Dienstag, 22.11.2016 | Autor: Judith Engst, Foto: © jogys - Fotolia.com

Steigende Grunderwerbsteuer: Wie Sie dennoch Geld sparen können

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Wehe, wenn sie losgelassen!″ Seit der Bund den Ländern die Freiheit gegeben hat, den Grunderwerbsteuersatz auf eigene Faust festzulegen, gibt es nur eine Richtung: nach oben.

 

So hat jetzt auch Thüringen eine happige Grunderwerbsteuererhöhung auf 6,5 Prozent ab dem 1.1.2017 angekündigt. Dennoch gibt es ein paar legale Möglichkeiten, wie Sie dennoch die Steuersumme drücken können, um weniger Grunderwerbsteuer zahlen zu müssen.    

Ab Januar 2017 steigt die Grunderwerbsteuer in Thüringen auf 6,5 Prozent. Bisher lag der dortige Steuersatz bei 5 Prozent. Damit sind es im nächsten Jahr schon 5 Bundesländer, die bei jedem Hauskauf 6,5 Prozent verlangen.

Grunderwerbsteuer: Wie viel die Erhöhung ausmacht

Angenommen, Sie kaufen ein Einfamilienhaus für insgesamt 300.000 Euro. Wären es, wie in Bayern, nur 3,5 Prozent Grunderwerbsteuer, so beliefe sich die Steuerlast auf 10.500 Euro.

Bei 5 Prozent, wie in Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Bremen, Hessen, Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und bis Ende 2016 noch in Thüringen, wächst die Steuerlast schon auf 15.000 Euro an.

Und bei 6,5 Prozent zahlen Sie stolze 19.500 Euro an den Staat.

Baden-Württemberg: Erhöhung vorläufig vom Tisch

Übrigens gab es auch in Baden-Württemberg Überlegungen, die Grunderwerbsteuer zu erhöhen. Diese Überlegungen sind aber inzwischen vom Tisch.

„Zunächst“, wie es hieß. Man darf gespannt sein, wie lange dieses „Zunächst“ anhält. Einzig Bayern hat bislang der Versuchung widerstanden, die Grunderwerbsteuer zu erhöhen. Hier ist es bei 3,5 Prozent geblieben, also bei dem Steuersatz, den ursprünglich der Bund vorgegeben hatte.

Wichtig: Bei Erbauseinandersetzung fällt keine Steuer an

Sie sollten jedoch wissen: Wenn Sie - etwa zusammen mit Ihren Geschwistern - ein Gebäude erben und es im Rahmen der Erbauseinandersetzung an einen der Miterben verkaufen, dann entfällt diese Steuer. Ein Erbe kann also die Anteile seiner Miterben steuerfrei erwerben.

Sehr wohl wird aber Grunderwerbsteuer fällig, wenn an Nicht-Erben verkauft wird. Sobald also ein fremder Dritter die geerbte Immobilie kauft, ist die Veräußerung nicht mehr steuerfrei.

So sparen Sie bis zu 15 Prozent bei der Grunderwerbsteuer

Abseits von einer Erbauseinandersetzung gibt es keine legale Möglichkeit, die Steuer ganz zu umgehen. Sehr wohl aber können Sie die Steuersumme auf legalem Weg reduzieren. Lassen Sie sich im notariellen Kaufvertrag all die Dinge herausrechnen, die als „bewegliches Inventar“ gelten und nicht fest mit der Immobilie verbunden sind. Getrennt im Kaufvertrag ausweisen lassen können Sie beispielsweise:

• Küche (auch Einbauküche, obwohl fest mit der Immobilie verbunden)
• Sauna
• Gartenhaus
• Markisen
• Schränke (sofern es keine fest installierten Wandschränke sind)
• Heizöl im Tank
• Gartenmöbel

Aber Vorsicht: Bis zu 15 Prozent des Kaufpreises akzeptiert das Finanzamt in der Regel anstandslos. Wenn Sie diesen Anteil aber überschreiten, dann haben Sie häufig ein Nachweisproblem. Denn dann verlangt die Steuerbehörde einen Beleg für den Wert dieses Inventars - und ohne Anschaffungsrechnung dürfte das schwierig werden. Halten Sie sich also lieber an diese Grenze!

