Freitag, 17.07.2015 | Autor: Judith Engst, Foto: © fuxart - Fotolia.com

Vermieter: Übertreiben Sie es nicht mit den Fahrtkosten!

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Worum geht´s

• Werbungskosten
• Anlage V
• Fahrten zum Mietobjekt

In aller Regel gilt: Jede Fahrt zu Ihrem Mietobjekt können Sie als Vermieter mit der Kilometerpauschale von 0,30 Euro von der Steuer absetzen. Es gibt allerdings Grenzen für diese Regel, entschied das Finanzgericht Berlin-Brandenburg.

Ein Ehepaar vermietete ein Mehrfamilienhaus und drei Wohnungen innerhalb einer Wohnanlage. Für Fahrten zu diesen Vermietungsobjekten machten sie für das Jahr 2009 Fahrtkosten von fast 1.000 € und für das Jahr 2010 Fahrtkosten von gut 6.700 € geltend. Es hatte die gefahrenen Strecken per Fahrtenbuch festgehalten und mit dem Pauschalsatz von 0,30 Euro pro Kilometer multipliziert.

Finanzamt streicht Kosten auf die Hälfte zusammen

Das Finanzamt wollte diesen Betrag jedoch nicht in voller Höhe als Werbungskosten
anerkennen. Es strich die Kosten auf die Hälfte zusammen. Die Begründung: Die Vermietungsobjekte seien wie bei einem Arbeitnehmer als erste Tätigkeitsstätte einzuordnen. Das habe zur Folge, dass nur die einfache Fahrstrecke mit 0,30 Euro pro Kilometer berücksichtigt werden könne (die sogenannte Entfernungspauschale).

Finanzgericht entscheidet zu Ungunsten der Vermieter

Die Klage, die das Ehepaar daraufhin vor dem Finanzgericht Berlin-Brandenburg erhob, blieb erfolglos (11.02.2015, Az. 7 K 7084/13). Die Richter folgten der Argumentation des Finanzamts und plädierten auch hier für die Entfernungs- statt der Fahrtkostenpauschale.

Das Finanzgericht räumte allerdings ein: Im Zusammenhang mit Vermietung und Verpachtung sei bei Arbeiten, wie Räumen, Streuen, Fegen, Wässern und Pflanzen, noch nicht höchstrichterlich geklärt, was als erste Tätigkeitsstätte gelten müsse. Deshalb ließ es Revision zum Bundesfinanzhof zu.
 

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Foto: Judith Engst / Redaktion meineimmobilie.de
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Judith Engst hat sich als Wirtschafts- und Finanzjournalistin auf die publizistische Beratung im Bereich Finanzen, Geldanlage, Recht und Steuern spezialisiert. Für sie sind Immobilien ein unentbehrlicher Baustein zur ...
Judith Engst

 meineimmobilie.de-Tipp

Einspruch einlegen und Ruhen des Verfahrens beantragen


Sollte das Finanzamt Ihre Fahrtkosten als Vermieter zusammenstreichen, wehren Sie sich mit einem Einspruch. Verweisen Sie dabei auf die beim BFH anhängige Revision und geben Sie das Aktenzeichen an. Es lautet: IX R 18/15.


Wichtig: Beantragen Sie zugleich ein Ruhen des Verfahrens. Das heißt auf gut Deutsch: Das Finanzamt soll nicht über den Einspruch entscheiden, solange der Fall vom Bundesfinanzhof nicht höchstrichterlich geklärt wurde. Zwar müssen Sie dann länger warten, bis über Ihren Einspruch entschieden wird. Zugleich aber bleibt Ihnen auf diese Weise der Klageweg erspart.


Falls der BFH später zugunsten des betreffenden Steuerzahlers entscheidet, profitieren Sie automatisch auch davon. Selbstverständlich werden wir Sie darüber informieren, wenn es soweit ist.