Freitag, 31.10.2014 | Autor: Judith Engst, Foto: © styleuneed - Fotolia.com

Niedrigere Abschreibung: Finanzamt darf AfA-Werte nicht eigenmächtig erhöhen

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Worum geht´s

• Abschreibung von Gebäuden
• AfA-Tabelle
• Finanzgericht Niedersachsen
• Verlängerung der Abschreibungsdauer

Stichworte zu diesem Thema

Stellen Sie sich vor, Sie bauen ein Haus und wollen es - wie in der amtlichen AfA-Tabelle festgelegt - über 50 Jahre abschreiben.

Das Finanzamt aber meint: "Das Haus hält doch länger als 50 Jahre!" Entsprechend setzt es die Abschreibungsdauer auf 100 Jahre fest. Ein absurdes Beispiel? Von wegen! Vor dem Finanzgericht Niedersachsen wurde ein ähnlicher Fall verhandelt.

Je kürzer der Abschreibungszeitraum, umso höher die Abschreibung

Zwar ging es im betreffenden Urteil nicht um ein Wohngebäude, sondern um die Lagerhalle eines Landwirts. Aber das Prinzip war das gleiche. Ein Landwirt hatte in Leichtbauweise eine Kartoffelhalle gebaut. Laut AfA-Tabelle war sie über 17 Jahre abzuschreiben.

Eine kurze Abschreibungsdauer bedeutet: Sie können zwar über einen kürzeren Zeitraum abschreiben, dafür aber höhere Kosten!

Kein Wunder also, dass das Finanzamt davon nicht gerade begeistert ist! Es vertrat deswegen die Auffassung, dass das Gebäude doch sehr viel stabiler und dauerhafter gebaut sei als ein typischer Leichtbau. Deswegen setzte es kurzerhand die Nutzungsdauer auf 25 Jahre statt 17 Jahre herauf.

Als der Einspruch des Landwirts erfolglos blieb, erhob er Klage.

Was Sie beim Finanzamt abschreiben können

Die Abkürzung „AfA“ steht für den etwas sperrigen Begriff „Absetzung für Abnutzung“. Landläufig spricht man auch von „Abschreibung“.

Dahinter steckt folgendes steuerliches Prinzip: Den Kauf- oder Errichtungspreis abnutzbarer Wirtschaftsgüter dürfen Sie nicht auf einen Schlag von der Steuer absetzen. Der wird vielmehr über die voraussichtliche Nutzungsdauer verteilt.

Zu den abnutzbaren Wirtschaftsgütern gehört alles, was im Laufe der Zeit an Wert verliert und irgendwann nicht mehr nutzbar ist. Darunter fallen beispielsweise Photovoltaikanlagen, Autos und auch das Gebäude, allerdings ohne den Preis fürs Grundstück, auf dem Ihr Haus steht. 

Wie lange Sie abschreiben können 

Für all diese Dinge gibt die Finanzverwaltung in den sogenannten amtlichen AfA-Tabellen die durchschnittliche Nutzungsdauer vor.

Über diese durchschnittliche Nutzungsdauer hinweg können Sie dann den Preis für besagtes Wirtschaftsgut abschreiben.

Bei einer Nutzungsdauer von 10 Jahren können Sie jährlich nur ein Zehntel des Preises von der Steuer absetzen.

Die AfA-Tabelle ist für Finanzämter verbindlich

Darf aber nun das Finanzamt tatsächlich die Nutzungsdauer eigenmächtig verlängern und den jährlichen Abschreibungssatz somit verringern, wenn es den AfA-Wert im Einzelfall für zu niedrig hält?

Das Finanzgericht Niedersachsen stellte klar: Ein Finanzamt darf nicht von den Durchschnittswerten der AfA-Tabelle nach oben abweichen. Es darf also die Nutzungsdauer laut AfA-Tabelle nicht eigenmächtig verlängern.

