Freitag, 26.04.2013 | Autor: Judith Engst, Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2008

Urteil: Veruntreute WEG-Rücklage ist steuerlich absetzbar

Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2008
Worum geht´s
  • Instandhaltungsrücklage
  • Untreue des Hausverwalters
  • Schaden als Werbungskosten absetzbar

Eine unerfreuliche Entdeckung machte ein Ehepaar in Rheinland Pfalz, das zwei Wohnungen besaß: Der Hausverwalter hatte sich die gesamte Instandhaltungsrücklage unter den Nagel gerissen. Seine rechtskräftige Verurteilung nützte den beiden zunächst nichts. Das Geld war weg. Als das Ehepaar den Schaden als Werbungskosten geltend machen wollte, erlitt es abermals Schiffbruch. Das Finanzamt lehnte ab. Allerdings zu Unrecht, entschied jetzt das Finanzgericht Rheinland-Pfalz.

Mehr als 11.000 Euro betrug der Schaden, den das Ehepaar durch den betrügerischen Verwalter erlitt. Dieser war für mehrere Wohnungseigentümergemeinschaften tätig und hatte sich der Untreue in 740 Fällen schuldig gemacht. Er wurde zu drei Jahren Haft verurteilt. Von dem veruntreuten Geld war bei ihm allerdings nichts mehr zu holen.

Also machte das Ehepaar den Verlust in seiner Steuererklärung geltend. Dort setzte es den Schaden kurzerhand bei den Werbungskosten ab. Das Finanzamt jedoch weigerte sich, diesen Schaden anzuerkennen. Die Instandhaltungsrücklage könne nur berücksichtigt werden, wenn sie tatsächlich für Herstellungskosten oder Erhaltungsaufwendungen verwendet werde. Das sei hier aber nicht der Fall, und folglich werde der Verlust auch nicht steuerlich anerkannt.

Das aber wollte das Ehepaar nicht hinnehmen und zog nach erfolglosem Einspruch vor Gericht. Die Richter gaben ihm in vollem Umfang recht. Werbungskosten seien alle Aufwendungen, die im Zusammenhang mit den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung entstünden. Auch unfreiwillige Wertabgaben bildeten da keine Ausnahme.

Bei der Frage, wann die verlorene Instandhaltungsrücklage abgesetzt werden könne, stellten sie klar: Der Abflusszeitpunkt ist hier entscheidend. Also der Zeitpunkt, an dem der Verwalter das Geld veruntreut hatte.

Und noch einen Punkt machte das Gericht deutlich: Bei der Frage nach der Absetzbarkeit kommt es nicht darauf an, ob der Verwalter das Geld irgendwann womöglich wieder zurückzahlt. Fließt tatsächlich ein Teil des Geldes später wieder an die Wohnungseigentümer zurück, ist es erst dann als Einnahme zu erfassen (24.01.2013¸ 6 K 1973/10).

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 meineimmobilie.de-Tipp

Die steuerliche Absetzbarkeit veruntreuter Gelder ist ein schwacher Trost, aber immerhin ein Trost. Auf diese Weise lässt sich der Schaden um bis zu 42 % (Spitzensteuersatz) reduzieren. Sie sollten in einem vergleichbaren Fall also den Schaden in der Anlage V als Werbungskosten geltend machen.

 

Noch besser ist aber eine regelmäßige Kontrolle des Verwalters: Wer die Auszüge der Konten regelmäßig überprüft, auf denen die Instandhaltungsrücklage „geparkt“ ist, wird nicht so leicht zum Opfer betrügerischer Machenschaften.