Geschäftspartner. Es ist auf jeden Fall absetzbar - vorausgesetzt, es kostet nicht mehr als 35 Euro. Mehr dazu erfahren Sie in der kommenden Woche.