Freitag, 14.11.2014 | Autor: Judith Engst, Foto: © styleuneed - Fotolia.com

Von wegen "zu hohe Miete": So viel kassiert der Fiskus!

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Worum geht´s

• Steuern und Abgaben
• Belastung der Mieten
• Fiskus kassiert ein Drittel

Nur allzu gerne singen die Politiker das Lied vom benachteiligten Mieter, der von seinem Vermieter angeblich ausgenommen wird wie eine Weihnachtsgans. Richtig ist: Bei der Miete kassiert auch noch das Finanzamt mit - und das nicht zu wenig!

 

Wieviel dem Vermieter von der Miete tatsächlich bleibt und wieviel der Fiskus kassiert, hat eine neue Studie des Verbändebündnisses Wohnen berechnet.

Das Pestel-Institut, ein kommerzielles Forschungsinstitut, nahm speziell neu gebaute Mietwohnungen im Auftrag des Verbändebündnisses Wohnen unter die Lupe.

Und siehe da: Rund ein Drittel der Miete kassiert nicht etwa der Vermieter, sondern der Staat. Diese Tatsache werde allerdings, so die Studie, nirgends direkt und transparent ausgewiesen, sondern es ergebe sich aus der Situation.

Vermieter geht mit Steuern und Abgaben in Vorleistung

Wer Mietwohnungen baut, muss zunächst viel Geld an Bund, Länder oder Kommunen abführen. Die Palette reicht von der Grunderwerbsteuer für den Grundstückskauf über die Mehrwertsteuer für die in Anspruch genommenen Bauleistungen und Baumaterialien bis hin zu Sozialabgaben für die Bauarbeiter.

Um überhaupt rentabel vermieten zu können, muss der Vermieter schon beim Kalkulieren der Miete diese Steuern und Abgaben einrechnen. Und siehe da: Das wirkt sich auf die Miete aus! 

In der Miete ist eine „versteckte Wohn-Steuer“ enthalten

In seiner Modellrechnung wies das Pestel-Institut nach: Bei einer Kaltmiete von 10,05 Euro pro Quadratmeter entfallen 3,34 Euro auf den Anteil, den in Wirklichkeit der Staat verantwortet.

Den Mietern sei allerdings in aller Regel nicht bewusst, dass der Staat kräftig an der Vermietung mitverdient. Die Studie beziffert die Gesamthöhe dieser „versteckten Wohn-Steuer“ beim Vermieten von neugebauten Immobilien für das Jahr 2013 auf insgesamt 6,2 Milliarden Euro an Staatseinnahmen.

Im Jahr 2014 werde sich die Summe voraussichtlich sogar auf 7,4 Milliarden Euro belaufen.

Kommentare (1)

18.11.2014, 12:52 Uhr von ottomueller11 Profil ansehen
Nach Verkauf meiner Mietimmobilie verblieb ein jetzt ungedeckter Darl.-Rest von rd. 5000,-€, der mit einem neuerlichen Darl.f.and. Obj.-Invest. abgedeckt u. zurückgeführt wurde. Ist dieser Rest-Darl.-Zinsteil für sich weiterhin absetzbar ? MfG O.Müller
Foto: Judith Engst / Redaktion meineimmobilie.de
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Judith Engst hat sich als Wirtschafts- und Finanzjournalistin auf die publizistische Beratung im Bereich Finanzen, Geldanlage, Recht und Steuern spezialisiert. Für sie sind Immobilien ein unentbehrlicher Baustein zur ...
Judith Engst
Sie haben Ihre Mietimmobilie verkauft, aber der Erlös reicht nicht zur Darlehenstilgung? Falls Sie vor diesem Problem stehen, sollten Sie die Schuldzinsen steuerlich geltend machen. Das geht neuerdings nämlich, wie der Bundesfinanzhof aktuell entschieden hat.

 meineimmobilie.de-Tipp

Von wegen "Abzocke": Steuer- und Abgabenbelastung sind zu hoch

Verständlicherweise werden Sie Ihren Mietern die Kalkulation des verlangten Mietzinses nicht offenlegen. Gegen allzu laute Klagen können Sie diesen Einwand aber ruhig erheben: Nämlich dass etwa ein Drittel der Miete letztlich gar nicht auf Ihrem Konto landet, sondern dass der Staat dieses Geld schon im Vorfeld kassiert hat. Das gilt zumindest für Neubauten.
 


Wahrscheinlich wird diese Studie nichts ändern an den immer strikteren Vorschriften im Miet- und Steuerrecht. Doch immerhin entlarvt sie die Falschheit, mit der viele Politiker den Vermietern quasi ein unmoralisches Profitstreben unterstellen. Denn ohne Zweifel gilt: Die Mieten wären deutlich niedriger, würde der Staat beim Immobilienkauf und -bau nicht so hemmungslos die Hand aufhalten.