Donnerstag, 13.01.2011 | Autor: Jörg Stroisch

So machen Sie Steuerberatungskosten geltend

Steuerberatungskosten in Bezug auf Vermietung und Verpachtung seien seit 2006 angeblich nicht mehr absetzbar. Dieses Gerücht kursiert seit fünf Jahren hartnäckig unter Vermietern. So ein Quatsch! Selbstverständlich können Sie als Vermieter die Kosten für den Steuerberater absetzen! Nur machen Sie sie eben als Werbungskosten und nicht wie bis einschließlich 2005 als Sonderausgaben geltend.

Was ist überhaupt der Unterschied zwischen Werbungskosten und Sonderausgaben? Diese grundlegende Unterscheidung ein wichtiger Hebel beim Bestreben, Steuern zu sparen. Lesen Sie im Folgenden, was es mit dieser Unterscheidung und mit der Zuordnung der Steuerberatungskosten zu den Werbungskosten auf sich hat.

Erst mal die Gemeinsamkeit: Sonderausgaben und Werbungskosten sind steuerlich absetzbare Ausgaben, oder wie es im Fachjargon heißt "negative Einkünfte". Sie mindern Ihre steuerlich relevanten positiven Einkünfte und damit Ihre Steuerlast. Trotzdem ist es nicht ganz egal, ob beispielsweise die Steuerberatungskosten, die auf Vermietung und Verpachtung entfallen, den Sonderausgaben oder den Werbungskosten zugeordnet werden.

Bis 2005 waren Kosten für den Steuerberater immer Sonderausgaben

Sonderausgaben haben den Charme, keiner Einkunftsart zugeordnet zu werden. Einkunftsarten sind beispielsweise Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit (Anlage N), aus selbstständiger Arbeit (Anlage S) oder eben aus Vermietung und Verpachtung (Anlage V). Sie kennen sicher die entsprechenden Anlagen zur Einkommenssteuererklärung.

Wenn eine Ausgabe als Sonderausgabe geltend gemacht werden kann, heißt das: Es ist egal, wofür Sie das Geld ausgegeben haben. Es spielt auch keine Rolle, dass dies in der Regel in einem anderen Bereich war als dem, in dem Sie Ihre Einkünfte erzielt haben. Absetzbar sind Sonderausgaben trotzdem, sie mindern die Gesamtheit der Einkünfte. Zu den Sonderausgaben gehören nach aktuellem Steuerrecht beispielsweise Unterhaltszahlungen, Schulgeld, Kosten für die erstmalige Ausbildung oder Spenden. Aber eben nicht mehr die Steuerberatungskosten. Die sind seit 2006 den Werbungskosten oder Betriebsausgaben zugeordnet. Lesen Sie im nächsten Abschnitt, welche Konsequenzen das hat.

Ausgaben für den Steuerberater als Werbungskosten oder Betriebsausgaben

Seit 1. Januar 2006 sind Steuerberatungskosten nur noch als Werbungskosten oder Betriebsausgaben absetzbar. Das bedeutet: Die Rechnung des Steuerberaters wird aufgeteilt. Was berechnet er fürs Ausfüllen der Anlage N? Das kann als Werbungskosten bei der Einkunftsart "Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit" abgesetzt werden. Was berechnet er fürs Ausfüllen der Anlage V? Dieser Betrag zählt zu den Werbungskosten bei den "Einkünften aus Vermietung und Verpachtung". Bei "Einkünften aus selbstständiger Arbeit" heißen die Werbungskosten übrigens offiziell Betriebsausgaben. Aber im Prinzip ist es das Gleiche.

Für Sie als Steuerzahler ist das nachteilig: Denn das Ausfüllen des Mantelbogens durch den Steuerberater können Sie plötzlich nicht mehr absetzen. Denn das entfällt auf keine Einkunftsart, und folglich ist eine Absetzbarkeit als Werbungskosten auch nicht gegeben. Der Fiskus hat also durch diese Änderung heimlich, still und leise die Steuern vieler Bürger erhöht. Der Anteil der Steuerberatungskosten, der auf die private Lebensführung entfällt, kann nicht mehr abgesetzt werden.

Spartipp: Steuersoftware nutzen!

Wollen Sie wirklich Hunderte von Euro für den Steuerberater ausgeben? Und in Kauf nehmen, dass gar nicht mehr alles von der Steuer absetzbar ist? Klüger ist es doch allemal, sich diese Kosten von vornherein zu sparen! Eine Steuererklärung auszufüllen, ist kein Hexenwerk. Zumindest nicht, wenn Sie dafür eine gute Steuersoftware nutzen. Welche ich Ihnen nahelege, lesen Sie im heutigen Produkttipp.

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Foto: Sebastian Fery / Haufe
Foto: Sebastian Fery / Haufe

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Jörg Stroisch arbeitet als selbstständiger und freier Journalist. Seine Themenschwerpunkte sind informative Ratgeberartikel rund um die privaten Finanzen, insbesondere über die Themengebiete Immobilien, Vorsorge ...
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