Donnerstag, 04.08.2011 | Autor: Jörg Stroisch, Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2004

Renovieren statt Miete zahlen? Wann das Finanzamt einen Riegel vorschiebt

Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2004

Bei Angehörigen-Mietverträgen schaut das Finanzamt besonders genau hin. Entspricht der Mietvertrag nicht dem Fremdvergleich, werden die Werbungskosten für die Mietwohnung auch nicht anerkannt.

Vor dem hessischen Finanzgericht wurde nun ein Fall verhandelt, in dem ein Vater im Mietshaus seines Sohnes wohnte. Statt Miete zu zahlen, führte er angeblich die Renovierung aus.

Der Fall: Ein Hauseigentümer überließ seinem Vater ein neu errichtetes Einfamilienhaus zu Wohnzwecken. Es gab keinen schriftlichen Mietvertrag. Dennoch wollte der Hauseigentümer in seiner Steuererklärung hohe Werbungskosten geltend machen. Mieteinnahmen konnte er nicht vorweisen, konkrete Angaben zur Vermietungsabsicht machte er nicht. Deshalb lehnte das Finanzamt ab.

Gegen den Bescheid legte er Einspruch ein. Erst hier begründete er, warum aus seiner Sicht eine Vermietung vorliege: Der Vater habe zwar keine Miete gezahlt, sich dafür aber um die Renovierung gekümmert. Aber auch dies wollte das Finanzamt nicht anerkennen, woraufhin der Mann Klage vor dem Hessischen Finanzgericht erhob.

Gericht: Kein Werbungskostenabzug möglich

Vor Gericht scheiterte er mit seinem Ansinnen, denn die Richter lehnten seine Klage rundweg ab. Sie stellten klar: Für Mietverträge zwischen engen Angehörigen gelten strengere Anforderungen als für Mietverträge unter Fremden.

Steuerlich sei eine Anerkennung nur möglich, wenn ein solcher Vertrag wie unter Fremden geschlossen worden sei. Die Pflichten beider Parteien müssten klar und deutlich vereinbart und entsprechend durchgeführt werden. In diesem Fall sei das aber nicht so praktiziert worden (27.10.2010, Az.: 3 K 646/06).

Prinzipiell möglich: Arbeit statt Miete

Interessanterweise lehnten die Richter das Vermietungsmodell "Arbeit statt Mietzins" nicht grundsätzlich ab. Das sei durchaus möglich. Allerdings müsse dann vertraglich genau festgelegt werden, wie hoch die Miete und der Wert der zu erbringenden Arbeitsleistung sei.

Auch die Arbeitsleistung müsste dann wie unter Dritten abgerechnet werden, nämlich mit einer Abrechnung über die Summe der angerechneten Stundenlöhne.

Fazit: Lassen Sie lieber die Finger davon!

Theoretisch - siehe oben - ist das Vermietungsmodell "Arbeit statt Mietzins" möglich. Praktisch aber bringt es viele Unwägbarkeiten mit sich: Wie hoch darf unter Angehörigen der Stundenlohn sein? Müsste auf den nicht ausgezahlten Arbeitslohn nicht noch Einkommenssteuer einbehalten werden? Hält ein solcher Vertrag trotz allem dem Fremdvergleich stand?

Lassen Sie sich auf ein solches Experiment besser nicht ein und verlangen Sie Ihre Miete lieber wie üblich in Form von Geld. Liegt die Miete nicht allzu weit unter dem ortsüblichen Mietzins, ist auch die steuerliche Anerkennung Ihrer Werbungskosten nicht in Gefahr.

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Foto: Sebastian Fery / Haufe
Foto: Sebastian Fery / Haufe

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Jörg Stroisch arbeitet als selbstständiger und freier Journalist. Seine Themenschwerpunkte sind informative Ratgeberartikel rund um die privaten Finanzen, insbesondere über die Themengebiete Immobilien, Vorsorge ...
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