Im Falle des Landwirts hatte ein Gutachter bestätigt, dass die Halle tatsächlich in Leichtbauweise errichtet worden war. Obwohl sie voraussichtlich tatsächlich länger halten würde als 17 Jahre, musste das Finanzamt den Durchschnittswert laut AfA-Tabelle akzeptieren und eine Abschreibung binnen 17 Jahren erlauben (FG Niedersachsen, 09.07.2014, Az. 9 K 98/14).

Finanzamt darf Nutzungsdauer nicht eigenmächtig verlängern

Das Gericht gab dem Finanzamt auf: Für die Finanzverwaltung sei die amtliche AfA-Tabelle eine Dienstvorschrift, von der die Finanzämter nicht zu Ungunsten der Steuerpflichtigen abweichen dürfen.

Es gebe sie schließlich aus Vereinfachungsgründen, gerade, um nicht für jedes Wirtschaftsgut die Nutzungsdauer einzeln ermitteln zu müssen.

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Foto: Judith Engst / Redaktion meineimmobilie.de
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Judith Engst hat sich als Wirtschafts- und Finanzjournalistin auf die publizistische Beratung im Bereich Finanzen, Geldanlage, Recht und Steuern spezialisiert. Für sie sind Immobilien ein unentbehrlicher Baustein zur ...
Judith Engst
Die Abschreibung ist für Sie als Inhaber einer Mietimmobilie interessant: Zwei Prozent des Gebäudewertes pro Jahr können Sie in der Regel steuermindernd als Abschreibung geltend machen - und das 50 Jahre lang. Mit der Abschreibung beginnen dürfen Sie allerdings erst nach Fertigstellung des Gebäudes. Und genau hier kommt es öfter zum Zank zwischen Vermietern und Finanzämtern. Die Streitfrage lautet: Wann gilt ein Gebäude als fertiggestellt? Muss es komplett bezugsfertig sein? Oder darf der Vermieter noch warten, welche Wünsche ein potenzieller Mieter oder Pächter noch hat, etwa was Zwischenwände, Einbauten und Elektroinstallationen angeht? Ein solcher Fall wurde unlängst vor dem Finanzgericht Düsseldorf verhandelt.  
Wer eine nicht selbst genutzte Immobilie innerhalb von 10 Jahren verkauft, muss den Gewinn mit seinem persönlichen Einkommensteuersatz versteuern. Aber was genau ist eigentlich der Gewinn?

 meineimmobilie.de-Tipp

Das Finanzamt darf zwar die Nutzungsdauer nicht zu Ihren Ungunsten verlängern. Sie als Steuerpflichtiger haben sehr wohl Möglichkeiten, die Abschreibung zu Ihren Gunsten zu verkürzen. Damit steigt dann Ihre Abschreibung pro Jahr!

Dazu müssen Sie aber dem Finanzamt glaubhaft machen, dass Ihre Immobilie, Ihre Photovoltaikanlage, Ihr Auto, Ihre Lagerhalle etc. nicht so lange nutzbar sein wird, wie in der AfA-Tabelle steht. Damit verkürzen Sie die Abschreibungsdauer laut AfA-Tabelle und erzielen so eine höhere Abschreibung pro Jahr.

Kaufen Sie eine "gebrauchte Immobilie" gilt: Mit einem Eigentümerwechsel beginnt die AfA für das Gebäude wieder neu zu laufen - und diese dauert üblicherweise 50 Jahre.

Sie müssen dann schon andere Gründe vorbringen, um eine kürzere Nutzungsdauer und damit eine höhere Abschreibung zu belegen. Machen Sie sich darauf gefasst, dass das Finanzamt Ihre Gründe für die verkürzte Abschreibung genau prüft.

Bei Mietimmobilien hilft Ihnen womöglich ein Sachverständigengutachten, aus dem hervorgeht, dass das Gebäude aufgrund seiner maroden Bausubstanz voraussichtlich nur 30 statt 50 Jahre nutzbar bleibt.