Freitag, 20.09.2013 | Autor: Judith Engst, Foto: © Sebastian Duda - Fotolia.com

Teure Scheidung: Wenn das Finanzamt Ihr Immobilien-Wertgutachten nicht anerkennen will

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Worum geht´s

• Scheidung
• Wertgutachten Immobilie
• steuerliche Absetzbarkeit

Scheiden tut weh.“ Und damit  geht es nicht nur um die empfindliche Gefühlslage der betroffenen Ex-Partner, sondern auch um ihr Geld. Häufig bringt eine Ehescheidung nämlich auch schmerzhafte finanzielle Einbußen mit sich.

 

Ein schwacher Trost, aber immerhin ein Trost: Manche Scheidungskosten lassen sich steuerlich absetzen. Gilt das auch für das Wertgutachten von Ihrer Immobilie? "Nein!", sagt dazu das Hessische Finanzgericht. 

Bei einer Scheidung müssen die beiden Ehepartner ihr Vermögen untereinander aufteilen. Welches Vermögen dabei aufgeteilt wird, hängt vom Güterstand ab.

Ohne Ehevertrag ist das die Zugewinngemeinschaft. Dabei wird nur das Vermögen, das beide Ehepartner im Verlauf ihrer Ehe hinzugewonnen haben, ausgeglichen. Darunter kann auch eine Immobilie fallen - wie in dem Fall, über den das Hessische Finanzgericht entscheiden musste.

Streit ums Haus: Oft hilft nur ein Wertgutachten

 

Die Ehefrau hatte Auskunft über den Wert des gemeinsamen Hauses verlangt, um sicherzustellen, dass ihre Auszahlung für die Immobilie nicht zu gering ausfiel. Ihre Ansprüche setzte sie gerichtlich durch.

Der Ehemann gab daraufhin bei einem Sachverständigen ein Wertgutachten in Auftrag. Die Kosten für dieses Wertgutachten machte er dann als außergewöhnliche Belastung in seiner Steuererklärung geltend. Das Finanzamt aber erkannte diese Kosten nicht an.

Prozesskosten sind etwas anderes als ein Wertgutachen

 

Dagegen wehrte sich der Ehemann. Er argumentierte: Laut neuester BFH-Rechtsprechung (12.05.2011, Az. VI R 42/10) seien neuerdings auch Prozesskosten in Zivilprozessen zugunsten des Steuerpflichtigen als außergewöhnliche Belastung (§ 33 des Einkommensteuergesetzes) steuerlich absetzbar. Da er gerichtlich zum Erstellen eines Wertgutachtens gezwungen worden sei, müssten die Kosten dafür doch auch absetzbar sein.

Das Finanzgericht sah das aber anders. Es stellte klar: Seine gerichtliche Verpflichtung bezog sich nicht auf ein Wertgutachten, sondern lediglich auf die Vorlage der zur Wertermittlung erforderlichen Unterlagen. Folglich seien die Kosten für das Wertgutachten nicht absetzbar.

Absetzbar seien laut BFH nur die Zivilprozesskosten im engeren Sinne, nicht aber ein Gutachten, das der Kläger in eigener Verantwortung in Auftrag gegeben habe (Hessisches Finanzgericht, 02.07.2013, Az. 13 K 985/13).

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News: Laut DEKRA zahlen viele Käufer zu viel für ihre Immobilie. Um den wahren Wert einer Immobilie besser einschätzen zu können, sollten Kaufinteressenten vor Vertragsabschluss ein Wertgutachten in Auftrag geben.

 meineimmobilie.de-Tipp

An diesem Fall sehen Sie: Manchmal sind es echte Haarspaltereien, die darüber entscheiden, ob bestimmte Kosten von der Steuer absetzbar sind oder nicht. Achten Sie deshalb genau darauf, wozu Sie - etwa durch ein Gericht - wirklich verpflichtet sind. Verlangt es kein Wertgutachten, geben Sie auch keines in Auftrag, wenn das für Sie von Nachteil sein könnte und überdies die Kosten dafür an Ihnen hängen bleiben.

 

Umgekehrt kann ein solches Wertgutachten aber wertvolle Dienste leisten. Etwa, wenn Sie beweisen müssen, dass eine Immobilie deutlich mehr oder auch weniger wert ist, als etwa vom Ex-Partner angesetzt wurde. Auch wenn das Finanzamt im Rahmen der Erbschaftsteuer einen zu hohen Wert ansetzt, ist ein Wertgutachten die geeignete Waffe gegen überzogene Steuerforderungen.

 

Wissen müssen Sie lediglich: Ein Wertgutachten für ein normales Einfamilienhaus (Immobilienwert bis 400.000 Euro) kostet meistens zwischen 1.000 bis 2.000 Euro. Die Rechtskraft ist dann aber gegeben - ein Gericht oder das Finanzamt kann sich dann nicht so einfach darüber hinwegsetzen.