Freitag, 21.12.2012 | Autor: Judith Engst , Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2006

Vermietung vortäuschen - das lassen Sie besser bleiben!

Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2006
Worum geht´s
  • Kosten für einen Ausbau zum Wohnhaus
  • Absetzbarkeit
  • Angehörigen-Mietvertrag

Eine Scheune zum Wohnhaus umbauen und das Finanzamt an den Kosten dafür beteiligen - das klingt gut. Es ist auch ohne Weiteres möglich, wenn die Scheune anschließend vermietet wird. Dass allerdings eine Vermietung an Angehörige vom Finanzamt besonders kritisch beäugt wird, zeigt ein Fall, der vom Finanzgericht Berlin-Brandenburg entschieden wurde.

Ein Mann hatte per Erbpacht ein Grundstück mit Scheune geerbt. Diese baute er für viel Geld zu einem attraktiven Wohnhaus aus. Die Ausbaukosten wollte er von der Steuer absetzen. Seine Begründung: Er habe die Scheune an seine Mutter vermietet, die sie als Zweitwohnung nutze.

Das Finanzamt misstraute dieser Angabe und führte eine Außenprüfung durch, in deren Folge es die Anerkennung der Kosten verweigerte. Der Mann zog daraufhin vor Gericht. Allerdings hatte er hier schlechte Karten. Denn:

  • Er selbst war beim Einwohnermeldeamt mit Nebenwohnsitz als Bewohner des betreffenden Grundstücks gemeldet.
  • Die angebliche Mieterin, seine Mutter, war dort dagegen nie als Bewohnerin angemeldet.
  • Die Vereinbarungen im Mietvertrag wurden nicht so durchgeführt wie vereinbart. So blieb die eigentlich geforderte Zahlung einer Kaution aus, ebenso kümmerte sich die angebliche Mieterin nicht um die Gartenpflege).
  • Es gab im Mietvertrag keine Vereinbarungen über Nebenkostenvorauszahlungen. Weder Zahlungszeitpunkt noch Höhe waren vereinbart - und sie wurden auch nie eingefordert.
  • Sowohl der Mann selbst als auch seine Mutter hatten jederzeit Zutritt zu der Immobilie, und das unabhängig voneinander.
  • Der Beweis, dass der Sohn noch einen anderen Wohnsitz innehatte, konnte nicht erbracht werden.

Aus all diesen Indizien zogen das Finanzamt und die verantwortlichen Richter den Schluss, dass der Sohn hier versucht hatte, in erheblichem Maße Steuern zu hinterziehen (FG Berlin-Brandenburg, Az.: Az.9 K 9009/08).

Kommentare (0)

Kommentieren, ergänzen Sie jetzt den Artikel oder geben Sie dem Autor Feedback. Einfach anmelden und losschreiben.
Vermieten zum Freundschaftspreis oder ein Angehörigen-Mietvertrag als scheinbar cleveres Steuer-Spar-Modell: Das kann steuerlich gesehen schnell zur Milchmädchenrechnung werden. Denn: Wer zu günstig vermietet, dem droht ein Werbungskostenabzug. Ganz besonders richtet das Finanzamt dabei sein Augenmerk auf sogenannte Angehörigen-Mietverträge.

 meineimmobilie.de-Tipp

Angehörigen-Mietverträge sind möglich. Und es ist auch möglich, die Werbungskosten für die betreffende Immobilie abzusetzen. Aber Achtung: Ein solches Mietverhältnis muss einem Fremdvergleich standhalten. Das heißt: Es muss genauso durchgeführt werden, wie mit Fremden. Wird diese Voraussetzung, wie im hier geschilderten Fall, nicht eingehalten, versagt Ihnen das Finanzamt garantiert den Werbungskostenabzug. Vermeiden Sie daher alles, was einem Fremdvergleich nicht standhält - und Sie sind auf der sicheren Seite.