Freitag, 16.01.2015 | Autor: Judith Engst, Foto: © Hero - Fotolia.com

Schneeräumen auf dem Gehweg: Das ist steuerlich absetzbar

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Worum geht´s

• Winterdienst, Schneeräumen
• steuerliche Absetzbarkeit
• haushaltsnahe Dienstleistung
• haushaltsnahes Beschäftigungsverhältnis

Stichworte zu diesem Thema

Schnee, Eis und Matsch machen nicht nur die Straßen gefährlich. Auch Einfahrten, Hauseingänge und Gehwege sind ohne Winterdienst unpassierbar.

Wer nicht für den Sturz eines Passanten haftbar gemacht werden will, muss entweder selbst Schnee schippen bzw. streuen oder einen Räumdienst damit beauftragen.

Letzteres können Selbstnutzer als haushaltsnahe Dienstleistung steuerlich absetzen - zwar nicht nur, wenn auf, sondern auch wenn vor Ihrem Grundstück geräumt und gestreut wird.

Angesichts der vielen Rechnungen über „haushaltsnahe Dienstleistungen“ ist schon manches Finanzamt auf seltsame Ideen gekommen.

So hat ein Finanzamt beispielsweise die Absetzbarkeit von Leistungen verweigert, die nicht auf dem Grundstück des Auftraggebers erbracht wurden, sondern nur auf dem angrenzenden Gehweg. Das sei nicht mehr „haushaltsnah“, lautete das Argument.

Falls auch Ihr Finanzamt auf diese Idee kommt, legen Sie Einspruch ein. Denn der Bundesfinanzhof hat längst klargestellt: Eine „haushaltsnahe Dienstleistung“ ist auch der Winterdienst vor dem eigenen Grundstück (BFH, Urteil v. 20.03.2014, Az. VI R 55/12).

Fürs Finanzamt endet Ihr Haushalt nicht an der Grundstücksgrenze

Als haushaltsnahe Dienstleistung können Sie das Schneeschippen auf Gehweg oder Straße immer dann steuerlich absetzen, wenn sie dazu verpflichtet sind.

Das ist meistens der Fall, weil die Städte und Gemeinden in ihrer Satzung die Räum- und Streupflicht auf die Anlieger übertragen haben. Auch als Mieter können Sie betroffen sein, sofern diese Pflicht per Mietvertrag oder Hausordnung auf Sie übertragen wurde.

Ausdrücklich hat der Bundesfinanzhof klargestellt: Ein Haushalt endet nicht zwangsläufig an der Grenze Ihres Grundstücks.

Hängen bestimmte Pflichten außerhalb der Grundstücksgrenze unmittelbar damit zusammen, sind auch sie „haushaltsnah“. Und entsprechend sind die Dienstleistungen, die zum Erfüllen dieser Pflichten erbracht werden, steuerlich absetzbar.

Steuern sparen: Winterdienstrechnungen sind absetzbar

Somit muss das Finanzamt die Kosten für einen bezahlten Winterdienst anerkennen. Sofern Sie damit eine Firma oder selbstständige Person beauftragt haben, müssen Sie den Rechnungsbetrag allerdings überweisen oder per Lastschrifteinzug zahlen. Eine Barzahlung ist hier nicht erlaubt.

Sollten Sie dagegen einen Minijobber für den Winterdienst anstellen, dann gilt dieses Barzahlungsverbot nicht. Allerdings müssen Sie diese Person dann bei der Minijob-Zentrale anmelden und die pauschalen Steuern und Sozialabgaben für sie zahlen.

20 Prozent der Kosten mindern Ihre Steuerlast direkt. "Direkt" heißt: Sie werden direkt von Ihrem Nachzahlungsbetrag abgezogen und nicht nur z. B. bei den Werbungskosten berücksichtigt.

Dabei gilt für Rechnungen von Winterdienstfirmen oder Selbstständigen eine absetzbare Höchstgrenze von 1.200 Euro pro Jahr. Bei einem angestellten Minijobber für den Winterdienst liegt die jährliche Höchstgrenze bei 510 Euro pro Jahr.

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Foto: Judith Engst / Redaktion meineimmobilie.de
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Judith Engst hat sich als Wirtschafts- und Finanzjournalistin auf die publizistische Beratung im Bereich Finanzen, Geldanlage, Recht und Steuern spezialisiert. Für sie sind Immobilien ein unentbehrlicher Baustein zur ...
Judith Engst
Als Sie morgens beiläufig aus dem Fenster schauen, trauen Sie Ihren Augen nicht: alles weiß! Der Zeiger steht bereits auf 7 Uhr und die ersten Fußgänger sind schon auf dem Weg zur Arbeit und stapfen durch den Schnee vor Ihrem Haus.  Bleibt Ihnen noch Zeit zum Frühstücken oder müssen Sie erst raus und schippen? Oder können Sie sitzen bleiben, weil Ihr Mieter mit dem Winterdienst dran ist? Selbst wenn der Mieter schippt: Dennoch sind Sie damit nicht ganz aus der Verkehrssicherungspflicht raus. 
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Die zum Schneeräumen nötigen Geräte müssen Sie Ihrem Mieter stellen, es sei denn, Sie haben etwas anderes mit ihm vereinbart. Die Kosten für das ...

 meineimmobilie.de-Tipp

Bestehen Sie auf eine Rechnung und bewahren Sie den Beleg gut auf

Lassen Sie sich von externen Firmen oder Dienstleistern stets eine Rechnung für den geleisteten Winterdienst ausstellen. Zahlen Sie sie per Überweisung oder erteilen Sie dem Auftragnehmer eine Einzugsermächtigung.

Sie brauchen die Rechnung nicht zusammen mit der Steuererklärung einzureichen, müssen sie aber zwei Jahre lang aufbewahren (die Frist beginnt erst nach Jahresende zu laufen). Falls das Finanzamt besagte Rechnung als Nachweis verlangt, reichen Sie sie ein.

Um den gezahlten Lohn und die pauschalen Abgaben für einen Minijobber steuerlich geltend zu machen, genügt der Nachweis der Minijob-Zentrale. Der wird Ihnen automatisch nach Jahresende von der Minijob-Zentrale zugeschickt. Legen Sie ihn der Steuererklärung bei, dann sind Sie auf der sicheren Seite.