Freitag, 19.12.2014 | Autor: Judith Engst, Foto: © Erik Schumann - Fotolia.com

Steueränderung geplant: Aufgepasst bei haushaltsnahen Dienstleistungen

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Worum geht´s

• Handwerkerrechnungen absetzen
• haushaltsnahe Dienstleistungen
• Steueränderung 2015
• Sockelbetrag von 300 Euro geplant

Eigenheimbesitzer aufgepasst: Ab 2015 können Sie womöglich nicht mehr alle Arbeitskosten aus Handwerkerrechnungen absetzen. Der Gesetzgeber plant einen neuen Mindestbetrag.

Sie wissen wahrscheinlich: Handwerkerleistungen im Eigenheim sind als haushaltsnahe Dienstleistungen steuerlich absetzbar. 20 Prozent der Kosten können Sie direkt von Ihrer Steuerschuld abziehen. Es gelten allerdings nur die Arbeits- und nicht die Materialkosten.

Geltend machen können Sie Rechnungsbeträge bis 6.000 Euro pro Kalenderjahr, was einer maximalen Steuerersparnis von 1.200 Euro gleichkommt. Aber hat die steuerliche Absetzbarkeit auch im Jahr 2015 Bestand? Das war lange Zeit strittig.

Einige Politiker wollten diese Regel abschaffen
Über die Wirksamkeit dieser Steuerregel wurde in den letzten Monaten heftig diskutiert. Denn das Ziel, damit die Schwarzarbeit einzudämmen, hat sie nicht erreicht. Immer mehr Politiker plädierten deshalb für die Abschaffung.

Diese Forderung ist für 2015 jedoch glücklicherweise vom Tisch. Leider sind aktuell trotzdem Einschränkungen in der Diskussion, was die Absetzbarkeit betrifft. Und diese Einschränkungen haben es in sich.

In Planung: Arbeitskosten müssen mindestens 300 Euro betragen
Rechnungen mit vergleichsweise niedrigen Beträgen sollten künftig nicht mehr absetzbar sein. Eine entsprechgende Gesetzesänderung ist aktuell geplant. Bei 300 Euro will der Gesetzgeber eine neue Untergrenze schaffen, die womöglich rückwirkend ab Januar 2015 gilt.

Falls diese Änderung greift, bedeutet das: Liegen die Arbeitskosten (inkl. Anfahrt) bei einer Handwerkerrechnung unter diesen 300 Euro, sind sie nicht absetzbar. Erst Arbeitskosten, die diesen Sockelbetrag erreichen beziehungsweise überschreiten, können Sie steuerlich geltend machen.

Vermieter nicht betroffen - aber Mieter und Eigenheimbesitzer
Für Vermieter ist eine mögliche Neuregelung nicht relevant, sie können nach wie vor alle Rechnungen als Werbungskosten geltend machen und dabei sowohl Arbeits- als auch Materialkosten absetzen. Wohl aber sind Mieter und Eigenheimbesitzer von der neuen Beschränkung betroffen. Künftig könnten es einige Rechnungen sein, die das Finanzamt wegen zu geringer Arbeitskosten nicht mehr anerkennt.

Noch gravierender dürfte sich das bei Mietern in Mehrfamilienhäusern oder größeren Wohnanlagen auswirken: Da die Handwerkerrechnungen immer nur anteilig über die Nebenkostenabrechnung auf sie umgelegt werden, ist es umso schwieriger, pro Einsatz den geplanten Sockelbetrag zu erreichen.

Elegant könnte der Gesetzgeber somit auch dafür sorgen, dass auch die Schornsteinfegerrechnung meist nicht mehr absetzbar ist. Denn die bewegt sich eher zwischen 50 und 100 als bei 300 Euro oder darüber. Das wäre ärgerlich!

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Foto: Judith Engst / Redaktion meineimmobilie.de
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Judith Engst hat sich als Wirtschafts- und Finanzjournalistin auf die publizistische Beratung im Bereich Finanzen, Geldanlage, Recht und Steuern spezialisiert. Für sie sind Immobilien ein unentbehrlicher Baustein zur ...
Judith Engst

Ihre Handwerkerrechnungen sollten Sie gut aufheben. Auch dann, wenn sie den Ausbau eines Zimmers oder Geschosses betreffen. Denn: Auch das können Sie steuerlich absetzen, hat das Bundesfinanzministerium klargestellt.
Weniger Steuern zahlen - davon träumt auch Ihr Mieter. Deswegen sollten Sie in Ihrer Betriebskostenabrechnung bei den Rechnungen, in denen haushaltsnahe Dienstleistungen stecken, diese dem Mieter auch ausweisen. Viel Arbeit ohne Geld? Ja, aber Vermieterpflicht, wenn der Mieter darauf besteht!

 meineimmobilie.de-Tipp

Notfalls Sammelaufträge vergeben

 

Die folgenden Tipps gelten, falls der Gesetzgeber mit seiner Absicht ernst macht, einen 300-Euro-Sockelbetrag einzuführen:

 

Für private Haushalte empfiehlt es sich dann, künftig nicht mehr wegen kleinerer, aufschiebbarer Reparaturen die Handwerker zu bestellen. Besser warten Sie, bis genügend Arbeiten zusammenkommen, mit denen Sie die 300-Euro-Grenze überschreiten. Bei einer kaputten Heizung geht das natürlich nicht, wohl aber bei anstehenden Renovierungs- und Malerarbeiten.

 

Bei einem Stundensatz von 60 Euro pro Handwerkerstunde sollten also 5 Stunden zusammenkommen, damit die Rechnung absetzbar ist. Achten Sie darauf, indem Sie notfalls anstehende Arbeiten zu einem einzigen Auftrag bündeln - oder bereits Dinge miterledigen lassen, die ohnehin irgendwann zur Reparatur, Renovierung oder zum Austausch geplant sind.

 

Übrigens: Noch ist offen, ob die geplante Gesetzesänderung wirklich kommt. Aber Sie sollten sie im Hinterkopf behalten - um auch künftig von der Absetzbarkeit von Handwerkerrechnungen bestmöglich zu profitieren.