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Foto: Judith Engst / Redaktion meineimmobilie.de
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Judith Engst hat sich als Wirtschafts- und Finanzjournalistin auf die publizistische Beratung im Bereich Finanzen, Geldanlage, Recht und Steuern spezialisiert. Für sie sind Immobilien ein unentbehrlicher Baustein zur ...
Judith Engst
Die Grunderwerbsteuer steigt und steigt. In drei Bundesländern (Schleswig-Holstein, Saarland, Nordrhein-Westfalen) liegt sie jetzt schon bei 6,5 Prozent. Umso wichtiger ist es für den Käufer, genau hinzusehen, was da eigentlich beim Berechnen der Grunderwerbsteuer alles mitgerechnet wird.  Die Finanzämter sind dabei nämlich sehr erfinderisch und rechnen auch gern mal Kaufnebenkosten wie die Maklerkosten mit dazu.
Grundstücke sind teuer – und jetzt will auch noch das Finanzamt kräftig von Ihrem Kauf profitieren: mit der Grunderwerbsteuer. Über die Höhe darf jedes Bundesland selbst bestimmen. Aktuell hat Thüringen die Grunderwerbsteuer zum 1.1.2017 auf 6,5 % erhöht. Wann und wie tief Sie pro Bundesland in die Tasche greifen müssen und wo Immobilienerwerb noch günstig ist, zeigt diese aktuelle Steuer-Tabelle.
Sie bekommen den Grunderwerbsteuerbescheid vom Finanzamt. Erst kürzlich haben Sie per Zwangsversteigerung eine Wohnung innerhalb einer Eigentümergemeinschaft erworben. Dazu gehört auch die Instandhaltungsrücklage.  Das Finanzamt erhebt die Grunderwerbsteuer auf das volle Höchstgebot. Ist das korrekt oder müsste es nicht vielmehr den Kaufpreis um diese Rücklage mindern? Der Bundesfinanzhof hat dazu gerade ein Urteil getroffen, das Wohnungskäufer nicht gerade erfreuen dürfte. 
Der Tod des Ehepartners macht oft aus einem Elternpaar und den Kindern eine Erbengemeinschaft. Um die wieder aufzulösen, kann es zu folgender Konstellation kommen: Die einzige Tocher will ihren Anteil an die Mutter verkaufen.  Die Mutter will den Anteil auch abkaufen, allerdings fragt sie sich, ob jetzt zusätzlich auch noch Grunderwerbsteuer anfällt.

 meineimmobilie.de-Tipp

Grunderwerbsteuer sparen: Rechnen Sie die Instandhaltungsrücklage heraus!


Kaufen Sie ein Reihenhaus oder eine Eigentumswohnung im Rahmen einer WEG (Wohnungseigentümergemeinschaft), dürfen Sie die Instandhaltungsrücklage herausrechnen. Also das Geld, das für spätere Renovierungen und Instandsetzungen am Gemeinschaftseigentum gedacht ist, und das üblicherweise auf einem Treuhandkonto bei der Hausverwaltung liegt.

 

Da es sich bei dieser Rücklage nicht um den Gegenwert des erhaltenen Grundstücks oder der erhaltenen Immobilie handelt, fällt darauf ebenfalls keine Grunderwerbsteuer an.


Wichtig: Achten Sie darauf, dass die Höhe der Instandhaltungsrücklage gesondert im Kaufvertrag ausgewiesen ist. Nur dann erkennt das Finanzamt sie an. Außerdem gilt die Steuerbefreiung für die Instandhaltungsrücklage nicht bei Zwangsversteigerungen, entschied der Bundesfinanzhof (2.3.2016, Az. II R 27/14). Aber im Rahmen normaler Käufe bleibt die Instandhaltungsrücklage von der Grunderwerbsteuer befreit.