Freitag, 11.04.2014 | Autor: Judith Engst, Foto: © fuxart - Fotolia.com

Treppenlift: Absetzbar auch ohne ärztliches Gutachten

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Worum geht´s

• Treppenlift
• außergewöhnliche Belastung
• ärztliches Attest
• amtsärztliches Gutachten

Normalerweise gilt: Die Kosten für Heil- und Hilfsmittel können Sie als „außergewöhnliche Belastung“ absetzen, wenn sie zwangsläufig nötig sind. Um das nachzuweisen, brauchen Sie ein ärztliches Attest. Ob das auch für eigens eingebaute Treppenlifte gilt, musste jüngst der Bundesfinanzhof entscheiden.


18.000 Euro hatte ein Ehepaar für den Einbau eines Treppenlifts ausgegeben. Diese Kosten machte es als „außergewöhnliche Belastung“ in der Steuererklärung geltend. Aber vergeblich.

Das Paar hätte vorher ein ärztliches Attest oder ein amtsärztliches Gutachten einreichen müssen, um nachzuweisen, dass der Einbau zwangsläufig nötig sei, so das Finanzamt. Ein Einspruch gegen diese Entscheidung scheiterte ebenso wie (zunächst) eine Klage vor dem zuständigen Finanzgericht.

BFH: Zwangsläufigkeit lässt sich auch anders nachweisen
In letzter Instanz kippte der Bundesfinanzhof jedoch beide Entscheidungen. Die Richter stellten klar: Als außergewöhnliche Belastung ließen sich zwar nur Kosten absetzen, die zwangsläufig sind. Ein Treppenlift wäre also ohne entsprechende Gehbehinderung nicht absetzbar.

Diese Zwangsläufigkeit müsse aber nicht unbedingt durch ein ärztliches Attest oder ein amtsärztliches Gutachten nachgewiesen werden. Die medizinische Notwendigkeit sei auch durch andere Belege nachweisbar (BFH, 06.02.2014, Az. VI R 61/12). Auch durch „nicht formalisierte“, also durch Beweise, die keiner bestimmten Formvorschrift entsprechen.

Finanzgericht muss nun neu entscheiden
Der Bundesfinanzhof verwies den Fall zurück an das zuständige Finanzgericht. Das muss nun ein Sachverständigengutachten einholen oder andere Beweise finden, die für oder gegen die medizinische Notwendigkeit des Treppenlifts sprechen.

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Finanzamt muss auch andere Nachweise akzeptieren

Aus diesem Urteil folgt für Sie: Den Nachweis, dass die Ausgabe für einen Treppenlift unumgänglich war, müssen Sie zwar erbringen. Ein ärztliches Attest oder eine amtsärztliche Bescheinigung müssen Sie jedoch nicht unbedingt einreichen. Stattdessen können Sie es zunächst beispielsweise mit einem Schwerbehindertenausweis probieren. Oder mit anderen Unterlagen, die beweisen, dass Sie oder andere Bewohner Ihres Haushalts nicht mehr Treppen steigen können.


Urteil gilt analog auch für behindertengerechten Umbau

Übrigens ist auch ein behindertengerechter Umbau Ihrer Immobilie als außergewöhnliche Belastung absetzbar. Aber auch hier gilt: Die Kosten müssen zwangsläufig sein, also aus medizinischer Sicht notwendig. Am einfachsten ist sicher der Nachweis mit einem ärztlichen Attest. Das Urteil des Bundesfinanzhofs zeigt aber: Auch andere Nachweise muss das Finanzamt akzeptieren.