Donnerstag, 30.05.2013 | Autor: Judith Engst , Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2007

Steuererklärung: So umgehen Sie die Verspätungsfalle in letzter Minute

Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2007
Worum geht´s
  • Abgabefrist Steuererklärung
  • Möglichkeiten der Verlängerung
  • Was bei verspäteter Abgabe passiert

"Oh Gott, ich bin zu spät dran!" Das denken aktuell viele Bürger in Bezug auf ihre Steuererklärung. Und richtig: Die Frist für die Abgabe endet am 31.05.2013. Warum Sie trotzdem keine Panik schieben zu brauchen und was Sie in letzter Minute rettet, lesen Sie in diesem Text.

Knochentrocken liest sich die Vorschrift zur Abgabefrist der Steuererklärung. Sie ist in Paragraf 149 Absatz 2 der Abgabenordnung zu finden: "Soweit die Steuergesetze nichts anderes bestimmen, sind Steuererklärungen, die sich auf ein Kalenderjahr oder einen gesetzlich bestimmten Zeitpunkt beziehen, spätestens fünf Monate danach abzugeben."

Aber wie rigide ist das Finanzamt eigentlich, wenn die Frist überschritten wird? Theoretisch kann es einen Verspätungszuschlag von bis zu 10 Prozent der berechneten Steuer erheben, höchstens 25.000 Euro. Tatsache ist aber: Sie müssen schon goldene Löffel gestohlen haben, damit das Finanzamt zu dieser Maßnahme greift. Denn die Vorschrift, die in Paragraf 152 der Abgabenordnung steht, ist eine Kann-Vorschrift. Das Finanzamt kann eine verspätete Abgabe mit Verspätungszuschlag ahnden, muss es aber nicht. Erscheint die Verspätung entschuldbar, wird es diesen Zuschlag nicht verlangen.

Was heißt das für Sie? Normalerweise sind die Finanzämter kulant, zumindest, wenn Sie Ihre Steuererklärungen nicht andauernd ohne Entschuldigung unpünktlich abgeben. Ein, zwei Wochen Verspätung sind halb so wild, auch ohne Fristverlängerung. In Ihrem Begleitschreiben sollten Sie einen Entschuldigungsgrund angeben (Krankheit, fehlende Belege, Sorgen um die Kinder, ungeplant hoher Zeitaufwand für die Vermietung Ihrer Immobilie). Dann ist die Verspätung „entschuldbar“ und der Verspätungszuschlag vom Tisch.

Wenn Sie aber sichergehen wollen, dass Ihnen nichts passiert, rufen Sie bei der Einkommensteuerstelle Ihres Finanzamts an. Unter www.finanzamt.de finden Sie schnell die richtige Telefonnummer.

Noch besser funktioniert dieser Trick: Schreiben Sie dem Finanzamt einen Brief und bitten Sie um stillschweigende Fristverlängerung. Diese ist bis maximal 31. Dezember dieses Jahres möglich. Aber reizen Sie diese Frist nicht unbedingt bis zum letzten aus, um es sich nicht mit Ihrem Sachbearbeiter zu verscherzen. Ergänzen Sie den Satz: "Wenn ich nichts weiter von Ihnen höre, gehe ich davon aus, dass die Fristverlängerung genehmigt ist."

Jetzt müsste der Sachbearbeiter aktiv werden, um Ihnen die Fristverlängerung zu verweigern. Die meisten haben aber Besseres zu tun, kommt doch ab Ende Mai eine Flut von pünktlichen Steuererklärungen auf ihren Schreibtisch. Das heißt: Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie nichts hören und die Fristverlängerung in Anspruch nehmen können, ist hoch!

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 meineimmobilie.de-Tipp

So formulieren Sie Ihre Bitte um Fristverlängerung: "Sehr geehrte Damen und Herren, für die Abgabe meiner Einkommensteuererklärung beantrage ich stillschweigende Fristverlängerung bis ...“ Grund für meinen Antrag ist ... (z.B. noch fehlende Belege für 2012, eine fehlende Abrechnung der Hausverwaltung, ein aktuell unerwartet hohes Arbeitsaufkommen oder eine plötzliche Erkrankung). Falls ich nichts von Ihnen höre, gehe ich davon aus, dass die Fristverlängerung genehmigt ist. Mit freundlichen Grüßen ..."

 

Übrigens: Wenn Ihre Steuererklärung ein Steuerberater macht oder ein Lohnsteuerhilfeverein, bekommen Sie die Fristverlängerung automatisch bis Ende des Jahres. Einen Antrag brauchen Sie in diesem Fall nicht zu stellen.