Freitag, 16.09.2011 | Autor: Jörg Stroisch, Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2005

Steuerfrei? Wenn das Ferienhaus an die Ehefrau verschenkt wird

Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2005
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Schenkungen unter Eheleuten sind steuerfrei. Das gilt zumindest bei Immobilien, die das Familienheim bilden. Was aber gilt für Ferienhäuser? Können auch sie steuerfrei an die Ehefrau oder den Ehemann übertragen werden?

Vor dem Finanzgericht Münster wurde ein solcher Fall verhandelt. Es ging um ein Ferienhaus auf einer deutschen Insel. Lesen Sie hier, was die Richter in puncto Steuerfreiheit entschieden haben.

Normalerweise verschenkt man eine Immobilie nicht einfach. Unter Eheleuten kann das aber vorkommen. Das ist durchaus sinnvoll, etwa um dem Ehepartner oder der Ehepartnerin über den eigenen Tod hinaus ein sorgenfreies Leben zu ermöglichen. Und auszuschließen, dass im Erbfall die Kinder einen Anteil an der Immobilien erben.

Das Erbschafts- und Schenkungssteuergesetz sieht in solchen Fällen eine Befreiung von der sonst üblichen Schenkungssteuer vor (§ 13 Abs. 1 Nr. 4a ErbStG). Die Steuerbefreiung gilt für das so genannte Familienheim, das den Mittelpunkt des familiären Lebens bildet. Vor dem Finanzgericht Münster ging es jetzt um die Frage, ob auch ein Ferienhaus steuerfrei verschenkt werden kann.

Schenkung steuerfrei? Nein, entschieden die Richter

Ein Mann hatte seiner Frau das Ferienhaus auf einer deutschen Insel geschenkt. Sich selbst hatte er im notariellen Schenkungsvertrag ein lebenslanges Wohnrecht vorbehalten. Die beiden nutzten das Feriendomizil weidlich und waren oft dort. Es wurde während ihrer Abwesenheit nicht an Fremde vermietet.

Trotzdem entschieden die Richter: Um ein Familienheim im Sinne des Erbschafts- und Schenkungssteuergesetzes handelt es sich nicht. Voraussetzung dafür sei, dass das Haus den Mittelpunkt der ehelichen Lebensgemeinschaft bilde. Den Antrag der Kläger, den Schenkungssteuerbescheid aufzuheben, lehnten sie daher ab. Mit der Folge, dass die Frau die darin festgesetzte Erbschaftsteuer zahlen musste.

Steuerfreie Schenkungen sind trotzdem möglich

Offensichtlich handelt es sich im entschiedenen Fall um eine sehr wertvolle Immobilie. Denn im Normalfall sind steuerfreie Schenkungen unter Eheleuten sehr wohl möglich. Und zwar deshalb, weil unter Ehegatten alle 10 Jahre ein Schenkungs-Freibetrag von 500.000 Euro gilt.

Konkret: Wenn Sie an Ihren Ehemann oder Ihre Ehefrau eine Immobilie verschenken, deren Wert unter diesem Freibetrag liegt, fällt auch keine Schenkungssteuer an. Erst wenn der Wert den Freibetrag übersteigt, ist die Schenkung steuerpflichtig. Besteuert wird aber nur der Betrag, der über den Freibetrag hinausgeht.

Ein Rechenbeispiel: Angenommen, Sie schenken Ihrem Ehemann oder Ihrer Ehefrau ein Ferienhaus im Wert von 550.000 Euro. Davon sind 500.000 Euro steuerfrei. 50.000 Euro dagegen müssen versteuert werden. Für Eheleute gilt bei Schenkungen die Steuerklasse I. Bei Summen bis zu 75.000 Euro werden 7 Prozent Schenkungsteuer verlangt. 7 Prozent von 50.000 sind 3.500 Euro. Diesen Betrag muss der oder die Beschenkte dann an das Finanzamt zahlen.

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Foto: Sebastian Fery / Haufe
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Jörg Stroisch arbeitet als selbstständiger und freier Journalist. Seine Themenschwerpunkte sind informative Ratgeberartikel rund um die privaten Finanzen, insbesondere über die Themengebiete Immobilien, Vorsorge ...
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