Freitag, 11.12.2015 | Autor: Judith Engst , Foto: © Les Cunliffe - Fotolia.com

Steuererklärung nicht pünktlich? Wann ein Verspätungszuschlag droht

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Worum geht´s

• Verspätungszuschlag
• Abgabefrist Steuererklärung
• Bundesfinanzhof

Spätestens am 31. Dezember 2015 muss Ihre Steuererklärung für das Jahr 2014 beim Finanzamt sein. Das gilt selbst dann, wenn Sie Verlängerung beantragt haben und sie ihnen gewährt wurde. Wenn Sie es zeitlich nicht mehr schaffen, droht ein Verspätungszuschlag. Grund zur Panik ist das trotzdem nicht.

Ein Verspätungszuschlag droht immer dann, wenn Sie Ihre Steuererklärung nicht pünktlich einreichen. Bis zu 10 Prozent der Steuersumme, maximal aber 25.000 Euro darf er nach derzeitigem Rechtsstand betragen.

Ob das Finanzamt aber tatsächlich einen Verspätungszuschlag erhebt und in welcher Höhe das geschieht, liegt im Ermessen des Finanzamts. Keineswegs immer müssen Sie damit rechnen.

Worauf das Finanzamt achtet

Die Höhe des Verspätungszuschlags hängt - vereinfacht gesagt - von der Frage ab, ob die Verspätung entschuldbar ist oder nicht. Bei dieser Entscheidung achtet der zuständige Sachbearbeiter auf folgende Fragen:

  • Ist es die erste Verspätung, oder waren Sie auch schon in den Vorjahren zu spät dran?
  • Ist zu erwarten, dass Sie sich auch künftig verspäten?
  • Um wie viel Zeit ist die Abgabefrist überschritten?
  • Wie hoch ist Ihre Steuerlast?
  • Wie hoch ist die Steuersumme, die Sie nachzahlen müssen?
  • Haben Sie einen finanziellen Vorteil durch die verspätete Steuerfestsetzung, weil Sie die Nachzahlung dann später leisten müssen?
  • Gibt es einen triftigen Grund für die Verspätung?

Beim Grund müssen Sie aufpassen: Arbeitsüberlastung, Urlaub, eine Geschäftsreise oder vorhersehbare persönliche Ereignisse erkennt das Finanzamt regelmäßig nicht an. Entschuldbar sind aber beispielsweise Krankheiten, ein Todesfall, Unglück oder die Folgen eines Unfalls.

Höhe des Verspätungszuschlags: Es gibt Grenzen

In aller Regel wird der Verspätungszuschlag nicht höher sein als die Steuer, die Sie nachzahlen müssen. Allerdings kann das Finanzamt als „erzieherische Maßnahme“ auch dann einen Verspätungszuschlag festsetzen, wenn Ihnen eine Steuererstattung zusteht. Das hat der Bundesfinanzhof ausdrücklich für Recht erklärt (19.11.2013, Az. XI B 50/13).

Unverhältnismäßig hoch darf der Zuschlag aber dennoch nicht sein. Bei nur kurzer Verspätung und einem niedrigen Nachzahlungsbetrag müssen Sie also nicht gleich das Schlimmste befürchten.

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Denken Sie daran, dass Sie Ihre Steuererklärung 2014 bis spätestens 01.06.2015 abgeben müssen, falls Sie das nicht schon längst erledigt haben. Sonst kann es teuer werden. Denn das Finanzamt hat diverse Druckmittel, um eine verspätete Abgabe zu ahnden. So etwa den Verspätungszuschlag. Immerhin gibt es eine gute Nachricht: Dieser Zuschlag lässt sich oft vermeiden, auch wenn Sie Ihre Steuererklärung womöglich nicht ganz pünktlich einreichen.
Normalerweise gilt: Spätestens am 31. Mai muss Ihre Einkommensteuererklärung fürs Vorjahr beim Finanzamt sein. Für die Steuererklärung 2015 ist das 31.5.2016. Je nachdem auf welchen Tag der 31.5. fällt, "schenkt" Ihnen das Finanzamt einen Tag. Wann das so ist und was Sie tun können, wenn Ihnen die verbleibende Zeit trotzdem nicht reicht, verraten wir Ihnen hier.

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Neue Gesetzesvorschrift geplant

 

Aufgepasst heißt es bei künftigen Steuererklärungen. Denn die Bundesregierung hat aktuell ein Gesetz beschlossen, wonach ein Verspätungszuschlag von mindestens 50 Euro pro angefangenem Monat verpflichtend eingeführt wird. Dass damit eine Ausdehnung der Verlängerungsfrist einhergeht, ist nur ein schwacher Trost: Voraussichtlich bis Ende Februar des übernächsten Jahres, das auf den Veranlagungszeitraum folgt, können Sie sich dann Zeit lassen.

 

Ob dieses Gesetz allerdings in der aktuellen Form Bundestag und Bundesrat passieren wird, bleibt abzuwarten. Vielleicht bleiben die Steuerzahler doch verschont von der geplanten Verschärfung.

 

Ein Einspruch kann sich lohnen

 

Falls das Finanzamt Ihnen einen sehr hohen Verspätungszuschlag aufgebrummt hat, kann sich ein Einspruch lohnen. Da das Finanzamt Sie vorab informieren muss, wenn es zu dem Schluss kommt, dass der Verspätungszuschlag sogar zu niedrig angesetzt wurde, riskieren Sie dabei nichts. Sie nehmen dann einfach Ihren Einspruch zurück.

 

In der Regel prüft die Einspruchsstelle aber sehr genau, ob der Sachbearbeiter das ihm zustehende Ermessen auch wirklich fehlerfrei ausgeübt hat. Und das heißt: Wenn Sie sich keine längere Verspätung haben zuschulden kommen lassen, wenn Sie erstmals verspätet sind oder wenn die Nachzahlungssumme gering ist, dann stehen die Chancen gut, dass der Verspätungszuschlag dann reduziert oder ganz erlassen wird.