Freitag, 21.10.2011 | Autor: Jörg Stroisch

Selbstgenutzter Garten: Verkauf bleibt nicht steuerfrei

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Normalerweise gilt: Eine selbstgenutzte Immobilie können Sie schon nach zwei bis drei Jahren wieder verkaufen, ohne auf den Gewinn Spekulationssteuer zahlen zu müssen.

Aber gilt das auch, wenn nur ein Teil des Gartens als Baugrundstück verkauft wird, nicht aber das Haus? Und wenn der Verkäufer weiterhin in seinem Haus wohnt? Mit dieser Frage hat sich der Bundesfinanzhof beschäftigt.

Der Fall: Eine Familie bewohnte ein Haus mit einem riesigen Grundstück. Ein Teil davon war bereits als extra Flurstück vom Hausgrundstück abgeteilt war. Dieses Flurstück nutzte die Familie zunächst als Garten. Dann aber verkaufte sie es an einen Käufer, der es bebauen wollte. Die Spekulationsfrist von zehn Jahren war damals noch nicht abgelaufen.

Da aber die Familie schon über drei Jahre in ihrem Haus wohnte, ging sie trotzdem von Steuerfreiheit aus. Denn für selbstgenutzte Immobilien sieht das Einkommensteuergesetz (Paragraph 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1) Steuerfreiheit vor, wenn es im Jahr des Verkaufs und mindestens zwei Jahre vorher selbst bewohnt wurde. Das Finanzamt war anderer Auffassung. Es verlangte Spekulationssteuer. Dagegen zogen die Verkäufer vor Gericht.

Bundesfinanzhof: Keine Steuerfreiheit

Der Bundesfinanzhof machte ihnen aber einen Strich durch die Rechnung. Er stellte klar: Dadurch, dass die Familie weiterhin in ihrem Haus wohnte, waren die Anforderungen des Gesetzes nicht erfüllt. Denn die Spekulationssteuer entfällt nur, wenn die Familie vor dem Verkauf umzieht (25. Mai 2011, Az.: IX R 48/10).

Wörtlich heißt es im Gesetz: "Ausgenommen sind Wirtschaftsgüter, die im Zeitraum zwischen Anschaffung oder Fertigstellung und Veräußerung ausschließlich zu eigenen Wohnzwecken oder im Jahr der Veräußerung und in den beiden vorangegangenen Jahren zu eigenen Wohnzwecken genutzt wurden." Im Garten, so die Richter, könne man jedoch nicht "wohnen". Somit sei der Fall klar.

Ausweg aus der Steuerfalle: Spekulationsfrist abwarten

Wenn auch Sie in einer solchen Situation sind, gibt es eine Möglichkeit, die Spekulationssteuer zu umgehen. Und die heißt ganz einfach: warten. Wenn zwischen Kauf und Verkauf des Flurstücks mindestens zehn Jahre ins Land gegangen sind, bleibt der Verkaufsgewinn steuerfrei.

Und wenn Sie nicht nur den Garten verkaufen, sondern tatsächlich auch das Haus, dann greift auch wieder die bei Eigennutzung kürzere Spekulationsfrist von zwei bis drei Jahren. Auch hier haben Sie also die Chance, um die Spekulationssteuer herumzukommen.

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Foto: Sebastian Fery / Haufe
Foto: Sebastian Fery / Haufe

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Jörg Stroisch arbeitet als selbstständiger und freier Journalist. Seine Themenschwerpunkte sind informative Ratgeberartikel rund um die privaten Finanzen, insbesondere über die Themengebiete Immobilien, Vorsorge ...
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