Samstag, 31.10.2015 | Autor: Judith Engst, Foto: Agentur: MEV

Privatdarlehen: Was Sie steuerlich beachten müssen

Foto: Agentur: MEV
Worum geht´s

• Privatdarlehen
• Absetzbarkeit
• Versteuerung von Zinseinnahmen

Müssen Sie wegen einem Kredit für Ihr Haus unbedingt zur Bank gehen? "Nicht unbedingt", sagt sich so mancher Bauherr oder Käufer.

 

Wer beispielsweise vermögende Verwandte oder Freunde hat, für den ist ein Privatdarlehen oftmals die attraktivere Möglichkeit, an Geld zu kommen. Allerdings lauern bei einem privaten Kredit einige steuerliche Fallstricke, die es zu umgehen gilt.

Zunächst gilt: Fixieren Sie Ihr Privatdarlehen schriftlich. Setzen Sie ein Schriftstück auf, aus dem

-  der Darlehensgeber und -nehmer,

-  die Auszahlungssumme,

-  der Auszahlungszeitpunkt,

-  der vereinbarte Zinssatz und

-  die Rückzahlungsmodalitäten

hervorgehen.

Warum so viel Bürokratie? Weil das Finanzamt ansonsten womöglich von einer Schenkung ausgeht.

Ein Beispiel: Sie erhalten von Ihrem Bruder ein Darlehen von 100.000 EUR. Das Finanzamt stuft es jedoch als Schenkung ein. Nur 20.000 EUR sind unter Geschwistern schenkungsteuerfrei, so hoch liegt der Freibetrag. Das heißt: 80.000 EUR müssten versteuert werden. Und bei der Rückzahlung dann womöglich noch einmal! Das wäre absurd.

Wann Sie Ihre Kreditzinsen absetzen können

Wollen Sie das finanzierte Objekt gewerblich oder zur Vermietung nutzen, können Sie als Kreditnehmer die Sollzinsen absetzen.

Das geht allerdings nur, wenn Ihr Kreditvertrag einem Fremdvergleich standhält. Und das heißt: Er muss ebenso abgewickelt werden, als wenn Sie einen Kreditvertrag mit einer Bank abgeschlossen hätten.

Kreditvertrag unter Angehörigen: Was Sie vermeiden sollten

Sie sollten es bei einem Privatdarlehen tunlichst vermeiden, Ihre Raten unpünktlich zu zahlen oder die Zinsen deutlich niedriger festzulegen, als eine Bank das tun würde.

Dagegen dürfen Sie in Ihrem Kreditvertrag auf eine Vorfälligkeitsentschädigung bei vorzeitiger Rückzahlung verzichten.

Fremdvergleich: Es geht auch ohne Grundschuldeintrag 

Entsprechend können Sie auch ein unüblich hohes Sondertilgungsrecht vereinbaren, ohne dass dafür gleich ein Zinszuschlag fällig wird.

Ebenfalls ist bei einem Privatdarlehen laut Bundesfinanzhof nicht nötig, dass dafür eine Grundschuld eingetragen wird (BFH, Urteil v. 29.4.2014, VIII R 9/13), die dagegen bei einem Bankkredit üblich wäre.

Darlehensgeber muss seine Zinseinnahmen versteuern

Bei Privat- bzw. Angehörigendarlehen wird häufig Folgendes vergessen: Die gezahlten Sollzinsen sind für den Darlehensgeber Einnahmen. Und zwar Einnahmen, die der Steuerpflicht unterliegen. Das heißt, der Kreditgeber muss sie in seiner Steuererklärung als Einnahmen angeben.

Welcher Steuersatz dafür gilt - der persönliche Einkommensteuersatz mit bis zu 42 Prozent? Oder die mit 25 Prozent meist deutlich günstigere Abgeltungssteuer? Auch das hat der Bundesfinanzhof inzwischen geklärt: Sofern kein Näheverhältnis vorliegt, unterliegen die Zinseinnahmen der Abgeltungssteuer.

Privatdarlehen: Welcher Steuersatz für die Einnahmen gilt

Ein Näheverhältnis besteht nicht schon allein aufgrund einer verwandtschaftlichen Beziehung zwischen dem Darlehensgeber und dem Darlehensnehmer. Es besteht erst dann, wenn der Darlehensgeber ein wirtschaftliches Interesse daran hat, dass der Kreditnehmer mit der betreffenden Immobilie Einkünfte erzielt.

Solange das nicht gegeben ist, gilt der günstigere Abgeltungssteuersatz. Auch das geht aus dem oben zitierten BFH-Urteil klar hervor.

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Foto: Judith Engst / Redaktion meineimmobilie.de
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 meineimmobilie.de-Tipp

Vom Privatdarlehen profitieren beide Seiten

Privatdarlehen sind für beide Seiten sehr empfehlenswert. Allerdings nur dann, wenn sich die Risiken in Grenzen halten und eine Rückzahlung des Darlehens nicht etwa zweifelhaft ist.

Dann aber profitieren beide Seiten davon: Der Darlehensgeber hat eine gute Geldanlage. Denn er bekommt für den Kredit meist Zinsen, die weitaus höher liegen als das, was die Banken derzeit fürs Festgeld bieten. Außerdem ist der Abgeltungssteuersatz moderat - anders als eine Besteuerung nach dem persönlichen Einkommensteuersatz.

Der Darlehensnehmer spart Geld. Denn durch Gebühren und interne Kosten wird ein Bankkredit in aller Regel teurer sein als ein Privatkredit. Auch der Eintrag einer Grundschuld entfällt - und kostet damit kein Geld. Privatkredite sind nicht zuletzt auch deshalb attraktiv, weil sie eine vorzeitige, vollständige Tilgung erlauben, ohne dass dafür eine Vorfälligkeitsentschädigung gezahlt werden muss.

 

Fazit: Bevor Sie bei den Banken nach einer Finanzierungsmöglichkeit suchen, lohnt es sich durchaus, in Ihrem Familienkreis nachzufragen, wer womöglich bereit ist, Ihnen einen Privatkredit zu geben.